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Dynamo

Neuhaus' Traum von der Bundesliga

Mit 60 will Dynamo Dresdens ehemaliger Trainer endlich in die Bundesliga aufsteigen. Die Voraussetzungen für seinen Klub Bielefeld sind gut.

Am 26. Oktober war Uwe Neuhaus wieder mal im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion zu Gast - allerdings auf der Bank der Gäste als Bielefeld-Trainer.
Am 26. Oktober war Uwe Neuhaus wieder mal im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion zu Gast - allerdings auf der Bank der Gäste als Bielefeld-Trainer. © Lutz Hentschel

Bielefeld. Uwe Neuhaus war schon immer ein Spätstarter. Erst mit 30 Jahren wurde er Bundesliga-Profi. Mit 60 könnte er nun erstmals als Trainer zurückkehren. Nicht der Hamburger SV und auch nicht der VfB Stuttgart haben die beste Ausgangslage vor dem Zweitliga-Neustart an diesem Dienstag im Aufstiegsrennen, sondern Arminia Bielefeld.

Das soll für das Überraschungsteam zum großen Vorteil werden. "Druck spielt für uns keine Rolle", sagte Arminen-Coach Neuhaus am Montag. "Andere Vereine müssen, wir dürfen."

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Vor dem Neustart am Dienstag gegen den VfL Bochum (18.30 Uhr/Sky) geht Bielefeld mit vier Punkten Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz in die restlichen 16 Spiele der Rückrunde. "Wir werden alles dafür tun, um oben zu bleiben und jedes Spiel zu gewinnen", sagte Abwehrspieler Amos Pieper.

Längst träumen die Fans nach elfjähriger Bundesliga-Abstinenz von der Rückkehr in die Erstklassigkeit. "Wenn man auf die Tabelle blickt, sieht man, dass wir die Möglichkeit dazu haben", sagte Neuhaus, der mit seinem Team 2019 in 35 Spielen 65 Punkte sammelte. Nur sechs Partien verloren die Ostwestfalen im abgelaufenen Kalender-Jahr. Neuhaus selbst sprach von einem "genialen Jahr 2019".

Die Schwäche der anderen

Der Erfolg Bielefelds liegt freilich auch an der fehlenden Konstanz der vermeintlichen Topclubs aus Hamburg und Stuttgart. Gerade erst sorgte die heftige 2:5-Testspielpleite des HSV beim Viertligisten Lübeck für Frust. "Ich weiß, was solche Spiele bewirken oder auch nicht bewirken können", sagte HSV-Coach Dieter Hecking anschließend.

Mit 31 Punkten ist der große HSV nur Zweiter und drei Punkte hinter Bielefeld. Das Hecking-Team ist erst am Donnerstag gegen Nürnberg wieder gefordert. Der Dritte Stuttgart (31) startet am Mittwoch mit dem schwierigen Duell gegen den Vierten Heidenheim (30).

Über drei Jahre war Neuhaus Trainer von Dynamo Dresden.
Über drei Jahre war Neuhaus Trainer von Dynamo Dresden. © Robert Michael

"Hamburg und Stuttgart haben aber natürlich den qualitativ deutlich besseren Kader", räumte Neuhaus ein. "Beide haben personell noch einmal zugelegt. Die Frage bleibt, wie schnell sie es schaffen, die Qualität auch auf den Platz zu bringen."

Um vor allem diese beiden Favoriten bis zum Ende ärgern zu können, muss sich Bielefeld daheim noch verbessern. Auswärts sind die Arminen mit 23 Punkten aus zehn Spielen mit Abstand das erfolgreichste Team der Liga. Zu Hause gab es bislang dagegen nur elf Zähler aus acht Partien. Dies soll bereits am Dienstag besser werden.

Der Wehmut der Dynamo-Fans

"Wir müssen einfach noch konstanter punkten. Die Möglichkeiten dafür sind da", meinte Neuhaus, der wieder einmal von einer späten Bundesliga-Karriere träumt. Als Trainer ist der Ex-Profi seit rund 25 Jahren im Geschäft, einen Bundesligisten trainierte er noch nie.

Mit Dynamo Dresden war Neuhaus sogar mal ziemlich dicht dran. Im Sommer 2015 übernahm er den Trainerjob in der sächsischen Hauptstadt, führte den damaligen Drittligisten mit 78 Punkten souverän zum Aufstieg - um in der Folgesaison manchen Dynamo-Fan gar vom Durchmarsch ins Oberhaus träumen zu lassen.

Nach einem mäßigen Start in die Saison 2016/17 konnte sich Neuhaus mit seiner Mannschaft dank einer starken Serie mit sechs Spielen in Folge ohne Niederlage im oberen Tabellendrittel festsetzen, kletterte am 18. Spieltag sogar auf Platz 5 - wo die Schwarz-Gelben schließlich auch am Ende der Saison standen.

116 Spiele absolvierte Neubaus als Dynamo-Trainer.
116 Spiele absolvierte Neubaus als Dynamo-Trainer. © Robert Michael

Doch in der folgenden Saison konnte Neuhaus mit seiner Mannschaft nicht mehr an den Erfolg anknüpfen. Abstiegssorgen plagten den Verein, der letztlich auf Platz 14 landete. Nach einem mäßigen Start in die Saison 2018/19 und dem Aus im DFB-Pokal gegen den Viertligisten Rödinghausen musste Neuhaus schließlich seinen Hut nehmen.

Angesichts seines Erfolges mit Bielefeld denkt so mancher Dynamo-Fan mit Wehmut an Uwe Neuhaus zurück. Immerhin stand er reichlich drei Jahre und 116 Spiele bei den Dresdnern an der Seitenlinie - viel Zeit für den Verein mit dem notorisch unruhigen Umfeld und vielen Trainerwechseln in der jüngsten Geschichte. Seit der Wende war nur ein Trainer länger bei Dynamo: Christoph Franke brachte es auf knapp 4,5 Jahre.

Der Triumph über RB Leipzig

In Neuhaus' Amtszeit bei Dynamo fallen nicht nur die Rückkehr in die Zweite Liga und die stärkste Zweitliga-Saison in der Vereinsgeschichte. Auch der denkwürdige Sieg in der 1. Runde des DFB-Pokals gegen RB Leipzig am 20. August 2016 blieb lang über die Saison hinaus in Erinnerung.

Nun will Neuhaus mit Bielefeld den nächsten Schritt gehen - und endlich als Trainer in die Bundesliga aufsteigen. "Das ist mein Ziel und das bleibt mein Ziel, solange bis es nicht mehr erfüllbar ist", sagte Neuhaus zuletzt dem "Westfalen-Blatt". Schon als Spieler gelang im erst mit 30 Jahren der Aufstieg mit Wattenscheid 09. "Warum soll mir das als Trainer nicht gelingen?" (dpa, SZ/hoe)