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Neukirch bekommt Schullandheim zurück

Seit Herbst 2015 beherbergte das Haus minderjährige Flüchtlinge. Jetzt wird die Einrichtung nicht mehr gebraucht.

© Archivfoto: Wolfgang Schmidt

Von Ingolf Reinsch

Neukirch. Das Neukircher Heim für minderjährige Flüchtlinge, die ohne Begleitung Erwachsener nach Deutschland gekommen sind, wird bis zum Ende dieses Monats geschlossen. Das sagte Peter Stange, Pressesprecher des Landratsamtes, am Freitag der SZ. Momentan leben nur noch sechs Jugendliche im Haus. Angesichts rückläufiger Flüchtlingszahlen wurde die Belegungszahl des Neukircher Heimes bereits in den vergangenen Monaten schrittweise reduziert. Die erste Gruppe verließ Ende April die Oberlandgemeinde.

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Laut einer vom Landratsamt in der vergangenen Woche veröffentlichten Statistik lebten mit Stand vom 29. Juni 127 unbegleitete minderjährige Asylsuchende im Landkreis Bautzen. Flüchtlinge aus Afghanistan stellten mit 48 die mit Abstand größte Gruppe, gefolgt von jungen Menschen aus Syrien (20), Eritrea (14) und Somalia (9). Das spiegelte sich auch unter den Bewohnern der Neukircher Unterkunft wieder: Junge Afghanen sowie Afrikaner mit den Herkunftsländern Guinea, Eritrea und Äthiopien bildeten das Gros der Bewohner. Im Mai 2016 waren kreisweit 166 allein reisende jugendliche Flüchtlinge im Landkreis Bautzen untergebracht. Sie werden in Einrichtungen der Jugendhilfe betreut .

Das Heim in Neukirch, für das eine Maximalbelegung von 30 Plätzen vorgesehen war, ist im November 2015 im Schullandheim eröffnet worden. Erst wenige Wochen davor hatten Bundestag und der Bundesrat Änderungen des Sozialgesetzbuches Acht – Kinder und Jugendhilfe – beschlossen. Diese traten zum 1. November 2015 in Kraft. Darin enthalten sind die Regelungen für die Unterbringung, Versorgung und Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Kindern und Jugendlichen.

Gebäude wird renoviert

Deutschlandweit sind demnach die jeweiligen Jugendämter dafür zuständig, den Schutz der Kinderrechte zu garantieren und das staatliche Wächteramt auszuüben. Der Landkreis Bautzen wurde gesetzlich verpflichtet, ab November jenen Jahres 7,6 Prozent der dem Freistaat Sachsen zugewiesenen Flüchtlingskinder in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe unterzubringen. Da die vorhandenen Kapazitäten ausgelastet waren, mussten, meist kurzfristig, zusätzliche Plätze in geeigneten Einrichtungen geschaffen werden – zum Beispiel in Neukirch, Döberkitz und anderen Orten.

Nach Schließung der Asylunterkunft Ende Juli soll das Gebäude renoviert und anschließend wieder als Schullandheim genutzt werden. Ab Herbst, heißt es in Neukirch, könnten wieder Schulklassen im Haus untergebracht werden. Doch im Grunde genommen hat der Verein der Schullandheime im Landkreis Bautzen das Gebäude auch in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht aus der Hand gegeben. Er baute es nicht nur für die neue Nutzung um, sondern betrieb die Einrichtung auch im Auftrag des Landkreises. Im Landratsamt attestiert man dem Neukircher Team des Schullandheime e.V. eine „hervorragende Arbeit“.

Bereits Ende April wurde das Asylbewerberheim an der Neukircher Oststraße geschlossen. Die Gebäude, die einst von einer Bildungsgesellschaft genutzt worden waren, stehen jetzt leer. Der Landkreis als Eigentümer plant, die Immobilie zu verkaufen. Zurzeit werde ein Verkehrswertgutachten erstellt, was bis zu einem Jahr dauern kann, hieß es im Juni auf Anfrage im Landratsamt. Erst wenn das Gutachten vorliegt, kann das Landratsamt die Immobilie zum Verkauf ausschreiben. Das könnte voraussichtlich im Jahr 2019 geschehen.