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Neunjährige Großenhainerin bei Haar-Spendenaktion

Das Friseurstudio Vatter bat um Haarspenden. Das Ergebnis der Aktion überwältigte selbst die Initiatorin.

© Dietmar Thomas

Von Eric Mittmann

Großenhain. Die lange Mähne zu einem Zopf geflochten, sitzt Rebecca Vatter nervös auf dem Friseurstuhl. „Als wir mit dem Auto hier her gefahren sind, war die Aufregung schon groß“, sagt die 16-Jährige, während Friseurin Lydia Albat hinter hier schon die Schere ansetzt. Nach einem kurzen Versuch greift sie zur Maschine. „Deine Haare sind so dick. Da komme ich mit der Schere gar nicht durch“, erklärt die Friseurin freudig. Das Döbelner Friseurstudio Vatter hatte zur Aktion „Zopf ab und rote Nase dran“ aufgerufen. Der Grundgedanke der Aktion: Haare lassen, um zu helfen. „Mich haben immer wieder Kunden gefragt, wo sie Haare spenden können“, erklärte Simone Vatter bereits während der Vorbereitungen. „Da dachte ich, dass ich so etwas doch auch selbst veranstalten könnte.“

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Rebecca Vatter mit ihrem neuen Haarschnitt, einem Long-Bob.
Rebecca Vatter mit ihrem neuen Haarschnitt, einem Long-Bob. © Dietmar Thomas
Die Friseurinnen des Salons Vatter mit ihrer Ausbeute.
Die Friseurinnen des Salons Vatter mit ihrer Ausbeute. © privat

Mädchen beweisen Tapferkeit

Nun stand die Friseurmeisterin in ihrem Salon und war hellauf vom Ergebnis ihres Aufrufes begeistert. „Es ist doch verrückt. Da hatte ich einmal eine blöde Idee und nun sehe ich, wie viele Menschen mich dabei unterstützen – von der Zeitung über meine Mitarbeiter bis hin zu den Mädels, die ihr Haar geben. Das ist unglaublich spannend.“

Maximal drei Zöpfe hatten sich Vatter und ihre Mitarbeiterinnen erhofft, als sie die Aktion ins Leben gerufen haben. Letztendlich sind es 17 geworden und selbst am Abend erhielt die Geschäftsführerin noch Anfragen, ob eine Haarspende denn noch möglich wäre. „Viele Leute haben uns bereits vorab ihre Spende geschickt, so beispielsweise auch eine 83-jährige Dame“, schwärmt Vatter. „Unsere jüngste Teilnehmerin heute ist ein neunjähriges Mädchen aus Großenhain. Die Familie ist extra eine Stunde hier her gefahren, damit die Kleine ihre Haare spenden kann.“

In der vergangenen Woche habe Vatter noch einmal alle Kunden angerufen, um die Termine für den Aktionstag abzugleichen. „Die Mutter des Mädchens meinte während des Telefonats bereits, dass die Kleine sehr aufgeregt sei und wir ihr bitte gut zureden sollen. Als sie auf dem Stuhl saß, war sie dann aber ganz tapfer.“ Auch Rebecca bewies auf dem Friseurstuhl Tapferkeit. „Ich hatte kurz Zweifel, aber ich konnte es auch nicht übers Herz bringen, es nicht zu machen“, sagte sie, während ihr noch kurz zuvor langes Haar in einen modernen Bob verwandelt wurde.

Einen solchen habe sie auch schon im Kindergarten getragen. „Seit der Grundschule habe ich meine Haare dann aber immer so lang getragen. In meiner Familie war ich diejenige mit der längsten Frisur“, erzählte sie. Das letzte Mal seien ihre Haare im vergangenen Sommer gekürzt worden, allerdings nur um zehn Zentimeter. „Danach nicht mehr. Aber als mich meine Tante gefragt hat, ob ich meine Haare spenden möchte, stand meine Entscheidung sofort fest.“ Rebecca habe bereits schon vorher darüber nachgedacht, ihre Haare abzugeben. „Haarspenden gehen immer“, sagt Simone Vatter dazu. Allerdings müssen Spender ein paar Bedingungen beachten: Dass Haar muss mindestens 30 Zentimeter lang und darf weder gefärbt noch blondiert sein. „Am besten ist es, vor der Spende einen Termin für ein kurzes Vorgespräch zu vereinbaren. Bei Minderjährigen sollten außerdem die Eltern zustimmen“, so Vatter.

Spendenaktion bringt 48 000 Euro

Die gesammelten Zöpfe möchte sie an den Bundesverband der Zweithaarspezialisten schicken. Im Rahmen der Aktion „Rapunzel“ versteigert dieser jährlich Haarspenden für den guten Zweck. „Die Versteigerung erfolgt immer in Fulda auf der Messe. Da ist dann eine riesige Tafel voller Haare“, sagte die Friseurmeisterin. 2017 soll die Auktion 48 000 Euro eingebracht haben. Das in diesem Jahr gesammelte Geld geht an die Stiftung „Humor hilft heilen“ des Arztes und Entertainers Dr. Eckart von Hirschhausen. Diese finanziert Clowns, die schwerkranke Menschen in Krankenhäusern besuchen. Auch deswegen hatte sich Vatter dazu entschieden, selbst eine Aktion ins Leben zu rufen. „Ich habe mir die Stiftung vorher angesehen. Das hat alles Hand und Fuß. Und was der Hirschhausen macht, ist sowieso genial“, sagte sie.

Von der Aktion des Friseursalons waren auch Vatters Mitarbeiterinnen begeistert, die an diesem Tag unbezahlt die Schere ansetzten. Der neue Haarschnitt war für die Spenderinnen umsonst. „Ich denke, das ist eine sehr schöne Idee“, sagte Lydia Albat, während sie noch mit Rebeccas neuer Frisur beschäftigt war. „Ich hatte früher ja auch mal ganz lange Haare. Irgendwann habe ich sie mir dann einfach abgeschnitten. Hätte ich gewusst, dass es so etwas gibt, hätte ich die Haare auch gespendet.“

Dass die Aktion so gut angenommen wird, hatte sie nicht erwartet. „Uns wurden ja nun auch schon acht Zöpfe zugeschickt. Einer davon sogar von einer 71-jährigen Frau aus Riesa, die sich die Haare bereits im Alter von 15 abgeschnitten und dann aufbewahrt hat. Das ist schon krass.“

Dem stimmte auch Friseurin Karola Fischer zu. „Es ist wirklich genial, wie gut die Aktion angenommen wird“, sagte sie. Drei Kundinnen hatte sie bis 11 Uhr bereits auf ihrem Stuhl sitzen. Die Auktion der Haarspenden wird am 16. April stattfinden. Simone Vatter hat sich bereits jetzt vorgenommen, dabei zu sein. „Ich fahre hin und mache Bilder“, sagt sie freudestrahlend.