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Neustadt hat ein Stück Heimat zurück

Der Unger lädt wieder zur Einkehr und hat sogar eine eigene Torte. Jetzt steigt die Vorfreude auf ein Jubiläum.

© Steffen Unger

Von Heike Sabel

Neustadt. Das ist wohl etwas übertrieben, dachte mancher, als der Neustädter Bürgermeister Peter Mühle (NfN) vom Unger als einem Stück Heimat sprach. Und trotzdem war es für viele eben die Rückkehr eines Stücks Heimat, als am Wochenende die Gaststätte am markanten Turm wieder öffnete. Kaum einer, der das erste Mal hier war. Viele staunen, hätten nicht gedacht, dass es so schnell geht, dass alles so gepflegt ist. Erst Mitte März hatten die vorherigen Eigentümer das Areal an Peggy Windler übergeben. Die Plätze sind am Sonnabendnachmittag gut belegt, Volksfeststimmung mit Musik, Stelzenläufer und Schnellzeichner, Kuchen und Bratwurst und vielen Gesprächen, die mit „Weißt Du noch“ beginnen. Margit Schuster erinnert sich an ein Silvester auf dem Unger. Da waren sie hierher gewandert, durch hohen Schnee, der in die Stiefel kroch. Oben angekommen, ließ man sie nicht mal reingucken geschweige denn aufwärmen oder was essen, erzählt die 88-jährige Schönbacherin.

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Was verbindet Sie mit dem Unger?

Doppelte Rückkehr Er zog einst von Dresden nach Neustadt, dann wieder in die große Stadt und kam schließlich zurück: Jürgen Paul. Die Wiedereröffnung des Ungers ist dabei für ihn ein Stück Nach-Hause-Kommen. 1970 war er das erste Mal hier und danach immer wieder. Wandern, was essen, die Ruhe, Natur und den Ausblick genießen, das machte den Unger für den 71-Jährigen aus, und das genießt er nun wieder. Er staunt über das, was hier in kurzer Zeit verändert und geschaffen wurde. Jürgen Paul kann allen, auch den Dresdnern, einen Ausflug hierher nur empfehlen. „Es ist sehr schön geworden.“
Doppelte Rückkehr Er zog einst von Dresden nach Neustadt, dann wieder in die große Stadt und kam schließlich zurück: Jürgen Paul. Die Wiedereröffnung des Ungers ist dabei für ihn ein Stück Nach-Hause-Kommen. 1970 war er das erste Mal hier und danach immer wieder. Wandern, was essen, die Ruhe, Natur und den Ausblick genießen, das machte den Unger für den 71-Jährigen aus, und das genießt er nun wieder. Er staunt über das, was hier in kurzer Zeit verändert und geschaffen wurde. Jürgen Paul kann allen, auch den Dresdnern, einen Ausflug hierher nur empfehlen. „Es ist sehr schön geworden.“
Am Kachelofen getrocknet Rodeln, wandern, Ski fahren, feiern:  Angela Stegmann aus Berthelsdorf und ihre Familie waren gern und viel auf dem Unger. Sogar Loipen wurden früher gespurt. Die Stegmanns vermissten das Ausflugsziel vor allem im Winter. Anfang der 1980er-Jahre führte die Sportwanderung „Sandstein und Granit“ zum Unger. Einmal feierten die Stegmanns mit der Familie im Wintergarten Weihnachten. Weil der Enkel in die einzige Pfütze, die es gab, fiel, wurde er zum Trocknen an den Kachelofen gesetzt. Jetzt freuen sich die Stegmanns, dass sie auch den sanierten Teich wiedergefunden haben.
Am Kachelofen getrocknet Rodeln, wandern, Ski fahren, feiern: Angela Stegmann aus Berthelsdorf und ihre Familie waren gern und viel auf dem Unger. Sogar Loipen wurden früher gespurt. Die Stegmanns vermissten das Ausflugsziel vor allem im Winter. Anfang der 1980er-Jahre führte die Sportwanderung „Sandstein und Granit“ zum Unger. Einmal feierten die Stegmanns mit der Familie im Wintergarten Weihnachten. Weil der Enkel in die einzige Pfütze, die es gab, fiel, wurde er zum Trocknen an den Kachelofen gesetzt. Jetzt freuen sich die Stegmanns, dass sie auch den sanierten Teich wiedergefunden haben.
Limonade trinken und Schneeschuh laufen Der Unger gehört seit 1953 zum Leben von Emmerich Redenyi. Der 74-jährige Sebnitzer lief als Kind im Ungergebiet Schneeschuh und trank in der Baude Limonade. Später wurde hier gewandert und in der Gaststätte mit den Kollegen gefeiert. Eine Weile gab es unterhalb des Berges auch ein Tiergehege, das gern besucht wurde, erinnert er sich. Und natürlich der Turm. Unzählige Male wurde da hinaufgestiegen. Jetzt wird Redenyi mit seiner Familie wieder öfter hierher auf den Unger kommen – zum Kaffee trinken und Kuchen essen, zum Schauen, Freuen und Erinnern.
Limonade trinken und Schneeschuh laufen Der Unger gehört seit 1953 zum Leben von Emmerich Redenyi. Der 74-jährige Sebnitzer lief als Kind im Ungergebiet Schneeschuh und trank in der Baude Limonade. Später wurde hier gewandert und in der Gaststätte mit den Kollegen gefeiert. Eine Weile gab es unterhalb des Berges auch ein Tiergehege, das gern besucht wurde, erinnert er sich. Und natürlich der Turm. Unzählige Male wurde da hinaufgestiegen. Jetzt wird Redenyi mit seiner Familie wieder öfter hierher auf den Unger kommen – zum Kaffee trinken und Kuchen essen, zum Schauen, Freuen und Erinnern.

Das wird dieses Jahr anders sein. Da kann hier zumindest Abendbrot gegessen werden. 2019 steigt dann die erste Silvesterfeier auf dem Unger nach der Wiedereröffnung, sagt Wirtin Peggy Windler. Ein Jahr Fete auf dem Unger, ein Jahr auf der Götzingerhöhe im Wechsel – zwei Gaststätten und eine Wirtin machen es möglich. Am Sonnabend nimmt Peggy Windler Geschenke entgegen, begrüßt Gäste und telefoniert viel. Für den 12. August bestellt eine Reisegruppe, für Geburtstagsfeiern und Goldene Hochzeiten wird reserviert. Für den Schulanfang ist der Unger schon ausgebucht. Die nächste Ungertorte wird angeschnitten. So wie die Götzingerhöhe ihre Torte hat, hat auch der Unger eine bekommen. Mit Heidelbeeren und Holunder, weil es im Ungerwald Heidelbeeren gibt und die Leute Holunder mögen, sagt Peggy Windler. Genau wie Türme. Egal ob Unger oder Götzinger in Neustadt, der Rathmannsdorfer Turm oder der Lugturm in Heidenau. Alt und wieder neu oder ganz neu, Türme üben auf Menschen einen besonderen Reiz aus. Sie werden bestiegen und gefeiert und manchmal trotzdem auch vergessen.

Vor drei Jahren ging ein Jubiläum unbeachtet und mit geschlossenem Turm und geschlossener Gaststätte vorbei. Am 14. Juni 1885 war der steinerne Aussichtsturm auf dem Unger eröffnet worden. Am Wochenende konnte er nach elf Jahren Sperrung schon wieder erklommen werden. Die offizielle Freigabe folgt noch. Sein 135-Jähriges in zwei Jahren wird ganz sicher nicht untergehen.