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Ärger um Gewerbegebiet in Neustadt

Die Stadt will das Gewerbegebiet am Fuchsberg erweitern. Das Vorhaben steht noch am Anfang. Es regt sich bereits Widerstand.

Mehr Platz für Gewerbe Am Fuchsberg im Neustädter Ortsteil Berthelsdorf?
Mehr Platz für Gewerbe Am Fuchsberg im Neustädter Ortsteil Berthelsdorf? © Steffen Unger

Noch ist Platz auf dem Gewerbegebiet Am Fuchsberg im Neustädter Ortsteil Berthelsdorf. Einfach bauen kann man dort aber nicht. Dazu braucht es umfangreiche Genehmigungen. Deshalb will die Stadt Neustadt dort erst einmal Baurecht schaffen. Noch steht alles ganz am Anfang. Es gibt einen Vorentwurf für einen Bebauungsplan. Der wurde im jüngsten Stadtrat auch öffentlich vorgestellt. Ein Teil der Fläche gehört der Firma Lehmann & Frommelt Thermoumformung GmbH. Diese hatte das ehemalige landwirtschaftlich genutzte Grundstück gekauft. Es soll nun auch bebaut werden. Ein weitere Fläche ist noch in Eigentum der Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH (BVVG). Diese Flächen könnten an weitere Interessenten verkauft werden. Gegen das Vorhaben, das Gewerbegebiet zu erweitern, regt sich Widerstand. Sächsische.de hat drei Gründe der Kritiker zusammengefasst.

Grund 1: Kulturlandschaft gefährdet

Bevor auf dem Areal Am Fuchsberg Baurecht geschaffen werden kann, muss ein umfangreiches Verfahren in Gang gebracht werden. In dieses werden alle anliegenden Eigentümer und Landbesitzer einbezogen. Auch die Anwohner können sich äußern. Bereits jetzt gibt es ersten Gegenwind für die Pläne im Gewerbegebiet.

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Andreas Kraft aus Neustadt zum Beispiel hofft, dass dieses Vorhaben gar nicht erst umgesetzt werde. Aus seiner Sicht gibt es dafür gleich mehrere Gründe. Die ehemalige landwirtschaftliche Fläche sei Bestandteil einer wertvollen Kulturlandschaft. Der damalige Landwirt habe Teile davon mit einer EU-Fördermaßnahme als Bienenwiese belegt. "Insofern ist zunächst ganz genau zu prüfen, ob diese wertvolle Wiesenfläche ohne weitere Bedenken in eine Gewerbefläche umgewandelt werden darf", sagt er.

Derartige Flächen würden immer ökologische Nischen darstellen. Und man müsse dort sehr genau darauf achten, welche Pflanzen oder Tierarten dort vorkommen würden. Möglicherweise könnten diese Flächen als Wuchs-, Fortpflanzungs- oder Ruhestätten einen besonderen Schutzstatus innehaben", denkt Andreas Kraft, der sich dort sehr genau auskennt. Bereits bei der Vorstellung des Vorentwurfs in der Ratssitzung wurde darauf hingewiesen, dass die Stadt bei dem Verfahren noch ganz am Anfang stehe. Sollte der Plan weiter verfolgt werden, dann müssten sich unter anderem auch die Naturschutzbehörden damit befassen und könnten ihre Einwände geltend machen.

Grund 2: Ausreichend Gewerbegebiete vorhanden

Widerstand gibt es gegen die Pläne offenbar auch deshalb, weil es in Neustadt bereits viele Gewerbegebiete gibt, so unter anderem an der Kirschallee, an der Heinrich-Hertz-Straße, der Andreas-Schubert-Straße. "Diese Gewerbegebiete liegen in unmittelbarer Nachbarschaft, sind riesengroß und für eine Kleinstadt wie Neustadt vollkommen ausreichend", so Andreas Kraft. Immerhin habe die Stadt viele Fördermittel erhalten, um die Gewerbegebiete zu erschließen. Und in anderen Gewerbegebieten sei noch Platz. Das sieht die Stadt offenbar anders und dementiert. Lediglich im Gewerbegebiet Kirschallee II sind noch zwei Flächen frei, eine weitere stehe zum Verkauf. Alle anderen Grundstücke in den Gewerbegebieten seien ausgereizt.

Grund 3: Abbiegespur wird zum Unfallschwerpunkt

Gleichzeitig mit der Erweiterung des Gewerbegebietes Am Fuchsberg sollte auch eine Linksabbiegespur von der Ortsumgehungsstraße der S 156 gebaut werden. Zuständig dafür ist das Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Auch dagegen regt sich Widerstand bei den Kritikern des Projektes. Sie befürchten, dass sich damit ein Unfallschwerpunkt entwickeln könnte, weil die Trasse auch die Anbindung an die Autobahn bei Burkau ist und damit viel befahren. Derzeit kann man dort ohne Abbiegespur bereits auf einen Radweg einfahren. Schon das sei bedenklich. Deshalb fordern Kritiker wie Andreas Kraft, dass die Straße nicht noch durch eine Abbiegespur ergänzt, sondern generell die Zufahrt gesperrt werde. Seiner Meinung nach benötige das Gewerbegebiet keine zusätzliche Zufahrt, da es diese bereits über die Bischofswerdaer Straße in Berthelsdorf gibt.

Um das Gewerbegebiet zu erweitern, ist aus Sicht der Stadt Neustadt eine Abbiegespur von der S 156 wichtig. In den aktuellen Straßenbauvorhaben des zuständigen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr ist diese Baumaßnahme noch nicht mit eingeordnet.

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