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Hohwald: Rätsel um Tod eines Sika-Hirsches

Bereits Anfang Januar wurde ein exotischer Hirsch im Hohwald gefunden. Unklar ist bislang, woher das Tier stammt und wer das Geweih abgetrennt hat.

Frei lebende Sika-Hirsche gibt es in der Sächsischen Schweiz nicht - nur in Wildgehegen. Umso ominöser ist daher der Fund eines toten Tieres im Hohwald.
Frei lebende Sika-Hirsche gibt es in der Sächsischen Schweiz nicht - nur in Wildgehegen. Umso ominöser ist daher der Fund eines toten Tieres im Hohwald. © dpa

Weder der Hohwald noch der Freistaat Sachsen sind eigentlich sein Revier. Umso ominöser ist der Fund eines toten Sika-Hirsches, der bereits am 4. Januar nahe der Hohwaldklinik bei Neustadt entdeckt wurde.

Die Tiere stammen ursprünglich aus Ostasien, sind aber heute in weiten Teilen der Welt verbreitet. Seit Ende des 19. Jahrhunderts auch in Deutschland. Die anfangs in Parks gehaltenen Tiere wurden Mitte des 20. Jahrhunderts teilweise in die Freiheit entlassen oder sind entlaufen.

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Woher der tote Sika-Hirsch aus dem Hohwald stammt, ist bislang ein Rätsel. Um dieses zu lösen, ließ die Polizeidirektion Dresden am 18. Januar einen Zeugenaufruf veröffentlichen. "Nach derzeitigem Ermittlungsstand fanden sich am Hirsch keine Spuren einer Tötung. Die Polizei geht zum jetzigen Stand davon aus, dass das Tier eines natürlichen Todes gestorben ist und im Wald abgelegt wurde, nach der Entfernung des Geweihs aus unbekannten Gründen", sagt Polizeisprecher Lukas Reumand auf Nachfrage von Sächsische.de.

Aus Wildgehege entlaufen?

Ganz in der Nähe auf Langburkersdorfer Flur gibt es ein Wildtiergehege, in dem auch die exotischen Sika-Hirsche leben. Möglicherweise ist ein Tier entlaufen. Vielleicht wurde der Hirsch auch vom im Hohwald lebenden Wolfsrudel aufgescheucht. Es könnte aber auch sein, dass der Hirsch aus einem Wildgehege in Tschechien stammt. Dort soll derzeit zwar nur Damwild gehalten werden. Aber auch das weiß niemand so genau.

Rätselhaft bleibt auch, warum der oder die Unbekannten nur das Geweih des toten Tieres mitgenommen haben. Denn das Wildbret vom Sikawild gilt als besonders schmackhaft. Das reife Geweih der Sikahirsche weist meist acht Enden auf. Für Sammler eher eine Rarität. Und wenn das Tier eines natürlichen Todes gestorben ist, dann ist auch das Fleisch wertlos. Um die offenen Fragen zu klären, hofft die Polizei nun auf Zeugenhinweise.

Jagdverband vom Vorfall überrascht

Der Fall selbst beschäftigt auch Karl-Heinz Böhme, Vorsitzender des Jagdverbandes Sächsische Schweiz. Er ist einigermaßen überrascht von dem Vorfall. Aus der Zeitung habe er davon erfahren. "Das Ganze ist irgendwie komisch. Wird irgendwo Wild gefunden, werden doch meist wir Jäger zuerst informiert", sagt er. Oder zumindest hätte die untere Jagdbehörde im Landratsamt Pirna informiert werden müssen.

Karl-Heinz Böhme will sich nun mit um Aufklärung bemühen. Das könnte aber eher schwierig werden. Denn auch im Landratsamt ist man offenbar ratlos. Aussagen zu diesem konkreten Fall gab es auf Anfrage von Sächsische.de aktuell noch nicht. Und offenbar hatte sich der Fall auch nicht weiter unter den Jägern herumgesprochen. Zumindest wäre er ja dann auch dem Kreisjagdverband zu Ohren gekommen.

Das größte Vorkommen an Sika-Wild befindet sich im Arnsberger Wald in Nordrhein-Westfalen. Weiterhin kommt es im Südwesten von Baden-Württemberg und den westlichen Landesteilen von Schleswig-Holstein vor. In Bayern hat es sich mittlerweile entlang der tschechischen Grenze etabliert. Auch wissen Experten, dass einzelne Vorkommen in Sachsen auf tschechische Populationen zurückzuführen sind.

Hinweise zum Sachverhalt nehmen die Polizeidirektion Dresden unter der Telefonnummer 0351 4832233 sowie das Polizeirevier Sebnitz entgegen.

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