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Stadtmuseum Neustadt: Es gibt einen Favoriten

Im Streit um den neuen Standort wurden beide Möglichkeiten verglichen. Aus Sicht der Museumschefin scheint alles klar.

Ulrike Hentzschel ist seit zehn Jahren im Stadtmuseum Neustadt. Zum neuen Standort hat sie einen interessanten Variantenvergleich angestellt.
Ulrike Hentzschel ist seit zehn Jahren im Stadtmuseum Neustadt. Zum neuen Standort hat sie einen interessanten Variantenvergleich angestellt. © Steffen Unger

Um den neuen Standort für das Stadtmuseum in Neustadt wurde schon viel gestritten. Die Stadt hatte vor einiger Zeit bereits das Haus Markt 23 gekauft. Und es gab erste Vorstellungen, wie darin das neue Museum installiert werden kann. Doch dann kam heraus: Die Stadt kann sich das finanziell gar nicht leisten. Also lagen die Museumspläne auf Eis. Dann hatte der Förder- und Heimatverein Schloss Langburkersdorf wiederholt das Schlossgelände mit seinem prägnanten Torbogenhaus in den Ring geworfen.

Bislang wurde in der Verwaltung und im Stadtrat immer nur über das Museum gesprochen. Jetzt hat Museumsleiterin Ulrike Hentzschel als Expertin einen interessanten Variantenvergleich aufgestellt sowie die Vor- und Nachteile beider Häuser ausgelotet. Und sie kommt zu einem Ergebnis, was so manchen aufhorchen lässt.

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Fest steht, Neustadt braucht ein neues Domizil fürs Stadtmuseum. Das Haus in der Malzgasse ist viel zu klein, um größere Ausstellungen zu zeigen oder auch entsprechende Bildungsarbeit zu organisieren. Ein solches Haus habe museumspädagogische Verantwortung für Kinder und Erwachsene, sagt Ulrike Hentzschel.

"Ich will in dem neuen Haus verstärkt auch Werte vermitteln und erreichen, dass sich die Menschen mit dem Haus identifizieren, dass sie einen Heimatbezug wiederfinden und dass sie in die Arbeit mit einbezogen werden", sagt die Museumsleiterin. Sie will die Ortsteile mit einbeziehen und das Haus für alle öffnen. Das wiederum setzt Barrierefreiheit voraus.

Ein Museum direkt am Markt belebe nicht die Innenstadt. Davon ist sie überzeugt, das würden auch die Erfahrungen ihrer Kollegen in anderen Städten zeigen. Allerdings war das genau ein Ziel der Stadtverwaltung. Es sollten praktisch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Zum einen mehr Leben in die Innenstadt holen. Was sich nun wohl als Trugschluss herausstellt. Zum anderen braucht die Verwaltung selbst noch dringend Räume. Aus Sicht der Museumsexpertin wäre es auch ganz wichtig, dass die Gestaltung eines Museums dem Standort angemessen sein müsste. "Multimediale Angebote ja, die dürfen aber nicht im Vordergrund stehen. Es muss auch Geschichte sozusagen zum Anfassen geben", sagt sie.

Wenn man nun beide Standorte betrachte, müsse man sich über die Zielstellung im Klaren sein: Wolle man ein stadtgeschichtliches Museum oder wolle man größer denken und die Region mit einbinden? Und spätestens bei dieser Entscheidung dürfte ein Favorit feststehen. Sie hat sich aber die Mühe gemacht, für beide die Vor- und Nachteile aufzulisten. Und das sind sie:

Gebäude Markt 23: Das spricht dafür und dagegen

Der Gebäudekomplex Markt 23 ist der Favorit der Stadtverwaltung.

Vorteile: Der Komplex verfügt über eine geschlossene Bebauung. Die Lage ist zentral. Die Stadt müsste keine Miete zahlen. Es gibt eine Außenfläche, die mit genutzt werden könnte. Dafür sprechen würden auch personelle Synergieeffekte, da die Tourist-Information bekanntermaßen mit einziehen sollte. Aus Besuchersicht wäre es sinnvoll, sich in einem Haus direkt am Markt zu informieren und Stadtgeschichte kennenzulernen, wozu auch die Industriegeschichte gehört.

In den Gebäudekomplex Markt 23 sollte nicht nur das Museum einziehen, sondern auch die Tourist-Information sowie Büros aus dem Rathaus.
In den Gebäudekomplex Markt 23 sollte nicht nur das Museum einziehen, sondern auch die Tourist-Information sowie Büros aus dem Rathaus. © Steffen Unger

Nachteile: Das gesamte Umfeld. Es gibt kein Grün, kaum Sitzplätze im Außenbereich. Die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr ist schlecht. Es bleibt nur der Busbahnhof oder der Bahnhof, beides ist zwar fußläufig zu erreichen, aber etwa zehn Gehminuten entfernt. Es gibt keinen Durchgangsverkehr. Damit dürften auch neugierige Touristen ausbleiben. Parkplätze für Busse fehlen, und auf dem Markt gibt es nur Kurzzeitparkplätze. "Ein weiterer Nachteil wäre, dass man sich hier auf die Stadtgeschichte beschränken müsste, weil der Besucher eben nicht mehr erwartet. Das wiederum erzeugt eine geringe Strahlkraft", sagt Ulrike Hentzschel.

Torbogenhaus Langburkersdorf: Das spricht dafür und dagegen

Das Schlossgelände im Ortsteil Langburkersdorf ist schon länger für ein Museum im Gespräch, schon als der Ort noch selbstständig war. Und so ganz aus Blick ist es wohl nie geraten. Hinter vorgehaltener Hand sagt man, dass Neustadt schon immer den Museumsstandort für sich verbuchen wollte.

Das Torbogengebäude am Schloss Langburkersdorf ist ein denkmal-geschichtliches Ensemble.
Das Torbogengebäude am Schloss Langburkersdorf ist ein denkmal-geschichtliches Ensemble. © Steffen Unger

Doch ist das wirklich so? Der Vergleich von Vor- und Nachteilen im Torbogenhaus im Schlossgelände von Langburkersdorf wird bei der Entscheidung wohl eine gewichtige Rolle spielen.

Vorteile: Das große Außengelände mit zahlreichen Schattenplätzen lädt vor oder nach dem Museumsbesuch zum Verweilen ein. Die Bushaltestelle ist direkt davor. An der Staatsstraße S154 gelegen, kann man hier auf den Reiseverkehr hoffen. Das Torbogengebäude ist ein denkmal-geschichtliches Ensemble. Die Bildungsarbeit könne hier ausgebaut werden. Außerdem habe das gesamte Ensemble viel Potenzial zur Weiterentwicklung.

Nachteil: Es gibt zu wenig ausgebaute Parkplätze. Die müssten neu angelegt werden.

Das persönliche Fazit der Museumsleiterin

Ulrike Hentzschel hat einen klaren Favoriten. "Die Vorteile liegen im Torbogengebäude von Schloss Langburkersdorf", sagt sie. Dieses Gebäude hätte die größten Chancen, es zu einem Museum nach heutigen Ansprüchen zu sanieren.

Für das Torbogenhaus hat die Stadt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Für das Gebäude Markt 23 als Museum liegt sie vor. An den Stadträten wird es liegen, beide Studien zu vergleichen. Wenn dann auch die Finanzierungsmöglichkeiten offen liegen, werden die Stadträte die endgültige Entscheidung für den neuen Museumsstandort von Neustadt treffen.

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