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Ärger um Neustadts Museumsprojekt

Vor fast fünf Jahren hat die Stadt einen dominanten Gebäudekomplex am Markt gekauft. Seitdem gibt es Probleme damit.

Mit den prägnanten Gebäudekomplex an Neustadts Markt/Ecke Bahnhofstraße gibt es seit langem Ärger.
Mit den prägnanten Gebäudekomplex an Neustadts Markt/Ecke Bahnhofstraße gibt es seit langem Ärger. © Steffen Unger

Das Museumsprojekt in Neustadt steht offenbar unter keinem guten Stern. Seitdem die Stadt vor etwa vier Jahren Eigentümer des Hauses wurde, gibt es Knatsch darum. Der Komplex umfasst mehrere Gebäude und reicht von einer Marktseite bis hinein in die Bahnhofstraße. Ein Teil wird von der Verwaltung genutzt. Außerdem befand sich hier bis zum Auszug der Markt-Döner.

Ursprüngliches Ansinnen der Stadt war es, die Gebäude Markt 23/24 in den Jahren 2021 und 2023 umzubauen. In das neu gestaltete Gebäude sollte neben dem Stadtmuseum auch ein Café einziehen. Und nicht nur das. Auch das Bürgerbüro, das Ordnungsamt, die Touristinformation, das Museumsarchiv und das Standesamt will die Stadt Neustadt am Markt unterbringen. Die Mitarbeiter residieren zurzeit teilweise in Büros im Dachgeschoss des Rathauses. Dort werde es aber im Sommer zu heiß, was man ihnen nicht mehr zumuten wolle. Das Stadtmuseum befindet sich derzeit auf der Malzgasse. Um ein neues Museumskonzept auch mit Ausstellfläche im Außenbereich umzusetzen, braucht es mehr Platz. Darüber hinaus sollte der Zugang künftig auch behindertengerecht sein.

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Eine Panne folgt der nächsten

Doch seit dem Kauf reiht sich wohl eine Panne an die andere. So wurde im April 2019 plötzlich festgestellt, dass die Freifläche in dem neuen Komplex nicht ausreicht, um zum Beispiel Landmaschinen made in Neustadt zeigen zu können. Als Ausweich sollte mit einer Privatperson verhandelt werden, ob diese nicht die Landmaschinen in einer Art Freilandmuseum mit ausstellen könnte. Auch gab es bereits damals andere Vorschläge, etwa das Schlossgelände von Langburkersdorf als Museum zu nutzen. Ausreichend Freiflächen gibt es da bereits.

Die Stadt entschied sich 2019 auch, für die Umgestaltungen einen Architekturwettbewerb auszuschreiben. 22 Büros hatten sich beteiligt. Die Wahl fiel auf die "motorplan Architekten" aus Weimar. Und dann gab es richtig Ärger. Andere Teilnehmer sahen sich benachteiligt und gingen in Berufung. Die Vergabekammer Sachsen in der Landesdirektion beschäftigte sich mit dem Vergabeverfahren in Neustadt. Der Streit wurde beigelegt. Dann kam im Frühjahr 2020 Corona. Die Stadt Neustadt hat vor allem Einbußen in den Einnahmen aus den Gewerbesteuern zu verzeichnen. Alle zusätzlichen Ausgaben schmälern den Stadthaushalt. Und der Umbau des Komplexes sollte letztlich fast acht Millionen Euro mit allem Drum und Dran kosten. Und nicht nur das. Über die Umbaupläne machte sich allgemeiner Unmut auch in der Bevölkerung breit. Vor allem die Kombination aus Alt- und Neubau sorgte für Kritik. Immerhin handelt es sich bei dem Altbau Markt 24 um das Geburtshaus des früheren Bürgermeister von Neustadt, Friedrich-August Voogt (1808 bis 1876). Noch heute ist das Gebäude als Voogtsches Haus bekannt. Weshalb hier vor allem alteingessene Neustädter mehr Sensibilität einforderten.

Schloss Langburkersdorf wieder im Gespräch

Im Oktober 2020 zogen die Fraktionen "Neustädter für Neustadt" und die CDU im Stadtrat die Reißleine. Sie wollten das Projekt komplett stoppen, alle Planungen dafür einstellen lassen. Neustadt hatte wohl zu hoch gepokert. Der Antrag wurde dann plötzlich wieder zurückgezogen. Jetzt hat der Stadtrat einen neuen Beschluss gefasst, nach den Vorabstimmungen zwischen Stadtverwaltung und den beiden Fraktionen. Acht Millionen Euro seien für die Stadt eine Nummer zu groß, sagt Stadträtin Silke Benusch (Neustädter für Neustadt). "Der jetzige Beschluss ist ein Kompromiss. Auch zur Suche nach Alternativstandorten. Natürlich wollen wir auch, dass das Museum bestehen bleibt. Wir wollen aber auch die Kosten im Blick haben", sagt die Stadträtin.

Nach einigen hitzigen Vorabsprachen nicht nur mit diesen beiden Stadtratsfraktionen sondern auch mit allen anderen sowie Mitgliedern des Verwaltungsausschusses kam heraus, dass der vorliegende Wettbewerbsentwurf für den Umbau der beiden Bestandgebäude Markt 23/24 in diesem Umfang nicht weiter verfolgt werden kann und in einer Stadt mit 12.500 Einwohnern so nicht realisierbar sei.

Zieht die Landwirtschaftsschau ins Schloss Langburkersdorf?
Zieht die Landwirtschaftsschau ins Schloss Langburkersdorf? © Daniel Schäfer

In den letzten Wochen wurde dann von den beteiligten Partnern herausgearbeitet, in welchen Varianten und mit welchen Alternativen Lösungswege gefunden werden können. Drei Ziele wurden vorgegeben: Die Neuausrichtung des Stadtmuseums, die notwendige Erweiterung der Verwaltung sowie eine zentrumsnahe Touristinformation.

Festgelegt wurde, dass die Planungen am Standort Markt 23/24 in zwei Varianten weitergeführt werden. Zum einen soll geprüft werden, inwieweit die Flächen für den Museumsbereich reduziert werden könne, einschließlich der Ausstellung- und Depotflächen. Zum anderen soll ein Konzept ohne Museumsflächen, sondern nur mit Flächen für die Verwaltung, das Tourismus-Service-Zentrum und Wohnungen erarbeitet werden.

Festgelegt wurde auch, das alternative Standorte untersucht werden sollen. Dazu zählen das Schlossgelände im Ortsteil Langburkersdorf, welches schon 2019 mit im Gespräch war. Darüber hinaus soll geprüft werden, welche Möglichkeiten es am jetzigen Standort des Stadtmuseums in der Malzgasse gebe.

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