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Neustädter Verein betreut ältestes Haus

Die Hofmühle im Ortsteil Langburkersdorf gibt es seit 550 Jahren. Entdeckt wurde das jetzt durch einen Zufall.

So präsentiert sich die Hofmühle heute.
So präsentiert sich die Hofmühle heute. © Daniel Schäfer

Die Hofmühle im Neustädter Ortsteil Langburkersdorf ist eines der ortsbildprägenden Gebäudeensembles überhaupt. An der Haupttrasse gelegen, kommt jeder daran vorbei, der in den Ort fährt. Noch vor Jahren hätte wohl keiner gedacht, dass mit der Restaurierung hier ein Schmuckstück entstehen konnte. Und so erwies sich die Entscheidung der damals noch eigenständigen Gemeinde Hohwald als richtig, das Areal im Jahr 2002 zu kaufen. Seit 2007 nutzt und betreut der Förder- und Heimatverein Schloss Langburkersdorf die Hofmühle mit alle ihren Gebäuden.

Über die Geschichte des Hauses besteht eine umfangreiche Chronik. Aber erst jetzt, im zu Ende gehenden Jahr 2020 ist bei einem neuerlichen Blick hinein aufgefallen, dass man eigentlich ein rundes Jubiläum hätte feiern können. Denn die Hofmühle ist in diesem Jahr 550 Jahre alt geworden. Um dieses Jubiläum nicht ganz verstreichen zu lassen, wurde als Erinnerung eine Blutbuche auf dem Parkplatz genau gegenüber gepflanzt. "Später soll noch eine Rundbank errichtet werden, mit einer Plakette, die an das 550-jährige Jubiläum erinnern und später zum Verweilen einladen soll", sagt Rico Schneider, der Vorsitzende des Förder- und Schlossvereins Langburkersdorf.

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Gegenüber der Hofmühle haben Bauhofleiter Jörk Wolf (l-r); Dieter Mutscher und Falk Köhler vom Förderverein eine Blutbuche gepflanzt.
Gegenüber der Hofmühle haben Bauhofleiter Jörk Wolf (l-r); Dieter Mutscher und Falk Köhler vom Förderverein eine Blutbuche gepflanzt. © Daniel Schäfer

Und Dank der vielen freiwilligen Stunden die die Vereinsmitglieder auch in die Sanierung und den Erhalt gesteckt haben, wird das Areal auch die nächsten Jahre noch weiter bestehen können.

Die Geschichte des ältesten Hauses im Neustädter Tal

Ein Blick in die Chronik zeigt, dass das Areal viele Besitzer hatte, die das Gebäude auf ganz unterschiedliche Weise genutzt haben. 1470 wurden sie erstmals erwähnt, damals in Besitz der Familie von Lottitz. Genutzt wurden die Häuser dann lange Zeit als Mahl- und Schneidemühle. Seit dem Jahr 1859 war sie über mehrere Generationen im Besitz einer Familie Wießner. Einem Großbrand 1871 fielen Teile der Mühle zum Opfer. Später wurde sie als Dampfsägewerk umgebaut. Seit 1902 wurde sie unter dem Namen "Heinrich Wießner-Dampfsäge, Hobelwerk und Kistenfabrik" geführt und dann als Korbfabrik.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Hofmühle nur noch als Sägewerk betrieben, 1972 verstaatlicht. Unter dem Namen "VEB Holzwaren Langburkersdorf" wurden bis zur Wende Holzleisten hergestellt, danach Holzfenster. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde die Produktion im Jahr 2000 eingestellt.

Ein rühriger Verein der die Hofmühle in Schuss hält

Wer heute die Hofmühle betritt, wird eine einzigartige und umfangreiche Ausstellung über das "Bäuerliche Leben in Haus, Hof und Feld" sehen. Ohne das Engagement der beiden Langburkersdorfer Erika und Dieter Mutscher wäre wohl eine so umfangreiche Sammlung der verschiedensten Exponate nie zusammengekommen. Ob alte Maschinen zur Feldbearbeitung oder Einrichtungsgegenstände, vieles wurde von den Einwohnern gespendet und liebevoll hergerichtet.

Bei den unzähligen Veranstaltungen kann ein breites Publikum hier Einblick in das frühere Leben im Neustädter Tal bekommen. Wegen Corona mussten die Veranstaltungen in diesem Jahr allerdings arg eingeschränkt oder ganz abgesagt werden.

Dieter Mutscher vom Förder- und Heimatverein erklärte zum Tag der offenen Tür am 28. Juni 2020 den Besuchern, was es in der Hofmühle alles Spannendes zu sehen gibt.
Dieter Mutscher vom Förder- und Heimatverein erklärte zum Tag der offenen Tür am 28. Juni 2020 den Besuchern, was es in der Hofmühle alles Spannendes zu sehen gibt. © Steffen Unger

Zum Tag der Offenen Tür Ende Juni konnte auch die Hofmühle öffnen. Für die Leute vom Verein immer ein Höhepunkt. Schließlich wollen sie ihre Arbeit auch präsentieren. Immerhin stecken hier seit dem Jahr 2007 unzählige freiwillige Arbeitsstunden drin. Mit Hilfe von Fördermitteln des Denkmalschutzes sowie Eigenmitteln des Vereins und der Stadt Neustadt wurden 2015 die Maschinenhalle und das Mittelschiff komplett saniert. Beide Dächer wurden neu eingedeckt, eine Fachwerkwand saniert und eine Küche in das Objekt eingebaut. Und wie das bei einem alten Gebäude so ist, waren die Bauleute hier nie vor Überraschungen gefeit. Immer wieder kamen neue unverhoffte Arbeiten dazu. Deshalb musste der Verein immer einen Plan B in der Hinterhand haben, wenn Plan A gerade an morschen Balken, verfaulten Brettern oder nassen Mauern scheiterte.

Glück hatten aber auch die Stadt Neustadt und der Verein. Für das Objekt gab es es auch immer wieder Fördermittel und auch Spenden von Einwohnern. Ohne die wäre der Erhalt dieses Areals nie möglich gewesen. Staunende Blicke ernten die Vereinsmitglieder an allen Öffnungstagen der Hofmühle immer wieder.

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