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Neustadt: Erntemaschine ziert den Kreisverkehr

Neustadt steht zu seiner Landmaschinen-Geschichte. Das wird jetzt auch am Ortseingang demonstriert.

Diese original Fortschritt-Hochdrucksammelpresse mit Ballenwerfer steht am Kreisverkehr an der Ortsumgehungsstraße S156.
Diese original Fortschritt-Hochdrucksammelpresse mit Ballenwerfer steht am Kreisverkehr an der Ortsumgehungsstraße S156. © Steffen Unger

Vor 70 Jahren, im Mai 1951, schlossen sich fünf ostsächsische Betriebe mit vorwiegend Landmaschinen-Produktion zusammen zum Kombinat Fortschritt mit Sitz in Neustadt. Diese Vereinigung erlebte einen stürmischen Aufschwung. Das Kombinat beschäftigte zeitweise über 60.000 Mitarbeiter, die an mehr als 300 Standorten produzierten.

Allein in Neustadt hatten etwa 5.500 Werktätige ihren Arbeitsplatz. Durch diese Entwicklung verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Stadt, moderne Wohnungen entstanden, auch Kindergärten und -krippen, Schulen, Kaufhallen, eine Betriebspoliklinik und Sportanlagen wie Stadion, Schwimmhalle und Kegelbahnen wurden gebaut. Das hatte der Neustädter Autor Manfred Herzog unlängst zum Jubiläum der Landmaschinen-Produktion geschrieben.

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Und Neustadt steht zu seiner Geschichte. Das ist jetzt auch weithin sichtbar. Am Kreisverkehr zur Umgehungsstraße nach Bischofswerda S156 steht seit wenigen Tagen eine originale Fortschritt-Hochdrucksammelpresse mit Ballenwerfer, Modell K442. Ehemalige Fortschrittwerker werden sich erinnern, die Presse wurde etwa im Jahr 1966 gebaut, also vor 55 Jahren. Der Neustädter Gerhard Kolodzinski hat sich um die Aufarbeitung der Maschine gekümmert. Außerdem wurde eine Reihe von Sponsoren gefunden, die die Aktion unterstützt haben. "Vor allem viele ältere Bürgerinnen und Bürger denken gern daran zurück. Eine tolle Idee, ein Stückchen Nostalgie wieder an den Ort des Ursprungs zu holen", sagt Stadtsprecherin Sarina Mann.

Da werden Erinnerungen wach. Gerhard Kolodzinski (Mitte) hat sich um die Aufarbeitung der Ballenpresse gekümmert, hier beim Aufstellen mit Neustadts Bürgermeister Peter Mühle (links) und Bauhofchef Jörk Wolf.
Da werden Erinnerungen wach. Gerhard Kolodzinski (Mitte) hat sich um die Aufarbeitung der Ballenpresse gekümmert, hier beim Aufstellen mit Neustadts Bürgermeister Peter Mühle (links) und Bauhofchef Jörk Wolf. © Stadtverwaltung

In Neustadt hofft man nun, dass dieses Stück Geschichte dort lange erhalten bleibt und nicht beschädigt wird. Maßnahmen dazu wurden vom städtischen Bauhof mit einer festen Verankerung und einer Kameraüberwachung getroffen.

Noch immer sind viele Neustädter eng mit dem Fortschritt-Kombinat verbunden. Deshalb fand auch eine Ausstellung unlängst viel Beachtung. Viele Texte, Fotos und Grafiken zeigten eine beeindruckende Bilanz des Kombinates. Hier nur einige Zahlen: Hergestellt wurden zum Beispiel 170.000 Sammelpressen, 160.000 Traktoren, 100.000 Mähdrescher und 18.000 Schwadmäher und Feldhäcksler. Geliefert wurden die Landmaschinen in alle Welt. 1997 übernahm übrigens die Landtechnik-Firma CASE den Betrieb. Heute werden am Fortschritt-Standort Neustadt bei der Firma Capron Wohnmobile gefertigt, die ebenfalls rund um den Globus anzutreffen sind.

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