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Neustadt will ein modernes Leitsystem

Ziel ist es, mehr Leute in die Innenstadt zu holen, ihnen eine bessere Orientierung zu geben. Auch die Ortsteile sollen profitieren. Ob das reicht?

Markttag in Neustadt. Zu so früher Stunde ist noch nicht viel los. Eigentlich ein Bild wie immer, zu wenig Menschen. Das soll sich ändern.
Markttag in Neustadt. Zu so früher Stunde ist noch nicht viel los. Eigentlich ein Bild wie immer, zu wenig Menschen. Das soll sich ändern. © Steffen Unger

Wenn in Neustadt Markttag ist, dann ist Leben auf dem Platz, also meistens. Haben die Händler ihre Waren wieder eingepackt, kehrt Ruhe ein. Das war auch vor Corona samt Ladenschließungen so, bestätigen Anwohner. Die Folge, gähnende Leere an manchen Tagen auf Neustadts zentralsten Platz. Damit fehlen den Geschäften die wichtigen Kunden. Und wer jetzt über den Markt und die angrenzenden Straßen geht, sieht bereits oft in leere Schaufenster. So wie andere Städte kämpft auch Neustadt gegen Leerstand, sucht nach Wegen, diesen aufzuhalten.

In Stolpen etwa wurde ein interaktives Innenstadtspiel kreiert, um Familien in die Stadt zu locken. Dort gibt es inzwischen außer Dienstleistungen fast keine Geschäfte und auch nur noch eine Gaststätte. In Neustadt ist die Situation noch etwas anders. Dort gibt es noch einige Geschäfte am Markt und auch in angrenzenden Bereichen. Und die sollen künftig auch von dem touristischen Leitsystem profitieren, an welchem die Stadt derzeit in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Planungsbüro Ruairi O'Brien Architektur. Licht. Raumkunst. dran ist.

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Auch die Ortsteile von Neustadt profitieren

Ein Leitsystem gilt als ein wichtiges Werkzeug des Stadtmarketings. Bisher gibt es in Neustadt und den Ortsteilen nur wenige und vor allem sehr alte Wegweiser. Künftig sind moderne Innenstadtleitsysteme, ein Parkleitsystem und Leitsysteme in den einzelnen Ortsteilen geplant. Die Experten wissen, solche Projekte bieten Orientierung für Gäste und helfen, die Stadt zu erschließen. Weitere Ziele sind das Schaffen einer eigenen Stadtidentität, die gestalterische Aufwertung des öffentlichen Raumes. Außerdem erhofft man sich von solchen Projekten auch, dass sich die Einwohner stärker mit ihrer Stadt identifizieren mögen.

Das Touristische Leitsystem für Neustadt ist nicht nur auf die Kernstadt beschränkt, sondern schließt zusätzlich die acht dazugehörigen Ortsteile ein. Damit soll der Charakter der Stadt als attraktiver Wirtschafts- und Investitionsstandort gefestigt, der Tourismus gefördert und die Attraktivität der Region gesteigert werden.

Insgesamt wird das Projekt 435.000 Euro kosten. Davon sollen über das Förderprogramm „GRW Infra“ 351.900 Euro fremdfinanziert werden. Den Rest will die Stadt selbst tragen. Der entsprechende Förderantrag wurde im September 2020 gestellt. Aktuell wartet man in Neustadt noch auf eine Zusage aus dem sächsischen Wirtschaftsministerium.

Orientierung für den Stadtbesucher

Geplant ist zunächst in diesem Jahr die Innenstadt mit modernen Wegweisern auszustatten. Im kommenden Jahr sind dann die Ortsteile dran. Die Umsetzung wird inzwischen jedoch konkret. Das beginnt bei der farblichen Gestaltung, geht über die entsprechenden Piktogramme bis hin zu den Aufstellflächen. Damit künftig keiner mehr an Neustadts Marktplatz vorbeiläuft, werden die Wegweiser an allen Einfallstraßen aufgestellt, die zum Markt führen. Das Leitsystem selbst besteht aus zwei Teilen. Zum einen sind das Wegweiser mit Piktogrammen, die zum Beispiel auf die Einkaufs- und Parkmöglichkeiten, Geldautomaten, Apotheken und ähnliches hinweisen, wie auch auf Spielplätze, Museen, Ausstellungen und Sehenswürdigkeiten. Auch Tipps für Rad- oder Wanderwege sind so möglich. Die Grundfarbe dieser Wegweiser wird Grau sein sowie blaue und gelbe Elemente wie die Stadtfarben von Neustadt enthalten.

Ein zweiter Teil des Leitsystems besteht zusätzlich aus einer Stadtkarte, einem Parkleitsystem sowie Tafeln für öffentliche Bekanntmachungen. Diesen zweiten Teil gibt es in verschiedenen Kombinationen. Die Informationen werden jeweils in Deutsch, Tschechisch und Englisch zu finden sein. Eine Nachfrage, ob später auch Blindenschrift denkbar wäre, lässt das Architekturbüro offen. Derzeit sei das nicht angedacht. Perspektivisch könnte das jedoch erfolgen, genauso wie die Tafeln jederzeit erweiterbar wären.

Sorgen um örtliche Anschlagtafeln für Vereine

Das Konzept für das Touristische Leitsystem soll im Neustädter Rathaus ausgelegt werden. Dann können sich die Einwohner, auch die aus den Ortsteilen informieren, wo konkret die Informationstafeln aufgestellt werden könnten. Eine Sorge wurde bereits jetzt laut. Was wird aus den örtlichen Bekanntmachungstafeln und den hölzernen Anschlagtafeln, an denen Vereine bislang für sich oder ihre Veranstaltungen werben konnten? Darüber hat man im Rathaus schon nachgedacht. Die öffentlichen Bekanntmachungstafeln sollen wo möglich ersetzt werden oder auch eine Kombination mit den neuen ergeben. Die hölzernen Anschlagtafeln unter anderem für Vereine bleiben erhalten.

Schon jetzt gibt es aber Kritiker, die meinen, mit solch einem Leitsystem lockt man niemanden in die Innenstadt. Experten entgegnen dem, dass dieses ein zusätzliches Angebot ist, damit sich Besucher schnell und kompetent informieren können und neugierig auf die Stadt werden.

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