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Sind die kleinen Kinos noch zu retten?

Ein Kino ist von Stammkunden abhängig. Stefanie Sommerschuh und André Peters können in Neustadts Kino auf sie zählen. Was ihnen noch in die Karten spielt.

Stefanie Sommerschuh und André Peters zählen auf ihr Neustädter Stammpublikum. Aber nicht nur das.
Stefanie Sommerschuh und André Peters zählen auf ihr Neustädter Stammpublikum. Aber nicht nur das. © Steffen Unger

Endlich wieder Kinoluft schnuppern. Und dann auch noch fast vor der eigenen Haustür in den Grenzland-Lichtspielen in Neustadt. Das ist auch weiter möglich, aber durchaus nicht selbstverständlich.

Im November 2020 mussten Stefanie Sommerschuh - die einzige Festangestellte im Kino - und Eigentümer André Peters das Schlimmste für die Grenzland-Lichtspiele befürchten, nun schöpfen sie Hoffnung. Vor Beginn der Corona-Pandemie seien die Zahlen richtig gut gewesen. "Wenn es so weitergegangen wäre, hätten wir sogar von einer Erfolgsgeschichte sprechen können", sagt Stefanie Sommerschuh. Immerhin verfügen die Grenzland-Lichtspiele am Neustädter Marktplatz über zwei Säle, die bis dahin gut besucht waren.

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Inzwischen ist das Publikum zurück. Auch wenn das Auf und Ab mit den Corona-Regeln nervt und manchen Kinogast vielleicht von einem Besuch abhält, geht es in Neustadts Kino wieder bergauf.


Die Besucherzahlen lassen hoffen. Sie waren in diesem Sommer sogar höher als sonst. Die klassischen Kinomonate sind eher in der kühleren Jahreszeit. Doch in Neustadt setzt vermutlich eine Trendwende ein. "Wir haben gemerkt, dass die Leute wieder Hunger auf ein Kinoerlebnis haben. Und dann gibt es ja auch unsere Stammkunden, die uns schon über viele Jahre die Treue halten", sagt Stefanie Sommerschuh.

Noch können sie den großen Saal nur zur Hälfte auslasten. 150 Besucher passen da eigentlich rein. Und dann gibt es noch den kleinen Saal. Dieser bietet sich auch für kleine Gesellschaften an, die sich dort coronakonform treffen und einen Film ansehen können.

Das Angebot wird gut angenommen. Für André Peters ein Zeichen, vor neun Jahren doch die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Denn bis dahin ging es mit den Grenzland-Lichtspielen auf und ab. In dieser Zeit wurden andere Kinos in der Region geschlossen.

"Ich bleibe dabei, solange das Interesse an Neustadts Kino vorhanden ist, werde ich alles tun, damit es erhalten bleibt. Und wir haben eben auch viele Stammkunden, die sich mit dem Haus identifizieren", sagt André Peters, der vor neun Jahren das Objekt gekauft hatte. Darüber hinaus habe man schon vor Corona sparsam gewirtschaftet. Die Verluste konnten dann letztlich auch dank Fördermaßnahmen ausgeglichen werden. Nur jetzt muss das Publikum eben wiederkommen.

Die Vorteile eines kleinen Kinos

Stefanie Sommerschuh ist das Gesicht des Kinos. Derzeit ist sie freitags und sonnabends vor Ort, betreut die Technik, überwacht die Einhaltung der Hygieneregeln, sorgt für Sauberkeit, Getränke und den kleinen Snack für zwischendurch.

Und falls die Technik mal streikt, was durchaus vorkommen kann, ist ein kühler Kopf gefragt. "Unser Publikum ist tolerant, und so oft kommt das ja nicht vor", sagt sie. Ein Plus sei auf jeden Fall, dass das Neustädter Kino weit und breit das einzige im ländlichen Raum ist. Die nächsten Kinos sind in Bautzen, Pirna und Dresden. Und so ein Kino vor der Haustür lockt Publikum aus dem Umland ins Haus. Dazu kommen die günstigen Eintrittspreise. Die sollen zwar noch etwas angepasst werden, aber moderat.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man in Neustadt auch seltener gezeigte Filme oder Dokumentationen sehen kann. Dabei darf das Publikum sogar mitsprechen. "Ich mache ja das Programm nicht für mich, sondern für die Leute, die zu uns kommen. Da haben wir schon die Möglichkeit, individuell Filme auszusuchen und zu zeigen", sagt die junge Frau. Und ein Plus fürs Publikum: Die Filme werden nicht unterbrochen oder beginnen erst später, da Neustadt seit dem letzten Jahr ein werbefreies Kino ist.

Außergewöhnliche Filme im Herbst

Wenn das Kino an die Besucherzahlen von vor zwei Jahren anknüpfen könnte, wäre das schön. Dabei kommt es auch auf die Auswahl der Filme an, die in Neustadt über die Leinwand flimmern. Am 30. September wird zum Beispiel "972 Breakdowns - auf dem Landweg nach New York" gezeigt.

Dieser berichtet von einem ungewöhnlichen Projekt von Kunststudenten aus Halle an der Saale. Sie starten mit vier klapprigen Beiwagen-Motorrädern eine Expedition Richtung Osten. Die turbulente Fahrt geht über 40.000 Kilometer und endet nach zweieinhalb Jahren in New York. Aus über 500 Stunden Rohmaterial entstand dieser Kino-Film. In Neustadt ist man sich sicher, dass er auf großes Interesse stoßen wird.

Das dürfte dann auch für einen weiteren Film gelten. Voraussichtlich zum Tag der Deutschen Einheit wird der auf der Berlinale preisgekrönte Dokumentarfilm "Fortschritt im Tal der Ahnungslosen" von Florian Kunert gezeigt, einem in Sebnitz geborenen jungen Dokumentarfilmer.

Um immer auf dem Laufenden zu sein, informiert Stefanie Sommerschuh die Kinofreunde regelmäßig auf Facebook und im Internet via Newsletter. Den kann man übrigens mit einer kurzen E-Mail an sie bestellen oder man meldet sich beim nächsten Kinobesuch dafür an. Übrigens: Wer noch einen Gutschein von vor Corona hat, kann diesen noch für einen der nächsten Filme einlösen.

Unterricht auf der Leinwand

Schulklassen oder Hortkinder nutzen das Kino des Öfteren. Darüber hinaus beteiligen sich die Grenzland-Lichtspiele an den Schul-Kino-Wochen. Ein Angebot, welches man gerne noch ausbauen möchte. In dieser Zeit haben Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen und Schularten sowie deren Lehrkräfte die Möglichkeit, in regionalen Kinos ausgewählte Filme während der Unterrichtszeit zu einem ermäßigten Eintrittspreis zu sehen.

Begleitend werden verschiedene Veranstaltungen wie Filmgespräche zur Vertiefung des gesehenen Films, Fortbildungen und Sonderveranstaltungen mit Experten aus der Filmbranche sowie aus Wissenschaft, Kultur und Politik angeboten. Es werden Spiel- und Dokumentarfilme gezeigt, die lehrplanrelevante Themen inhaltlich und filmästhetisch aufgreifen und in besonderer Weise umsetzen. Bei Interesse können sich die Schulen im Kino dafür anmelden.

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