Sebnitz
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Unverpacktes ist beliebt, trotzdem kämpfen die Läden

Etwa 20 Unverpackt-Läden mussten deutschlandweit 2022 schon schließen. So geht es dem von Sabine Krüger in Neustadt.

Von Anja Weber
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Sabine Krüger bietet jeden Donnerstag in ihrem Unverpackt-Laden auch Aufstriche an.
Sabine Krüger bietet jeden Donnerstag in ihrem Unverpackt-Laden auch Aufstriche an. © Steffen Unger

Nachhaltige und unverpackte Produkte werden immer beliebter, auch in Sachsen. Das zeigt eine aktuelle Marktforschungsstudie. In Supermärkten greifen immer mehr Kunden vor allem bei unverpackten Obst und Gemüse zu. Trotzdem haben alternative Verkaufskonzepte zu kämpfen. Der Trend zur Müllvermeidung ist auf jeden Fall da, bestätigt Sabine Krüger vom einzigen Unverpackt-Laden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Neustadt. Doch auch sie hat Sorgen.

Ihr Sortiment an Unverpacktem hat sie seit der Eröffnung deutlich erweitert. Neben vielen Nudel- und Mehlsorten gibt es verschieden Sorten Reis und Linsen, gehackte Nüsse und Mandeln, Buchweizenflocken, Hanfsamen, Maulbeeren, Flohsamenschalen, Quinoa, Pinienkerne Porridge, getrocknetes Obst, Schokolade und Fruchtgummi um nur einiges aufzuzählen. Sie kauft regional ein. Weite Wege bleiben den Waren erspart. Auch das gehört zu ihrem Verkaufskonzept.

Mehrere Sorten Hülsenfrüchte aber auch Nüsse gibt es unverpackt.
Mehrere Sorten Hülsenfrüchte aber auch Nüsse gibt es unverpackt. © Steffen Unger

Trotzdem sind bei ihr die Kunden die generell nur Unverpacktes kaufen noch in der Minderzahl. Das Interesse sei aber da. Sie versucht das mit verschiedenen anderen Angeboten auszugleichen. "Ich habe auch einige verpackte Waren mit im Angebot, die sind ebenfalls alle aus der Region und kommen bei den Kunden gut an", sagt Sabine Krüger. So gibt es Käse und Jogurt sowie selbst gebackenes Holzofenbrot vom Biohof Steinert, Ziegenkäse aus Lauterbach und verschiedene Säfte sowie eine Auswahl an frischem Obst und Gemüse. Das Prinzip, das dahinter steckt: Wer erst einmal im Laden ist und mit ihr ins Gespräch kommt, wird merken, dass es zahlreiche Dinge gibt, die man unverpackt kaufen kann. Und sie richtet sich, wenn möglich, bei der Erweiterung ihres Sortimentes nach den Wünschen ihrer Kunden. So wird es bald auch Maisstärke, Polenta und bunte Streusel geben. Wer die losen Waren kauft, muss nur ein passendes Glas oder eine Plastikdose mitbringen. Auch das ist möglich, weil die ja ebenfalls wieder verwendbar sind. Wer keine Gläser hat, kann welche bei ihr kaufen oder eben mieten. Gebrauchte Gläser gehen ebenfalls, da sie diese selbst spülen kann.

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Manche Hersteller haben die Preise verdoppelt

Geliefert bekommt sie das Meiste in wieder verwendbaren Säcken, meist größere Abpackungen, bei anderen kann sie nur geringe Mengen nehmen. Generell bemerkt Sabine Krüger, dass die Preise für ihre losen Waren im Einkauf stark gestiegen sind, mitunter um das Doppelte. Manche Hersteller liefern nur noch in großen Mengen, die sie im Geschäft gar nicht verkaufen würde. Rein theoretisch müsste sie nun alles auf den Preis für die Kunden umschlagen. Das sieht sie aber kritisch, befürchtet, dass die Unverpackt-Waren gar nicht mehr verkauft werden. Ein Problem, das offenbar auch andere Läden mit diesem Konzept haben. Denn deutschlandweit haben in diesem Jahr bereits um die 20 schließen müssen. Dem wiederum steuert sie mit verschiedenen Aktionen entgegen.

Seit der Eröffnung hat sie ihr Sortiment erweitert. So gibt es zum Beispiel auch Kerzen.
Seit der Eröffnung hat sie ihr Sortiment erweitert. So gibt es zum Beispiel auch Kerzen. © Steffen Unger

So gibt es zum Beispiel jeden Donnerstag vier bis fünf von ihr selbst hergestellte Aufstriche. Und sie will die Bildungsangebote noch erweitern. Bislang war sie damit unter anderem im Goethe-Gymnasium Sebnitz, an der Förderschule in Ehrenberg unterwegs. Für die Sommerferien bereitet sie eine Aktion im Hohnsteiner Schulhort vor. Darin sieht sie noch mehr Potenzial. "Da ich bei solchen Veranstaltungen auch ein ordentliches Programm abliefern will, braucht es schon einige Vorbereitungszeit. Aber mir macht das Spaß", sagt Sabine Krüger. Schließlich ist sie von Beruf aus Sozialpädagogin und Musiktherapeutin.

Ein Verkaufsschlager hat sich aber auch bei ihren Unverpackt-Waren schon herauskristallisiert. In großen Kanister, die sie im Pfandsystem, von dem Herstellern bekommt, gibt es bei ihr verschiedene flüssige Reinigungsmittel, alle nachhaltig produziert. Und genauso kann man die bei ihr kaufen. Da empfiehlt es sich aber eine Flasche mitzubringen. Und wer beim Preis genau hinschaut, wird keine allzu großen Unterschiede finden. Ein Liter Spülmittel kostet bei ihr zum Beispiel 2,90 Euro. Wer im Supermarkt zu einem teuren Markenartikel greift, bezahlt nicht wesentlich weniger. "Und die Spülmittel sind zu 100 Prozent biologisch und sehr ergiebig", sagt sie.

Die Reinigungsmittel sind schon jetzt ein Verkaufsschlager.
Die Reinigungsmittel sind schon jetzt ein Verkaufsschlager. © Steffen Unger

Besonders gefreut habe sie sich darüber, dass sie von den anderen Geschäftsleuten in Neustadt so gut aufgenommen wurde. "Ich bin echt dankbar, dass die anderen so offen sind, mit mir reden und auch hier einkaufen. Zwischen uns herrscht ein schönes Klima. Das ist doch auch wichtig und man hilft sich untereinander", sagt sie. Sie könne nur jeden nur empfehlen, vor Ort und regional einzukaufen, um so eben auch die kleineren Läden am Leben zu halten.