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SOE: Preis für ersten Unverpackt-Laden

Sabine Krüger eröffnet in Neustadt ein neues Geschäft. Für ihre innovativen Ideen wurde sie schon vor der Eröffnung geehrt.

Von Anja Weber
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Sabine Krüger hat ihren Naturraum Unverpackt-Laden in Neustadt noch nicht mal geöffnet, bekommt für die Idee aber schon einen Preis.
Sabine Krüger hat ihren Naturraum Unverpackt-Laden in Neustadt noch nicht mal geöffnet, bekommt für die Idee aber schon einen Preis. © Steffen Unger

Ihre Idee hat eingeschlagen. Die Hohnsteinerin Sabine Krüger, die in Neustadt den ersten Unverpackt-Laden hat, wurde schon vor der Eröffnung ausgezeichnet. Sie erhielt vor wenigen Tagen den eku-Zukunftspreis 2021. Ausgelobt wird dieser durch das Sächsische Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirschaft (SMEKUL). Das möchte damit das vielfältige Engagement unterstützen und sichtbar machen. Dafür steht der neue Laden "Naturraum Unverpackt" in Neustadt.

Insgesamt 256 Projekte haben sich um den Preis beworben. In mehrstufigen Verfahren wurden diese durch Fachgremien geprüft und bewertet. Nach folgenden Kriterien wurde begutachtet: Umwelt- und Klimaschutzwirkungen, Innovationscharakter, Modellcharakter, Regionalität, soziale und ökonomische Wirkung und noch einige mehr. Sabine Krügers Konzept passt da bestens dazu. Und da sie offenbar auch allen Kriterien entsprochen hat, wurde sie mit dem Preis ausgezeichnet. Und nicht nur das. Mit dem Preis bekommt sie 10.000 Euro. Geld, was sie gut gebrauchen kann. Außerdem ließ ihre Crowdfunding-Aktion erfolgreich. Ihr Ziel waren 8.000 Euro, die sie komplett für die Ladeneinrichtung verwenden wollte. Zusammengekommen sind letztlich sogar 9.064 Euro.

Gesunde Kiste für die Kindergärten

Die Hohnsteinerin fängt praktisch bei null an mit ihrem Geschäft auf der Bahnhofstraße 15 in Neustadt. Sie muss nicht nur die Ladeneinrichtung kaufen. Sie muss auch darauf achten, dass sie ihre Produkte eben unverpackt präsentieren und möglichst auch noch so selbst einkaufen kann. "Naturraum Unverpackt" wird ihr Geschäft heißen, was sie voraussichtlich am 16. Dezember eröffnen möchte. Ursprünglich sollte das schon am 30. November sein. Aber etwas Vorbereitungszeit braucht sie noch, obwohl die Ladeneinrichtung schon Gestalt angenommen hat. Für die 44-Jährige studierte Sozialpädagogin und Musiktherapeutin ein Neuanfang.

"Mit meinem Ladenkonzept möchte ich Menschen aller Altersgruppen gleichermaßen motivieren, sich mit ihrem Konsum und dessen Auswirkungen auf die Umwelt auseinanderzusetzen", sagt Sabine Krüger. Sie bietet den Menschen gleichzeitig die Chance, sich konkret auszuprobieren und erste Schritte für einen nachhaltigeren Lebensstil zu gehen. Denn schließlich kann man nicht nur fordern, sondern es muss eben auch Angebote geben. Entsprechend dem Konzept ist die Ladengestaltung transparent und informativ. Sie wird die Kunden in die Sortimentsauswahl mit einbeziehen. Aus ihrer Sicht sei es auch besonders wichtig, die jüngere Generation auf diesem Weg mitzunehmen. Sie bietet deshalb Workshops für Kinder und Erwachsene an. Sie wird sich vor allem viel Zeit für Kinder nehmen und Kindertagesstätten, die es möchten, eine "Gesunde Kiste" zusammenstellen. Den Inhalt können die Kinder dann auch selbst abfüllen.


Das Prinzip des Ladens ist einfach, erfordert allerdings auch vom Kunden etwas Vorbereitung, die sich aber lohnt. Deshalb sollte man schon jetzt wieder verschließbare Gläser oder Flaschen sammeln, wenn man bei ihr einkaufen möchte. Die Behältnisse für die Waren kann man entweder selbst mitbringen oder sich diese im Geschäft auch kaufen und dann eben immer wieder benutzen. Damit sind zwei Sachen erreicht: Zum einen wird weniger Müll produziert und zum anderen schützt man sich vor Chemikalien wie Weichmachern, die ja in den Verpackungen für Lebensmittel vorkommen. Für sie sind das alle Werte, die sie weiter geben möchte. Sie sagt aber auch: Man muss ja nicht komplett umstellen, aber wenigstens das Bewusstsein darauf richten.

Donnerstags gibt es frische Aufstriche

Da es keine festen Verpackungsgrößen gibt und sich jeder eigentlich genau die Menge kaufen kann, die er braucht, werde auch der Verschwendung von Lebensmitteln entgegengewirkt. Ihr Angebot ist vielfältig und die meisten Kunden werden wohl staunen, was alles unverpackt gekauft werden kann. Neben vielen Lebensmitteln oder Getreide und Mehl, sogar auch Waschmittel, Haarwäsche und andere Naturkosmetik. Auch den Honig kann man sich bei ihr selbst abfüllen. Obst und Gemüse gibt es entsprechend der Saison.

Bei ihren Lieferanten hat sie vereinbart, dass die entweder in Kanistern oder größeren Behältern geliefert werden, die dann wieder zurückgehen. Und es versteht sich bei ihr von selbst regionale Anbieter mit einzubeziehen, vor allem, um die Fahrwege kurzzuhalten. Dafür arbeitet sie mit Bauern, Manufakturen und Produzenten aus der Nachbarschaft zusammen. Einen festen Termin hat sie bereits. Immer donnerstags serviert sie frisch zubereitete Aufstriche. Drei Tage pro Woche wird der Laden geöffnet sein.

  • Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gibt es noch einen zweiten Zukunftspreisträger. Das ist Andreas Lippert aus dem Ortsteil Zeichen in Stadt Wehlen. Er erhielt den Preis für seine PrimaKlimaVilla - ein klimafreundliches Urlaubserlebnis in der Sächsischen Schweiz. Auch ihn werden wir mit seinem Projekt vorstellen.