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Gute Chancen für Bahnstrecke bei Neustadt

Sachsens Verkehrsminister Dulig möchte auf einigen brach liegenden Gleisen wieder Züge fahren sehen. Was das für die Sächsische Schweiz heißt.

2004 wurde der Personenschienenverkehr zwischen Neustadt und Neukirch/West eingestellt. Er könnte reaktiviert werden.
2004 wurde der Personenschienenverkehr zwischen Neustadt und Neukirch/West eingestellt. Er könnte reaktiviert werden. © Karl-Ludwig Oberthür

510 Kilometer totes Gleis liegen in Sachsen, 60 Bahnstrecken im Freistaat wurden seit 1994 stillgelegt, besagen Zahlen des Eisenbahnbundesamtes. Dem sächsischen Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) reicht es jetzt mit dem Streichkonzert auf Schienen. Er ließ für 21 Strecken ein sogenanntes Basisgutachten dazu erarbeiten, ob sich dort wieder Personenverkehr lohnt. Und das Gutachten klingt höchst interessant, vor allem für die ehemalige Bahnstrecke von Neustadt nach Neukirch/West. Dazu kommt noch ein interessantes Gerichtsurteil.

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Lange ist es her, dass Reisende aus dem Zug heraus das schöne Hohwaldgebiet zwischen Neustadt und Neukirch/West bestaunen konnten. Im Dezember 2004 wurde der Personenverkehr auf dieser Strecke, im Volksmund auch Semmeringbahn genannt, abbestellt. Die Deutsche Regionaleisenbahn GmbH (DRE) betreibt seit 2008 noch ein Teilstück bis zum Steinbruch Oberottendorf als öffentliche Eisenbahninfrastruktur. Die Strecke wird durch das Unternehmen genutzt. Und es könnten auch wieder Personenzüge fahren. Die Schienen liegen. Aber es fehlt etwas ganz Entscheidendes. Die Bahnbrücke über die Ortsumgehungsstraße S156 von Neustadt nach Bischofswerda.

Strecke mit touristischer Bedeutung

Die Brücke wurde 2005 mit Entstehen der Ortsumgehungsstraße zurück gebaut. Heute sind die Anschlussstellen dicht bewaldet. Wer aber ein Stück weiter schaut entlang der neuen Ortsumgehungsstraße, könnte sich gut vorstellen, dass hier Personenzüge oder eben auch Güterzüge rollen könnten. Die Stadt Neustadt würde das durchaus begrüßen. Immerhin gebe es mit den zahlreichen Gewerbegebieten sicherlich auch Interessenten für den Güterzugverkehr. Immerhin geht es nach wie vor darum, nicht noch mehr Laster auf die Straßen zu bringen.

Für den Personenverkehr hat das den Vorteil, dass wieder eine Anbindung mit Umstieg in Neukirch/West direkt an die Oberlausitz gegeben wäre. Denn dort kreuzt die Bahnstrecke Dresden - Zittau das Netz. "Für die Stadt Neustadt, überhaupt für die Region wäre das ein Gewinn", sagt unlängst Neustadts Bürgermeister Peter Mühle (NfN). Allerdings gebe es auch Bedenken, dass die Strecke überhaupt wieder angenommen werde. Ein Stück Schiene müsste gebaut und die Bahnübergänge an der Bischofswerdaer Straße, der Berthelsdorfer Straße und in Langburkersdorf den heutigen Ansprüchen sicher ausgebaut werden. Lediglich an der geplanten und seit Jahren aufgrund fehlender Finanzmittel durch den Freistaat Sachsen hinausgeschobenen Maßnahme eines schienengleichen Bahnübergangs als Anbindung des Gewerbegebietes „Am Fuchsberg“ im Ortsteil Berthelsdorf müsste sich die Stadt Neustadt in Sachsen finanziell beteiligen. Mit dieser Maßnahme soll auch die Linksabbiegespur von der S 156 in das Gewerbegebiet durch den Freistaat realisiert werden. Und die Brücke müsste neu entstehen. Und dafür gibt es inzwischen auch Chancen.

Mit der Wiederbelebung der Strecke könnte ein weiterer Lückenschluss geschaffen werden.
Mit der Wiederbelebung der Strecke könnte ein weiterer Lückenschluss geschaffen werden. © SZ Grafik

Brückenbau mit politischer Brisanz

Die Diskussionen um die zurück gebaute Brücke sind inzwischen von politischer Brisanz und nehmen offenbar wieder an Fahrt auf. Bereits im Jahr 2005 erklärte der damalige Verkehrsminister Thomas Jurk (SPD) : "Sollte die Bahnstrecke wieder betrieben werden, dann besteht die Verpflichtung, das Bauwerk zu errichten." Und nicht etwa durch die Stadt Neustadt oder die Deutsche Regionaleisenbahngesellschaft. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) müsste die Brücke neu bauen lassen. Kein Wunder, das darum ein heftiger Streit entbrannt ist, der bereits mehrere Gerichte beschäftigt hat. Denn die Regionaleisenbahngesellschaft lässt nicht locker. Das Unternehmen könne sich durchaus vorstellen, die Bahnstrecke wieder zu reaktivieren.

Unterstützend wirken da vor allem die entsprechenden Gerichtsurteile. Das Verwaltungsgericht in Dresden sowie das Oberverwaltungsgericht in Bautzen als auch das Bundesverwaltungsgericht entscheiden im Sinne des Unternehmens. Eine Fachzeitschrift hatte unlängst auch festgestellt, dass die vom Freistaat mit der Deutschen Bahn geschlossene Vereinbarung auch nach der Einstellung des Personenverkehrs auf dieser Strecke und die Verpachtung an die Deutsche Regionaleisenbahngesellschaft auch weiterhin seine Gültigkeit haben. Allerdings muss glaubhaft versichert werden, dass das Interesse für eine Wiederbelebung bestehe. Konkrete Aussagen dazu stehen seitens des Unternehmens noch aus. Darüber hinaus gibt es keine Verlautbarung des Straßenamtes über einen Wiederaufbau der Brücke.

Wegen der Ortsumgehung der S156 musste die Bahnbrücke bei Neustadt weichen.
Wegen der Ortsumgehung der S156 musste die Bahnbrücke bei Neustadt weichen. © Steffen Unger

Gutachten stärkt Eisenbahngesellschaft

Rückenwind gibt es aber durch den jetzigen Verkehrsminister Martin Dulig. Und seiner Schienen-Offensive. Es sei gemeinsames Ziel einen Beitrag zur Umwelt- und Klimaverbesserung zu leisten. Das Augenmerk ruht dabei auch auf dem Schienenpersonenverkehr, der alle Regionen Sachsens miteinander verknüpfen und damit eine schnelle Verbindung im gesamten Freistaat ermöglichen solle, sagte Sachsens Verkehrsminister. Auf Grundlage eines erstellten Basisgutachtens wurden 22 potenziell zu aktivierende Strecken untersucht. Den Auftrag dazu hatte das Verkehrsministerium an die vci VerkehrsConsult Ingenieurgesellschaft Dresden erteilt.

Das Gutachten liegt inzwischen vor. Die Bahnstrecke von Neustadt nach Neukirch/West ist darin mit gelb gekennzeichnet. Gelb steht dafür, dass ein Wiederaufbau möglich wäre. Einer Schätzung der Gutachter zufolge, könnte man von etwa 400 Fahrgästen pro Tag ausgehen, abhängig von der Linienführung, also auch in Richtung Pirna oder Bad Schandau oder eben Bautzen. Allerdings müsste da die Strecke Wilthen-Bautzen wieder reaktiviert werden. Eine touristische Bedeutung von der Sächsischen Schweiz in die Oberlausitz sowie im grenznahen Raum wird der Strecke ebenfalls zugesprochen.

Eine Forderung, die Strecke wieder aufleben zu lassen, gibt es von den politischen Vertretern im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nicht. Dazu kommt, dass auch eine stündliche Busverbindung von Neustadt über Steinigtwolmsdorf nach Bautzen angeboten wird.

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