merken

Neustädter Wohnblock wird geflutet

Bei Starkregen stehen am Bruno-Dietze-Ring regelmäßig Keller unter Wasser. Dagegen wird nun etwas getan.

© Dirk Zschiedrich

Von Katarina Gust

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Durchblättern und viel sparen

Frisch, lebendig und lesefreundlich. Stöbern Sie hier online in den aktuellen Magazinen und Partnerangeboten.

Neustadt. Selbst die dichteste Tür hat keine Chance, wenn Wasser mit dem Gewicht eines Autos dagegen drückt. Das mussten die Bewohner am Bruno-Dietze-Ring in Neustadt in den letzten Monaten mehrfach erleben. Zweimal schon standen in diesem Jahr ihre Keller unter Wasser. Betroffen ist vor allem der letzte Block mit den Nummern 77 bis 82. Das Problem: Bei Starkregen füllt sich der Treppenaufgang hinter dem Haus mit Wasser. Wenn in wenigen Minuten 20 oder 30 Liter Regen auf den Quadratmeter fallen, hält dem die städtische Entwässerung kaum stand. Die Kanalisation ist voll, die Rückschlagklappen im Treppenschacht schließen sich. Wasser kann nicht mehr abfließen, sondern sammelt sich wie ein einem Becken. Bis zu 1,30 Meter hoch stand es schon an der Treppe. „Das sind 1,3 Tonnen, die gegen die Tür drücken“, beschreibt Matthias Scholze, Geschäftsführer der Wohnungsbau- und Wärmeversorgungsgesellschaft mbH in Neustadt (WWGN). Bisher hat man mit Sandsäcken versucht, die Tür abzudichten. Doch das hätte nicht viel genützt. Man hätte deshalb darüber nachgedacht, den Hintereingang ganz zuzumauern. Damit wäre das Problem gelöst. Doch laut Scholze wollte ein Großteil der Mieter nicht auf den direkten Zugang zum Wäscheplatz verzichten – trotz Flutgefahr.

Wasser Marsch am Bruno-Dietze-Ring in Neustadt: An einem Wohnblock wurde eine Hochwasserschutzwand getestet. Die Wohnungsbau- und Wärmeversorgungsgesellschaft will mehrere dieser Wände anschaffen. Geschäftsführer Matthias Scholze (oben re.) konnte sich be © Dirk Zschiedrich
Wasser Marsch am Bruno-Dietze-Ring in Neustadt: An einem Wohnblock wurde eine Hochwasserschutzwand getestet. Die Wohnungsbau- und Wärmeversorgungsgesellschaft will mehrere dieser Wände anschaffen. Geschäftsführer Matthias Scholze (oben re.) konnte sich be © Dirk Zschiedrich

Um die Wohnblocks dennoch zu schützen, entschied sich die WWGN für eine Alternative: ein mobiles Schutzsystem, das eine Firma aus Neukirch produziert. „Bevor wir die Technik kaufen, wollten wir sie testen“, sagt Scholze. Mit echtem Wasser. Am Donnerstagnachmittag war deshalb die Neustädter Feuerwehr am Bruno-Dietze-Ring im Einsatz. Sie hat einen Treppenausgang geflutet. Vorher wurde jedoch die Flutschutzwand aufgebaut. Am Türgewände ist links und rechts eine Schiene angebracht. Dazwischen werden vier Flutschutzbalken übereinander gesetzt. Schon sind die Schotten dicht. „Nicht ein Tropfen kam durch“, sagt Matthias Scholze nach der Übung. Durch den Wasserdruck werden die Bretter sogar noch nach unten gedruckt. Das dichtet zusätzlich ab. Scholze ist froh, dass das System funktioniert. Nun wird es für mehrere Eingänge gekauft. Der Wohnblock Nummer 77 bis 82 wird komplett damit ausgestattet. Andere Eingänge werden nachgerüstet. Einen kleineren vierstelligen Betrag investiert die WWGN in das Flutschutzsystem – pro Tür.

Um zu sehen, wie die Schotten angebracht werden, waren bei der Übung Mieter mit vor Ort. Denn sie sind künftig selbst gefragt, wenn Starkregen und Überflutungen drohen. Matthias Scholze ist überzeugt, dass sie die Handhabung verstanden haben. „Mann kann bei vier Brettern eigentlich nichts falsch machen“, sagt er. Die Einzelteile der Spundwand sollen direkt neben der Hintertür angebracht werden. Denn sie müssen im Notfall jederzeit griffbereit sein. Oft haben Betroffene nur wenige Minuten Zeit, um zu reagieren. Die Feuerwehr kann das nicht leisten. Sie wird oftmals an anderer Stelle gebraucht. Deshalb werden bei der WWGN die Mieter mit in die Pflicht genommen. Erfahrungsgemäß bleibe das Wasser im Türschacht nie lange stehen. Wenn die Kanalisation wieder aufnahmebereit ist, würden sich die Rückschlagklappen öffnen und das Wasser könne abfließen. „Wenn das nicht funktioniert, können wir das Regenwasser abpumpen“, sagt der Geschäftsführer.