merken

Neustädter wollen Flüchtlingswohnungen

Für ein Wohnprojekt mit Dresdnern und Asylbewerbern gibt es nun Unterstützung.

© Sven Ellger

Von Sarah Grundmann

Seit über zehn Jahren steht das Gebäude auf der Königsbrücker Straße 117a/119 leer. Nun will der Verein „Elixir“ dort Appartements für Dresdner, Migranten und Flüchtlinge unterbringen. Stadträte von Grünen, Linken und SPD begrüßen das Projekt. Allerdings sind die Zweifel bezüglich der Umsetzbarkeit groß. Am Mittwochabend erklärten Gäste aus Bayern in der Scheune, wie es geht.

JABS
JABS – Euer Zukunftsportal
JABS – Euer Zukunftsportal

Auf JABS erfahrt ihr alles, was für eure Zukunft wichtig wird und wie ihr euch am Besten darauf vorbereitet.

Das „Bellevue di Monaco“ war vorher schon durch die Medien in ganz Deutschland gegangen und erhielt Unterstützung von Prominenten wie der Band Sportfreunde Stiller oder dem Fußballer Mehmet Scholl. Der Münchner Verein rettete mehrere Gebäude vor dem Abriss, die angeblich nicht mehr sanierbar waren. Die Stadt wollte dort für sieben Millionen Euro Neubauten mit teuren Wohnungen errichten. In Eigeninitiative renovierten die engagierten Anwohner ein Appartement und überzeugten so schließlich die Stadtratsfraktionen. Die kippten ihren Beschluss zum Abriss und übergaben Till Hofmann und seinen Mitstreitern die Häuser, in denen bereits in vier Wochen 40 Flüchtlinge mit den Münchnern zusammenleben. Für den Dresdner Verein war aber vor allem ein Projekt aus Augsburg Vorbild: In einem von Künstlern gestalteten Haus leben seit 2011 etwa 60 Flüchtlinge. Daneben gibt es vier Hostel-, zwölf Hotelzimmer sowie Veranstaltungsräume und Gastronomie.

So weit ist der Dresdner Verein noch lange nicht. Er hatte sich erst im November vergangenen Jahres gegründet. Doch die Pläne sind schon recht konkret: Im Hinterhof der denkmalgeschützten Gebäude sollen Neubauten entstehen, die bestehenden Häuser werden saniert. So könnten bis zu 150 Flüchtlinge, Migranten und Dresdner in dem Komplex unterkommen. Außerdem wäre dann noch Platz für Veranstaltungsräume, Werkstätten und vieles mehr. Rückenwind bekam das Projekt nun im Neustädter Ortsbeirat, in dem „Elixir“ es kürzlich vorstellte.

Viele der Politiker lobten die Idee. So etwas sei es, was die Stadt zurzeit brauche. „Doch das Vorhaben ist sehr ambitioniert“, sagt Ortsamtsleiter André Barth und spielte damit vor allem auf die Kosten an. Denn die Umsetzung der Idee würde nach Schätzungen von Architekten um die zehn Millionen Euro kosten. Die will der Verein einerseits durch Spenden, Privatdarlehen und Bankkredite zusammenbringen. Der größte Anteil soll jedoch über die Gründung einer Genossenschaft und die damit verbundenen Beiträge finanziert werden. Dass Flüchtlinge diese nicht aufbringen können, ist den Mitgliedern durchaus klar. „In manchen Städten werden aber auch Genossenschaftsanteile von der Stadt übernommen“, sagt Vorstand Carsten Ungewitter. Außerdem setzt „Elixir“ auf Förderprogramme der EU, beispielsweise zu sozialem Wohnungsbau und Integration.

Trotzdem ist der Verein auf Hilfe aus der Politik angewiesen. Denn die Stadt hat das Gebäude bereits zum Verkauf ausgeschrieben, die Gebote gingen bis Januar ein. „Elixir“ hat sich dagegen entschieden, mitzubieten. Stattdessen soll das Grundstück städtisch bleiben und per Erbbaurecht verpachtet werden. Die eingegangenen Gebote werden nun von der Stadt ausgewertet, dann kommt eine Vorlage in den Stadtrat. Der Verein hofft, dass diese abgelehnt wird. Die Grünen haben dazu ihre Bereitschaft bereits signalisiert. Und auch im prall gefüllten Saal der Scheune fanden sich am Mittwoch viele Unterstützer.