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Sachsen

Neustart eines Gasthofes in Corona-Zeiten

Ostern wollte Neubesitzer Michael Heidelbeer loslegen mit der "Linde" im Muldental. Doch dann kam Corona. Nun wagt der Gastwirt einen neuen Anlauf.

Michael Heidelbeer vor seiner Gaststätte "Zur Linde". Er ist erst seit kurzem Betreiber der Schänke im Muldentalkreis.
Michael Heidelbeer vor seiner Gaststätte "Zur Linde". Er ist erst seit kurzem Betreiber der Schänke im Muldentalkreis. © Sebastian Willnow/dpa

Von Martin Kloth

Grimma OT Leipnitz. Der rustikale dunkelbraune Tresen steht verwaist im Schankraum, aus dem Zapfhahn ist seit Monaten kein Bier geflossen. In Leipnitz, einem Ortsteil von Grimma im Kreis Leipzig, hat die Corona-Krise Michael Heidelbeer einen dicken Strich durch seine Pläne gemacht. Am 4. April und damit rechtzeitig vor Ostern wollte der 43-Jährige als Neubesitzer den traditionsreichen Gasthof "Zur Linde" wieder eröffnen. Doch dann kam der Lockdown. "Das war schon hart", gibt Heidelbeer zu.

Nun zeichnet sich für den gelernten Koch sowie zahlreiche der rund 9000 Gastronomie- und Hotelbetreiber in Sachsen Hoffnung ab: Von Freitag an sollen sie wieder öffnen dürfen. "Ich würde gern aufmachen wollen", sagt Michael Heidelbeer. Doch schwingt dabei auch Unsicherheit mit. Denn im Detail ist noch unklar, unter welchen Voraussetzungen Restaurants, Kneipen und Gasthäuser ihre Gäste bewirten dürfen. Erst an diesem Dienstag will die sächsische Landesregierung festlegen, welche Auflagen erfüllt werden müssen.

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Klar ist, dass Tische 1,5 Meter auseinander stehen, die Speise- und Getränkekarten abwischbar sein müssen, Tischgedecke wie Salz- und Pfefferstreuer nur zum Einmalgebrauch am Platz stehen dürfen und Hygienevorgaben erfüllt werden müssen. Doch die noch offenen Details treiben auch Michael Heidelbeer um. "Meine größte Sorge ist es, welche hygienischen Standards einzuhalten sind", sagt er.

So fragt er sich, wie viele Aufsteller für Handdesinfektion er braucht. In jeder Toilette und auch davor? An jeder Eingangstür? Müssen Gäste auf dem Weg zur Toilette Masken tragen? Muss vorher reserviert und spontane Kundschaft abgewiesen werden? Immerhin hat der Gasthof neben sieben Pensionszimmern gleich vier Gasträume für je 20 und 80 sowie zweimal 35 Personen. Hinzu kommt eine geräumige Terrasse mit Blick auf die namensgebende Linde.

Der Neubesitzer wollte ursprünglich vor Ostern eröffnen. Das verhinderte die Coronakrise.
Der Neubesitzer wollte ursprünglich vor Ostern eröffnen. Das verhinderte die Coronakrise. © Sebastian Willnow/dpa

Seit Januar hat sich der Neu-Gastronom auf die Eröffnung vorbereitet. Nun denkt er darüber nach, nicht gleich am 15. Mai zu öffnen. Denn zwischen dem Beschluss zu den Auflagen am Dienstag und dem Freitag bleibt wenig Zeit zur Vorbereitung. Und die hat es unter Umständen in sich: Wie die anderen Gastronomen im Freistaat muss er unter anderem schon jetzt schwer zu bekommende Desinfektionsmittel besorgen.

Im Keller steht noch kein Fass Bier, Getränke und Lebensmittel müssen bestellt und geliefert werden. "Es gibt schon Gedankenspiele, dass, wenn die Auflagen zu hart sind, ich lieber noch zwei Wochen länger warte", sagt Michael Heidelbeer. Damit bestätigt er auch die Einschätzung des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, der vor Euphorie gewarnt hatte.

"Es kommen nicht die Umsätze, die wir brauchen", sagte Sachsens Dehoga-Hauptgeschäftsführer Axel Klein. Denn die Fixkosten für Miete und Personal blieben weiterhin hoch - auch bei deutlich weniger Umsatz. Letztlich müsse jeder Betrieb für sich entscheiden, ob er Ende der Woche wieder öffnen wolle oder ob das wirtschaftlich nicht machbar sei.

Er würde es wieder so machen

Bislang hat sich Michael Heidelbeer mit Außer-Haus-Verkauf über Wasser gehalten. Besteller können aus fünf Gerichten - teils in Variationen - wählen und sich das Essen dann abholen. Dies sei die logische Konsequenz nach der verhinderten Eröffnung gewesen. Nach zähem Beginn laufe es inzwischen ganz gut, sagt der 43-Jährige. Wie groß seine Einnahmeausfälle durch die Corona-Schließung sind, könne er nicht beziffern.

Heidelbeer hat trotz der unsicheren Situation seinen Mut nicht verloren. "Die Linde lebt", sagt er. Für den Herrentag am 21. Mai laufen seine Planungen für eine Freiluftversorgung. Sollte er wieder öffnen, könnten er und seine drei Mitarbeiter nach eigenen Angaben auch bei Einhaltung der Abstandsregeln bis zu 60 Gäste bewirten. Und er steht unerschütterlich dazu, den Gasthof im Januar übernommen zu haben. "Ich würde es wieder so machen - trotz Corona. Es gibt auch eine Zeit nach Corona." (dpa) 

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