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Neustart im Irrgarten Kleinwelka

Nach dem Brand im Januar gibt es nun einige Provisorien – und immer noch viel Hilfe.

© SZ/Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Mindestens zweimal im Jahr kommt Familie Seemann in den Irrgarten. Als Jana Seemann am Donnerstagmorgen im Radio hörte, dass es eine Wiedereröffnungsparty gibt, hat sie ihre Kinder gefragt, ob sie gleich mal hinfahren wollen. Hanna und Willy stimmten sofort zu. Im Irrgarten haben sie den Weg bis auf die Brücke in kurzer Zeit zurückgelegt. „Sie sind ja fast gerannt“, lacht ihre Mutti.

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So wie Familie Seemann haben viele Besucher den Weg in den Irrgarten gefunden. Die meisten haben von dem Brandanschlag im Januar gehört oder gelesen und zeigten an diesem Tag, dass sie sich mit dem Irrgarten verbunden fühlen. In den vergangenen Wochen gab es viele Spendenaktionen und Hilfsangebote. Am vergangenen Sonnabend wurde dann auf- und eingeräumt, die Wege im Labyrinth in Ordnung gebracht und die Sitzgelegenheiten gesäubert und aufgestellt. Nun war alles bereit zur großen Wiedereröffnung. Irrgarten-Chefin Regina Frenzel ist immer noch überwältigt von der großen Hilfe, die sie erleben konnte. Ob übers Internet oder persönlich – die Angebote halfen über den ersten Schock hinweg. „Mir hat es ziemlich die Beine weggezogen, nachdem ich das erste Mal vor dem abgebrannten Eingangsbereich stand“, sagt Regina Frenzel. „Ich frage mich immer wieder, wer uns hier Schaden zufügen wollte“, sagt sie. Doch Familie, Freunde und auch ihre Mitarbeiter bestärkten sie in dem Vorhaben, weiterzu machen. Auch wenn dies erst einmal schwierig werden würde.

Am Donnerstag trafen sich nun auch viele Helfer vor Ort. Ina Ganner und Katrin Wünsche haben zum Beispiel eine Tombola auf die Beine gestellt. „Eigentlich wollten wir bloß dabei helfen, die Preise für die Schatzsuche zu organisieren“, sagt Katrin Wünsche, eine gute Bekannte von Regina Frenzel. Doch dann hatte ihre Freundin Ina Ganner die Idee, diese Preise noch besser einzusetzen, um an Geld für den Wiederaufbau eines Kassenbereichs zu kommen. Es kamen über 10 000 Preise zusammen. Vom Kugelschreiber über Spielzeug bis hin zu hochwertigen Preisen wie Fernseher, Kaffeemaschine, einer Übernachtung auf der Kulturinsel Einsiedel für eine ganze Familie. Bei diesen Preisen hatten die beiden Frauen Unterstützung durch die Marketinggesellschaft Oberlausitz. „Aber wir haben auch ganz viele E-Mails geschrieben, haben telefoniert oder Klinken geputzt. Viele kannten den Irrgarten, weil sie mit ihren Kindern schon mindestens einmal dort waren, und haben gern etwas gegeben“, erzählt Ina Ganner, die sich auch um die Lose und die Vergabe der Nummern gekümmert hat.

Schon oft im Irrgarten waren auch Kinder aus der Kita Bieleboh-Knirpse in Beiersdorf. Deren Leiterin Elke Mittasch berichtet von schönen Zuckertütenfesten. „Als ich den Hortkindern erzählte, dass es im Irrgarten gebrannt hat, waren die Kinder ganz traurig und haben von sich aus gefragt, ob sie nicht helfen können“, sagt Elke Mittasch. Am Donnerstag brachte sie Kuchen in den Irrgarten, den sie gemeinsam mit den Hortkindern am letzten Schultag vor den Osterferien gebacken hat, damit er im Irrgarten verkauft werden kann. Gleichzeitig hat der Förderverein der Kita einen Kuchenbasar veranstaltet. Ein Teil des Erlöses wird ebenfalls dem Irrgarten zugutekommen.

Ab sofort hat der Irrgarten wieder täglich geöffnet. Die Mitarbeiter müssen sich einschränken, denn das Verkaufshäuschen ist sehr viel kleiner als der frühere Eingangsbereich. Doch in diesem Jahr bleibt das Provisorium. Es wird eine neue Abgrenzung geben. „Ein Teil des gespendeten Geldes wird für einen neuen Zaun gebraucht“, sagt Regina Frenzel. 2019 soll dann neu gebaut werden. Bei all den schlimmen Erinnerungen an den Brand hat Regina Frenzel eins gespürt: Sie ist nicht allein. „Das macht mich glücklich“, sagt die 61-Jährige.