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Neustart ohne Risiko

Andreas Bretschneider turnt nach seiner Schulter-Operation wieder einen Mehrkampf. Auf sein schwierigstes Element muss er dabei jedoch verzichten.

© dpa

Von Frank Thomas

Sein spektakulärer Flieger am Reck machte ihn weltbekannt, doch für den DTB-Pokal in Stuttgart am Wochenende muss Andreas Bretschneider das schwierigste Element der Turn-Geschichte erst einmal aus seinem Standard-Programm nehmen. Vor zwei Jahren war der Chemnitzer beim Weltcup in Stuttgart der gefeierte Held, doch bei den Olympischen Spielen in Rio patzte er bei seiner Flugshow.

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14 Monate nach seiner doppelten Schulter-Operation nimmt der 28 Jahre alte Sachse nun erstmals wieder einen Mehrkampf in Angriff. „Ich bin im Moment bei etwa 90 Prozent meines Leistungsniveaus von Rio. An Ringen und Barren habe ich einige Defizite, weil ich mit der Schulter noch vorsichtig sein muss“, meinte Bretschneider. Cheftrainer Andreas Hirsch hat in den zurückliegenden Monaten allen Auswahl-Turnern klargemacht, dass der Weg zu Olympia nach Tokio nur über den Mehrkampf führt. „Der veränderte Olympia-Modus mit nur noch vier Turnern pro Team zwingt uns dazu. Da ist nicht viel Platz für Spezialisten“, sagte Hirsch.

„Natürlich weiß ich, dass ich nur am Reck eine echte Finalchance habe. Aber im Sinne der Mannschaft muss ich die Risiken minimieren“, sagte Bretschneider zu seiner Taktik. Also verzichtet er auf das von ihm kreierte Element – den Doppelsalto mit zwei Schrauben – vorerst in seiner Standard-Übung. „Das heißt nicht, dass ich das Element im Training vernachlässige.“ Aber bei EM und WM, wenn es um die Qualifikation geht, wird er es nicht turnen.

Zu oft war ihm der „Bretschneider“ misslungen. Nicht nur in Rio, sondern auch im Herbst 2017 bei der WM in Montreal. „Jetzt habe ich meine Übung umgestellt“, erklärt er. Ohne das Top-Element kommt er auf einen Ausgangswert von 6,3 statt 6,6 Punkten wie vorher. „Aber das reicht, um überall auf der Welt ein Finale zu erreichen“, meint der Sportsoldat, der während seiner Verletzungspause sein Bachelor-Studium der Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen hat. Demnächst soll das Masterstudium mit Spezialisierung auf Steuerrecht folgen.

Dass er von Cheftrainer Hirsch nun für den DTB-Pokal nominiert wurde, freut Bretschneider sehr, zumal er vor zwei Jahren in der Porsche-Arena seinen „bisher größten Erfolg im Mehrkampf“ feiern konnte. „Das hat einen besonderen Charme: Damals habe ich gehofft, nicht Letzter zu werden, und dann überraschend gewonnen. Diesmal wird es angesichts der Konkurrenz aber viel schwerer.“ Als Favoriten gelten der russische Vizeweltmeister David Beljawski und Team-Olympiasieger Yusuke Tanaka aus Japan. Doch Bretschneider lässt sich von großen Namen nicht beeindrucken. „Mein Leben ändert sich nicht, wenn ich in Stuttgart gewinne. Aber auch nicht, wenn ich verliere“, meinte er. (dpa)