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Seit dreißig Jahren für Kamenz tätig

Der Kamenzer OB Roland Dantz schaut auf 30 Jahre Rathaustätigkeit zurück. Es sollen noch mehr werden. Denn er tritt wieder an.

© Archivfoto: Christin Richter

Von Dietrich Schniebel

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Wir sind Meister. Wir können das. 

33 Frauen und 242 Männer sind unter den frisch gebackenen Meisterabsolventen der Handwerkskammer Dresden und damit Aushängeschild der „Wirtschaftsmacht von nebenan“.

Kamenz. Zum 14. Mal hatte OB Roland Dantz jetzt zum Neujahrsempfang ins Rathaus geladen. Am absehbaren Ende seiner zweiten Wahlperiode ging es wie immer um Rück- und Ausblicke. Dabei wurde der bald 60-Jährige zwar etwas persönlicher als sonst, aber erst in einer Stadtratssitzung nach dem Neujahrsempfang ließ Roland Dantz die Katze aus dem Sack: Ja, er werde am 23. September noch einmal seinen Hut in den OB-Wahl-Ring werfen. Im SZ-Gespräch zum Jahresstart ging es auch darum:

Herr Dantz, was war aus Ihrer Sicht das Highlight des vergangenen Jahres?

Zweifelsfrei war es die Grundsteinlegung für das Werk II der Deutschen Accumotive am 23. Mai durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG Dieter Zetsche. Was Dr. Zetsche vor den 700 geladenen Gästen aus Deutschland und Europa über uns, die Bürgerinnen und Bürger einer kleinen Stadt im Osten Deutschlands, gesagt hat, war ein großes Kompliment. Er sprach von zwei Elite-Partnern, die sich gefunden haben: die Daimler AG und die Stadt Kamenz.

Ist das nicht viel mehr als die übliche Höflichkeitsrhetorik?

Die hat ein weltweit agierender Konzern wohl kaum nötig. Mein Eindruck war, dass die Daimlerspitze sehr zu schätzen weiß, wie sich die Stadt – und das schließt die kreislichen Behörden im Sinne der Wirtschaftsförderung unbedingt mit ein – für eine 500-Millionen-Euro-Investition unmittelbar ins Zeug gelegt hat. Und das berührt viele Detailfragen, von denen die Erschließung des Grundstückes nur eine ist, wenn auch eine besonders wichtige. In Zusammenarbeit mit der Ewag Kamenz wurden Leistungen in Höhe von 2,5 Millionen Euro erbracht, die im Übrigen von der Daimler AG zu 100 Prozent bezahlt wurden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ewag und ihrer Partnerfirmen haben wirklich Großes vollbracht.

Manchmal scheint es, das andere Wirtschaftsaktivitäten in der Stadt ein bisschen im Daimler-Schatten stehen ...

Der Eindruck täuscht. Das vergangene Jahr war insgesamt ein gutes, was sich auch in der gesunkenen Arbeitslosenquote niederschlägt. Die Firma „Optima Maschinenteile-Fertigungstechnik GmbH“ feierte ihr 20-jähriges Jubiläum und Michael Fischer von Fischer-Euronics schaute bereits auf 25 Jahre zurück. Und es ist ein gutes Zeichen, dass im LED-Leuchten-Unternehmen „corporate friends“ von Jan Eickhoff an der Pulsnitzer Straße neue Standortüberlegungen am Reifen sind. Dass sich das Unternehmen Liofit, das Lithium-Ionen-Akkus für Fahrräder aufbereitet, an der Nordstraße erfolgreich am Markt platziert hat. Und dass demnächst das Fitnesscenter Injoy am Stadion der Jugend investieren wird. Weitere Beispiele wären mühelos zu finden.

Kann sich das Rathaus solche positiven News stets auf die eigenen Fahnen schreiben?

Ein Haus schon gar nicht. Albertus Magnus, ein im Mittelalter lebender deutscher Theologe und Bischof, hat einmal sinngemäß gesagt: „Nicht die Mauern, sondern die Menschen machen eine Stadt.“ Ich bin froh, in der Verwaltung viele fleißige Mitstreiter zu haben, und das schließt ja die städtischen Gesellschaften mit ein. Und die ehrenamtlichen Stadt- und Ortschaftsräte. Oder die Kameraden der Feuerwehren, die im vergangenen Jahr 177 Mal im Einsatz für die Menschen in unserer Stadt waren – mit insgesamt 3 400 Einsatzstunden. Alle Mitmacher haben Anteile am Erfolg.

Noch kein Erfolg, obwohl für Ende 2017 avisiert, war die Leitbilddebatte „Kamenz 2030“. Woran lag es?

Wir hatten einen guten Start und sind dann bis zum Sommer weit gekommen. Hilke Domsch vom Geokompetenzzentrum Freiberg hat uns anfangs dabei sehr geholfen. Es war uns aber leider nicht möglich, das dann aufgekommene Misstrauen und die damit verbundenen Missverständnisse aufzuklären. Persönlich war ich überzeugt, dass uns das hätte gelingen können. Jetzt haben wir neu angesetzt – mit Hilfe der DSK und der gebildeten Arbeitsgruppen. Diese arbeiten, unterstützt von der Stadtverwaltung, am Leitbild weiter und werden Ende des Jahres sicher zu richtungsweisenden Ergebnissen kommen.

Zuletzt gab es teils harsche Kritik am Klima in der Stadt – auch aus der Linkenfraktion im Stadtrat ...

In einem SZ-Leserbrief hatte ein Schreiber sogar von einem „Scherbenhaufen“ im Kamenzer Stadtrat gesprochen. Das ist Polemik, die von den Fakten nicht gedeckt ist. In den letzten sieben Jahren wurden fast zwei Drittel aller Entscheidungen des Stadtrates einstimmig gefasst. Und 96 Prozent mit großer Mehrheit. Und es gab überhaupt nur drei Vorlagen, die der Stadtrat abgelehnt hatte.

Darunter allerdings eine wichtige Personalie. War Ihr Veto im Dezernentennachfolgeentscheid wirklich nötig?

Eine Minderheit im Stadtrat und ich selbst waren der Ansicht, dass wir die Nachfolge von Elvira Schirack anders entscheiden sollten. Wir haben neu ausgeschrieben, und ich denke, wir werden 2018 eine gute Lösung finden.

Was wird das Jahr noch bringen?

Es geht zum Beispiel um Weichenstellungen an wichtigen Objekten in der Stadt. Wir sind zuversichtlich, dass der Kreis erkennt, dass die Schwimmhalle für die Region genauso erhalten bleibt wie andere Infrastruktureinrichtungen. Und wir haben einen möglichen Investor für das historische Barmherzigkeitsstift. Und die Sanierung der 2. Oberschule in der Saarstraße beginnt im Sommer, was in den Umbau des gymnasialen Bildungsstandortes münden wird. Weitere Vorhaben sind der Straßenbau, die Sportplätze zweier Grundschulen oder der Kita-Bau in Wiesa. Und wir werden im Juni 100 Jahre Flugplatz feiern.

Im September sind OB-Wahlen, Sie treten wieder an. Ist das gut überlegt?

Ich bin jetzt 30 Jahre im Dienst der Stadt, beinahe mein halbes Leben. Als ich 1988 herkam, war ich begeistert von dieser schönen Stadt. Als ich aber das einsturzgefährdete Friedhofsportal sah, dachte ich bei allen Problemen der damaligen Zeit, dass dennoch etwas zu machen sei. Ich hatte als Maurer gearbeitet, darunter einige Jahre in der Denkmalpflege. Das war der Ansatz, mit Achim May, Eberhard Käbisch und anderen, die nicht nur redeten, sondern mit anpackten, innerhalb eines Jahres nach Feierabend das neue Portal neu aufzubauen. Das ist Kamenz für mich. Als junger Mensch traf ich sofort Leute hier, die etwas bewegen wollten. Ich trete gern wieder an, weil ich auch heute auf viele zählen kann, die genauso ticken. Außerdem ist es mir immer noch eine Freude, andere zu unterstützen, wenn die Hilfe auch eines Stadtoberhauptes nötig ist. Außerdem sind viele Projekte angearbeitet, und Kamenz ist eine spannende Stadt, in der viel Neues passiert. Da mit zu tun, macht einfach Spaß.

Gespräch: Frank Oehl