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Nicht mehr zu retten

Einer der letzten Schandflecke Radebeuls ist ein altes Bauernhaus an der Kaditzer Straße. Jetzt soll dort Neues entstehen – nach altem Vorbild.

© Norbert Millauer

Von Nina Schirmer

Radebeul. Die Brombeeren ranken an der Fassade, wachsen schon ins Haus hinein. Glasscheiben gibt es längst nicht mehr in allen Fensteröffnungen. Die Ziegel fallen vom Dach, der dreckig-gelbe Putz bröckelt, es regnet rein. Wie ein Geisterhaus steht die alte Bauernkate in der Kaditzer Straße 12. Am Haus in der Einbahnstraße kommen gerade besonders viele Leute mit dem Auto vorbei, weil dort die Umleitung für die Kötzschenbrodaer Straße entlang führt.

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Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Bauernhaus in der Kaditzer Straße gebaut. Inzwischen sind nur noch marode Grundmauern übrig. Der neue Besitzer möchte an gleicher Stelle ein neues Haus bauen lassen.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Bauernhaus in der Kaditzer Straße gebaut. Inzwischen sind nur noch marode Grundmauern übrig. Der neue Besitzer möchte an gleicher Stelle ein neues Haus bauen lassen. © Norbert Millauer

Tobias Hölzer schiebt den Bauzaun einen Spaltbreit zur Seite, um auf das Gelände zu treten. Das Gestrüpp reicht ihm bis über den Knöchel. Ende letzten Jahres hat seine Immobilien GmbH WF Klemm das Bauernhaus in Alt-Radebeul samt Grundstück gekauft. Das Gebäude hatte da schon etliche Jahre leer gestanden und war in katastrophalem Zustand. „Es war total vermüllt“, sagt Hölzer. Der Mann, der zuletzt darin gewohnt hat, ließ das Haus verkommen. Ein Messie sei er gewesen, sagt der neue Besitzer. Im Keller habe er noch stapelweise Eingemachtes gefunden. Mehrere Jahrzehnte alt. Bis unters Dach lag der Unrat. „Das war kein Wohnen hier, das war ein Hausen“, sagt Hölzer. Die Entsorgung des Mülls kostete ihn mehr als der Erwerb des Hauses. Nur eines gab es im Gebäude offenbar nicht: „Wir haben nirgendwo eine Toilette gefunden.“

Hölzer hatte sich das Ziel gesetzt, das Haus und die angrenzende Scheune zu sanieren. Denn das Ensemble ist denkmalgeschützt und gehört zu den ältesten Gebäuden in Radebeul-Ost. In der Liste der Radebeuler Kulturdenkmale ist das Gelände als Häuslerei eingetragen – ein kleines bäuerliches Grundstück mit einem Garten und einem Stall, der zum Haus gehörte. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde es erbaut.

Doch aus den Sanierungsplänen wird nichts. Ein Holzgutachten habe gezeigt, dass das Haus nicht mehr zu retten ist, sagt Hölzer. Drinnen wird sichtbar, was er meint. Die Decken sind zum Teil durchgebrochen, die Balken hängen morsch und gefährlich dünn über dem Kopf. „Das hält hier nur noch aus Gewohnheit zusammen“, scherzt der Besitzer.

Deshalb soll das Haus jetzt verschwinden. „Freilich ist es schade, wenn ein Denkmal verloren geht“, sagt Hölzer. „Aber man müsste hier so viel abreisen, dass nicht mehr viel übrig bliebe.“ Anstelle der alten Bude soll ein neues Haus nach historischem Vorbild entstehen.

Von außen würde der Neubau wie ein altes Bauernhaus aussehen und damit wieder zu den anderen Häusern in der Straße passen. Drinnen aber wäre vieles anders. Angefangen bei den Grundrissen der Zimmer, die größer werden sollen als die jetzigen. Und auch höher. Denn im alten Bauernhaus hängen die Decken keine zwei Meter hoch. Auf einem Grundrissentwurf zeigt Hölzer, wie er sich die Aufteilung des neuen Hauses vorstellt. Im Erdgeschoss soll es ein Arbeits- und ein Gästezimmer geben. Im hinteren Bereich weg von der Straße, wo heute die Scheune steht, sind Küche, Essbereich und ein Wohnzimmer geplant. Daran angrenzend könnte es einen gläsernen Wintergarten und eine Terrasse zum Garten geben. In der ersten Etage wäre Platz für drei Schlafzimmer und zwei Bäder. Zwischen 210 und 230 Quadratmeter Wohnfläche sind geplant.

Und ein paar Dinge sind vielleicht auch aus dem alten Haus zu retten und können ins neue wieder eingebaut werden. Zum Beispiel eine alte Steinwand. Hoffnung hat Hölzer auch noch für den Gewölbekeller. Ein Gutachten soll klären, ob er erhalten bleiben kann. Im Bauantrag zumindest ist der Keller erst einmal mit eingetragen.

Die WF Klemm GmbH will das Gelände samt Planung für den Neubau verkaufen. „Ein Schnäppchen wird das nicht“, gibt Hölzer ehrlich zu. Er glaubt aber, dass das Objekt gerade für Familien interessant ist, wegen des großen Gartens und der Nähe zum Zentrum in Radebeul-Ost.

Ende Oktober will Hölzer den Bauantrag einreichen. Noch braucht er die endgültige Genehmigung, das denkmalgeschützte, aber verfallene Haus abreißen zu können. Mit der Stadt sei er in guten Gesprächen, sagt er. Läuft alles glatt, könnte im Januar die Baugenehmigung da sein.