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Nicht ohne meinen Skizzenblock

Auf ihren Wanderungen entdeckt Monika Herold immer wieder schöne Motive. Jetzt liegt ihr neuer Kalender vor.

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© Norbert Millauer

Von Mareike Huisinga

Pirna. Zwei große Leidenschaften hat Monika Herold vom Sonnenstein. Wandern und skizzieren. Das Wort zeichnen vermeidet die pensionierte Deutsch-Lehrerin lieber. „Das ist mir zu hochtrabend, es handelt sich eher um Denkzettel meiner Touren“, erklärt die 69-Jährige, die glatt als 60-Jährige durchgeht. Denn mit ihren Wanderungen hält sie sich fit. Ihr ehrgeiziges Ziel: 100 Kilometer in der Woche. „Das schaffe ich natürlich nicht immer“, sagt sie mit einem Lächeln.

Was sie aber immer schafft, ist, dass sie ihren Skizzenblock und ihren Fineliner mitnimmt, um besonders schöne Blicke, Eindrücke und Orte auf dem Papier festzuhalten. Daraus sind für das Jahr 2017 wieder Kalender entstanden, die unter anderem die Schönheiten von Pirna, versteckte Motive in Dresden sowie besondere Orte in der Sächsischen Schweiz zeigen.

Herold betont, dass ihr Skizzenkalender keine Kunst für die Ewigkeit sei, sondern zum Gebrauch bestimmt ist. „Am Ende des Jahres ist er ,verbraucht’, dann freuen wir uns auf Neues“, erklärt sie munter.

Möglichst zweimal in der Woche schnürt sie ihre Wanderschuhe, entdeckt sie ein Motiv, das sie besonders anspricht, legt sie eine kleine Pause ein. In schnellen Strichen ist die Szene festgehalten. Abends zu Hause ergänzt sie die Zeichnung mit Struktur und Grautönen. So entstanden im vergangenen Jahr über 1 500 Skizzen, die in einer dicken Mappe gesammelt werden. Die schönsten Motive hat sie für die Kalender 2017 herausgesucht.

Zeichnen, Bücher und Musik

Hilfe bekommt sie von ihrem Sohn Joachim, der die Computerbearbeitung, den Druck und Vertrieb übernimmt. Er war es auch, der vor fünf Jahren seiner Mutter sagte: „Mach etwas aus deinen Aufzeichnungen.“ Dazu stellt Monika Herold trocken fest: „Die nächste Generation ist eben doch geschäftstüchtiger“.

So kam 2012 der erste Kalender heraus, der schnell vergriffen war. Für 2017 beträgt die Auflage 275 Stück, die in der Touristinformation Pirna am Markt für jeweils 12,90 Euro erhältlich sind.

Jedoch geht es der Pirnaerin nicht ums Geld. Mindestens die Hälfte ihrer Kalender verschenkt Herold an Freunde. Oftmals wird sie auf der Straße angesprochen und gefragt, wo sie ein Motiv ganz genau entdeckt hat. Nicht selten ergeben sich daraus interessante Gespräche.

Dabei hat sie noch andere Interessen als Zeichnen und Wandern. Ohne Bücher könnte Monika Herold nicht leben. Sie liest querbeet: Biografien, moderne Sachliteratur, Belletristik, Dokumentation, die Klassiker von Thomas Mann und Erich Kästner, um nur einige Beispiele zu nennen.

Außerdem spielt Musik eine große Rolle in ihrem Leben. Herold leitet den Chor der Kirchgemeinde Sonnenstein und trompetet im Posaunenchor mit. „Musik ist für mich Dynamik, der Moment“, beschreibt sie ihre Passion.

Schrank voller Schülerarbeiten

Trotz ihres Engagements bleibt noch genug Zeit für ihre Familie. Ein Besuch bei der Oma ist für die vier Enkel das Höchste. Darüber freuen sich natürlich auch die drei Kinder von Monika Herold. „Meine Familie ist wichtig für mich“, sagt die Pirnaerin schlicht. Und auch Ehemann Siegfried nimmt es gelassen, wenn seine Gattin auf einer der vielen Wanderungen ihren Stift zückt. „Dann warte ich eben fünf Minuten, bevor wir weiter gehen können“, meint er gut gelaunt.

Eine erbliche „Vorbelastung“ hat Monika Herold übrigens nicht. „Meine Eltern konnten keinen Stift halten“, sagt sie mit einem schalkhaften Augenzwinkern. Aufgewachsen ist sie in Dresden, wo sie schon als Kind Interesse für Kunst hatte und ihre ersten Zeichnungen machte. Nach dem Abitur studierte sie Deutsch, Kunst und Pädagogik. 1972 zog sie mit ihrer Familie nach Pirna. Zuletzt unterrichtete sie an der Schule zur Lernförderung auf dem Sonnenstein. Noch heute bewahrt sie in dem großen Schrank in ihrem Wohnzimmer eine Mappe mit den Werken ihrer Schüler auf. „Jede Zeichnung ist ein Kunstwerk, wenn es mit Liebe gemacht wird“, stellt sie fest.