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Nichts mehr los am Neumarkt

Eine komplette Ladenzeile steht leer. Der Vermieter sucht nach Lösungen – aber nicht um jeden Preis.

© Rafael Sampedro

Von Marcus Scholz

Löbau. Die Liste der Gewerbetreibenden, die sich schon in der Häuserzeile am Löbauer Neumarkt versucht haben, ist lang. Sie reicht vom Obst- und Gemüsehändler, bis hin zum Elektronikhändler, Bäcker oder zur Schmuckverkäuferin. Alle haben nicht lange durchgehalten und ihre Geschäfte nach kurzer Zeit wieder geschlossen. Als jüngstes Beispiel dient der türkische Spezialitätenshop „Istanbul Bazar“. Erst im Januar 2016 hatte der Laden eröffnet – bereits im Herbst vergangenen Jahres aber wieder dichtgemacht. Vermieter Uwe W. Schütze findet das schade. „Die Idee war gut. Der Laden wurde aber zum falschen Zeitpunkt eröffnet“, sagt er.

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Dem Versicherungsmakler aus dem niedersächsischen Bad Gandersheim, gehört das betreffende Gebäude direkt hinter der Bushaltestelle am Neumarkt, in dessen Erdgeschoss nun wieder Händlerflaute herrscht. Schütze ist es mittlerweile gewohnt, dass Mieter kommen und schnell wieder gehen. Dabei setzt der Niedersachse jedes Mal aufs Neue viel Hoffnung in die Geschäftsmodelle seiner Klienten. Dabei ist es bis dato geblieben. Den Kopf will Schütze dennoch nicht in den Sand stecken. Er ist weiterhin auf der Suche nach passenden Geschäftsideen für seine leeren Läden. Zeitdruck hat er nicht. „Ich würde Löbau gern mit neuen Geschäften unterstützen. Aber nur wenn es auch passt“, sagt der Vermieter. Auf schnelles Geld mittels Mieteinnahmen sei er nicht angewiesen. Für ihn kämen nur seriöse und langfristige Geschäfte infrage. Bislang eingegangene Bewerbungen seien strikt abgeblockt worden. Darunter Anfragen verschiedener Spielhallen, aber auch von jeweils einer links- und einer rechtsgerichteten Partei. „Das ist aber nicht mein Stil. Nur wegen des Geldes will ich nicht deren Politik unterstützen“, sagt der Bad Gandersheimer.

Alle drei bis vier Wochen weilt Uwe Schütze in Löbau, um in der Niederlassung seiner Versicherungsfirma am Neumarkt vorbeizuschauen. Beim Blick auf seine Mietsräume beschleicht ihm dann automatisch die Frage, was die Zukunft wohl mit sich bringen wird? Denn: Vielleicht noch in diesem, spätestens aber im nächsten Jahr wird der zweite Löbauer Kreisverkehr gebaut. Und zwar am Neumarkt, unweit von Schützes Mietshaus. „Weder ich noch Menschen, mit denen ich spreche, wissen, was das für Folgen haben wird“, sagt er. Verbindliche Informationen, wie der Bau des zweiten Löbauer Kreisels vonstatten gehen soll, habe der Niedersachse nicht. Fragen, ob dann noch die Bushaltestelle bestehen bleibt, oder wie während des Kreiselbaus die Parkplatzsituation am Neumarkt sein werde, beschäftigen den Geschäftsmann. Aber nicht nur ihn: „Die Infrastruktur einer Stadt ist doch etwas, wofür sich die Menschen allgemein interessieren“, sagt Uwe Schütze.

Darüber machen sich sicherlich auch Interessenten für seine Läden Gedanken. „Die unklare Situation verunsichert mögliche Interessenten“, so der Vermieter. Ob der Kreiselbau am Neumarkt dann tatsächlich ein Fluch für Händler oder doch eher ein Segen sein wird, will Schütze nicht beurteilen, bevor es überhaupt mit dem Bauprojekt losgegangen ist. „Die Zeit wird es zeigen“, sagt der Bad Gandersheimer.

Ein wenig Angst hat Schütze dennoch vor der Baustelle vor seiner Haustür. „Ich hoffe, dass dann der Neumarkt nicht vollständig zugemauert wird“, sagt der Hausbesitzer. Denn eins ist Fakt: An seinem Ziel, dauerhaft Läden in seinem Haus zu etablieren, will Uwe Schütze festhalten. Vor allem deswegen, um Löbaus Handel auszubauen und Gewerbetreibenden abseits der großen Märkte eine faire Chance zu geben.