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Nie mehr nichts zum Anziehen finden

Was tun, wenn sich mal wieder das bekannte Kleiderschrank-Dilemma einstellt?

Mehr Übersicht für mehr Style – mit einem minimalistischen Kleiderschrank.
Mehr Übersicht für mehr Style – mit einem minimalistischen Kleiderschrank. © Foto: Unsplash/Shanna Camilleri

Und sich nichts mehr finden lässt, das für den Anlass, die Jahreszeit oder die aktuelle Laune passt? Ein probates Mittel, um solche Situationen für immer zu vermeiden: Es einfach angehen lassen. Mit einer vergleichsweise übersichtlichen Anzahl zeitloser Fashion-Klassiker lässt sich mehr als nur ein Grundstock für verschiedene Styles schaffen.

Mehr Möglichkeiten – dank Minimalismus

Der Kleiderschrank – oder genauer: dessen Inhalt – kann auf unterschiedliche Weise problematisch werden. Am häufigsten dürfte in dieser Hinsicht der titelgebende Mangel an tragbaren Klamotten genannt werden. Auch wenn das in den seltensten Fällen der Wahrheit entspricht. Im Gegenteil wird in den meisten Kleiderschränken ein gewisses Überangebot herrschen, das den Blick auf das Wesentliche verstellt.

Das Wesentliche sind genau die Kleidungsstücke, die vorzugsweise getragen werden. Lieblingsstücke also, ohne die es modetechnisch und wohlfühlmäßig überhaupt nicht geht. Stellt sich die Frage: Warum nicht auf diese Teile konzentrieren und den Kleiderbestand sinnvoll darum aufbauen? 

Konzentration auf das modisch Wesentliche

Wieviel Mode braucht es tatsächlich, um mit seinem Look immer glücklich zu sein?
Wieviel Mode braucht es tatsächlich, um mit seinem Look immer glücklich zu sein? © Foto: Unsplash/Priscilla Du Preez

Tatsächlich sind minimalistische Kleiderschränke und das Capsule Wardrobe-Prinzip inzwischen recht verbreitet. Die Idee hatte aber auch eine ausreichend lange Vorlaufzeit, sie geht immerhin zurück auf Susie Faux – die schon in den 1970er Jahren versuchte, ein Gegenwicht zu Modeproblemen zu entwickeln, die auch heute noch aktuell sind: Zu viele Klamotten, die zu schlecht sitzen und insgesamt zu viel Geld kosten.

Dem setzt Capsule Wardrobe einen reduzierten Kleiderbestand entgegen: Wenige, dafür hochwertige, perfekt sitzende und vielseitig kombinierbare Kleidungsstücke. Zu diesen Key-Pieces gehörten nach Susie Faux zwei Hosen, ein Kleid oder Rock, eine Jacke, ein Mantel, zwei Paar Schuhe und zwei Taschen. Dazu noch einige wenige saisonale Stücke und der minimalistische Kleiderschrank ist vollständig.

Die Grundregeln für einen minimalistischen Kleiderschrank

In der Praxis sind Capsule Wardrobes selten so nah an den Vorgaben der Ideengeberin, ganz zu schweigen von der „7 Easy Pieces“-Kollektion von Donna Karan, die im Übrigen auch schon 1985 herausgebracht wurde. Individueller Spielraum ist dabei durchaus statthaft, solange die Quantität der gekauften Klamotten nicht wieder überhandnimmt.

Wichtig für die Zusammenstellung einer Garderobe, die nur eine überschaubare Anzahl an Einzelteilen erhält:

• Das Farbschema: Am einfachsten sind ein oder zwei Grundfarben, die sich leicht mit anderen Farbtönen kombinieren lassen. Üblicherweise zählen Schwarz, Weiß, Braun, Grau oder Navy-Blau zu diesen Farben – möglich sind selbstverständlich auch Abstufungen.

Dazu kommen eine oder zwei Akzentfarben, die in der Hauptsache bei Tops, Kleidern oder Accessoires zum Einsatz kommen. Der Vorteil eines abgestimmten Farbschemas: Alle Kleidungsstücke ergänzen einander und sind deshalb – im positivsten Sinne – austauschbar.

• Die Körperform: Je besser die Kleidungsstücke passen und je mehr sie der individuellen Körperform schmeicheln, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass diese auch regelmäßig getragen werden. Abgesehen davon macht das Tragen dann auch viel mehr Spaß. Grund genug, den eigenen Stil zu suchen – und zu finden.

• Die Schnitte: Empfehlenswert sind klassische Schnitte, die selbst bei wechselhaften Trends immer angesagt sind – womit die eigene Garderobe ebenso angesagt bleibt, über viele Jahre hinweg.

• Die Qualität: Ziel eines minimalistischen Kleiderschranks ist es nicht nur, eine möglichst große Bandbreite an verschiedenen Styles mit wenigen Kleidungsstücken zu schaffen, sondern die auch möglichst lange tragen zu können. Schon aus diesem Grund ist hohe Qualität ein wichtiger Faktor. Zumal die Teile einer Capsule Wardrobe häufiger getragen werden als das bei einem übervollen Kleiderschrank der Fall wäre.

Mehr Abwechslung mit Basic-Teilen

Nachdem also die Grundvoraussetzungen für einen hochwertigen und variablen Kleiderschrank geklärt sind, bleibt die Frage, mit welchen Kleidungsstücken dieser praktisch erreicht werden kann. Die simple Lösung: Basics. Die sind ebenso klassisch wie unaufgeregt und ergeben in den richtigen Kombinationen dennoch aufregende und zeitlose Outfits. Folgende Basic-Teile sollten deshalb unbedingt in jedem Kleiderschrank vorhanden sein.

Das weiße Shirt

Das vermutlich einfachste Kleidungsstück im gesamten Bestand und gleichzeitig das vielseitigste. Weil es im Grunde zu jedem anderen Key-Piece getragen werden kann, von der klassischen Kombination mit einer Jeans bis zum Begleiter für den Blazer oder zum Rock. Minimalistisch im äußeren Erscheinungsbild, maximale Wandlungsfähigkeit zusammen mit dem Rest des Kleiderschranks – weiße Shirts sind in der Tat Alleskönner.

Eine interessante Ergänzung zum Purismus des weißen Shirts sind übrigens Ringelshirts. Nicht nur zu maritimen Outfits.

Die (Hemd-)Bluse

Egal, ob im eher herbstlichen Layering Look, zum professionell-souveränen Business-Outfit oder sommerlich-lässig zu Shorts: Mit einer klassischen Bluse sind viele Styles möglich. Unterschiedliche Schnitte erlauben dabei, dieses Basic-Teil an den individuellen Stil anzupassen. Hauptsache, sie ist immer ordentlich gebügelt.

Die Jeans

Sie stehen für unverwüstliche Materialqualität und große Vielfalt, sie funktionieren für diverse Looks von entspanntem Casual bis hin zu seriösem Business-Style: Mehr Gründe für eine perfekt sitzende Jeans braucht es im Prinzip nicht. Denim ist aus Kleiderschränken nicht mehr wegzudenken, deswegen sollte wenigstens ein Paar einen festen Platz in jeder Capsule Wardrobe haben. Jeans bleiben ein absolutes Must-Have.

Die Stoffhose

Kein bisschen weniger vielfältig und damit genauso für jeden Anlass denkbar sind Stoffhosen, die damit eine unbedingte Alternative zur Jeans darstellen. Allerdings lohnt es sich angesichts der deutlich unterschiedlichen Schnitte zwischen Chino und Culotte, vorher genau zu überlegen, welche Variante am besten mit der übrigen Garderobe harmoniert.

Der Pencil-Skirt

Allrounder für die Beine gibt es selbstverständlich auch in Rockform. Ein ebenso klassisches wie vielseitiges Multitalent ist dabei der Bleistiftrock oder Pencil-Skirt, der von der Taille bis zu den Knien zu vielen Gelegenheiten und Looks eine tolle Figur macht.

Der Mantel

Mit einiger Berechtigung fällt der Mantel bereits unter die saisonalen Must-Haves und präsentiert sich deshalb immer wieder in neuer Form. Da er aber absolut zeitlos ist und deswegen Jahr für Jahr Herbst- und Winterlooks mitgestaltet, sollte er grundsätzlich zu einem wohlsortierten Kleiderschrank gehören.

Dabei ist es beinahe egal, ob als Camel Coat, Trench Coat oder als Teddy Coat – ein hochwertiger Mantel verfehlt seine Wirkung nie. Je klassischer übrigens, desto besser: Zwei Taschen und ein schlichter Reverskragen reichen vollkommen aus, um jeden Mantel zu einem Hingucker zu machen.

Die Lederjacke

Längst keine Biker-Klamotte mehr, ist die Lederjacke zum Must-Have für stilbewusste Frauen geworden. Denn ganz egal, zu welchem Anlass, ganz egal, in welcher Kombination: Kein Kleidungsstück lässt ein Outfit auf derart lässige Weise cool erscheinen, wie die Lederjacke. Weißes Shirt plus Jeans plus Lederjacke? Ein absoluter Klassiker. Zum Sommerkleid hingegen eher ein klassischer Stilbruch, der trotzdem voll überzeugen kann. Von rockig bis feminin kann die Lederjacke jedenfalls in modischer Hinsicht einiges leisten. 

Im Grunde ist die Must-Have-Liste für den minimalistischen Kleiderschrank damit noch nicht abgeschlossen. Einige Teile ließen sich bedenkenlos noch ergänzen und wären ein absoluter Zugewinn.

Das berühmte „Kleine Schwarze“ etwa sollte zur Grundausstattung jeder Capsule Wardrobe gehören – nicht zuletzt, weil es sich dabei um einen der Fashion-Klassiker überhaupt handelt. Ein Blazer ist wegen seiner Wandelbarkeit mindestens eine Überlegung wert. Denn selbst in einer schlichten Version mit dezenten Farben passt diese Jacke zu unglaublich vielen Styles und kann ebenso elegant wie lässig kombiniert werden.

Eine coole Lederjacke passt auch zu leichten Frühlings-Looks.
Eine coole Lederjacke passt auch zu leichten Frühlings-Looks. © Foto: Unsplash/Tamara Bellis

Ein Fall für sich: Schuhe in der Capsule Wardrobe

Für viele Capsule Wardrobes sind die Vorgaben von Susie Faux in puncto Schuhe nicht einzuhalten. Zwei Paar Schuhe erscheinen dann doch vergleichsweise wenig, deswegen liegt die Zahl meistens höher: Nicht unüblich sind zum Beispiel ein Paar flache Schuhe, ein Paar hohe Stiefel, ein Paar High Heels und ein Paar Casual-Schuhe.

Damit lässt sich bereits eine große Variationsbreite erreichen, was natürlich auch mit der Modellauswahl im Einzelnen zu tun hat. Im Grunde gilt dabei dasselbe Prinzip wie bei der Kleidung: Schlicht und klassisch punktet in Sachen Kombinierbarkeit, entsprechend sollten sich die Schuhe insgesamt in das bestehende Stil-Konzept – z.B. bei den Farben – einfügen.

Eine mögliche Zusammenstellung könnte daher so aussehen:

• Für einen hohen Absatz kommen schwarze Pumps in Frage, eine andere, neutrale Farbe passt aber ebenfalls.

• Gleiches gilt für die Stiefel: Schwarz geht prinzipiell immer, ansonsten sollte die Auswahl an den oben aufgeführten Farben orientiert werden – am Ende ist das Wichtigste, dass sie mit dem persönlichen Farbschema harmonieren. Ankle Boots passen außerdem zu einer Vielzahl verschiedener Outfits, ob mit oder ohne Absatz.

• Als lässige Schuhe für den Casual-Style bieten sich Sneakers an, die im Alltag zu nahezu jedem Style kombiniert werden können. Außerdem sind die „Turnschuhe“ inzwischen salonfähig und als modisches It-Piece fast überall eine adäquate Wahl.

• Bei flachen Schuhen gibt es (mindestens) zwei Optionen: Möglich sind beispielsweise leichte Ballerinas, wer einen offenen Schuh – gerade für heiße Sommertage – bevorzugt, kann aber genauso zu Sandalen ohne Absatz greifen.

Genau wie beim Kleiderschrank gilt auch für den Schuhschrank: Die Auswahl an verschiedenen Modellen ist riesig und damit unter Umständen auch die Versuchung, den eigenen Bestand entsprechend zu erhöhen. Gegen das eine oder andere zusätzliche Paar ist dabei nichts einzuwenden. 

Besonders zum Sport braucht es natürlich geeignete Schuhe, um nur ein Beispiel zu nennen. Da es keine festen Regeln – außer den selbst auferlegten – für die Anzahl an Schuhpaaren in einem minimalistischen Schuhschrank bestehen, muss am Ende die persönliche Einschätzung der Gradmesser sein, was zu viel ist. Mit einer wohlüberlegten und geschickten Auswahl, bei der immer auch der Stil der übrigen Garderobe berücksichtigt wird, müsste es aber möglich sein, mit relativ wenigen Schuhen trotzdem immer einen modischen Auftritt hinzulegen.

Schwierige Entscheidung: Nicht nur bei Sneakers ist die Schuhauswahl groß.
Schwierige Entscheidung: Nicht nur bei Sneakers ist die Schuhauswahl groß. © Foto: Unsplash/Edgar Chaparro

Zu guter Letzt: Ein paar Kleinigkeiten

Abgerundet wird die neue, zeitlose Garderobe durch einige Accessoires für unterschiedliche Gelegenheiten. Dabei ist es theoretisch möglich, mit einer einzigen Handtasche auszukommen. Wenn Funktionalität und Look stimmen, braucht es wirklich nicht mehr. Als Ergänzung ist eine Clutch natürlich denkbar.

Außerdem gehören in die Accessoires-Abteilung: Eine Sonnenbrille, weil die eben nicht nur praktisch ist, sondern auch vielen Outfits einen lässigen Touch verleihen kann. Ein Must-Have ist daneben eine Armbanduhr. Die kann selbst bei noch so schlichter Optik eine absolute Aufwertung jedes Looks sein, wenn die Verarbeitung von hoher Qualität zeugt. Bei Gürteln ist Leder die erste Wahl, ansonsten zählt vor allem das persönliche Farbschema.

In gewisser Weise gilt das auch für den Schmuck. Klassisch sollte die Wahl auf ausgewählte Stücke – eine Halskette mit Anhänger, ein Armband und ein paar Ohrstecker/Ohrringe – in Gold oder Silber fallen. Hier ist der Hautton ein entscheidender Faktor, um zum passenden Edelmetall zu greifen.

Mehr Überblick, mehr Fantasie – mehr Style

Mit einem kleineren Kleiderschrank – bzw. Schuhschrank – geht der Überblick definitiv weniger schnell verloren. Eine gute Voraussetzung, um leichter verschiedene Kombinationsmöglichkeiten zu finden. Statt immer wieder neue Kleidungsstücke und Schuhe zu kaufen, kann eine Capsule Wardrobe die modische Fantasie beflügeln.

Werden die Prinzipien der minimalistischen Garderobe angemessen berücksichtigt – in quantitativer wie qualitativer Hinsicht – ergeben sich aus den vorhandenen Basic-Teilen dennoch unterschiedlichste Looks, die sich immer und überall sehen lassen können. 

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der externen Redakteurin Anna Britz.