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Niedrige Zinsen, gute Geschäfte

Die Bautzener Volksbank zieht zufrieden Bilanz. Sogar einen Rekord hat der Vorstand für 2014 zu verkünden.

© Uwe Soeder

Von Ulli Schönbach

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Sparen lohnt sich nicht? Die Kunden der Bautzener Volksbank sehen das ganz anders. Trotz niedriger Zinsen halten sie ihr Geld zusammen – und verhelfen der Bank damit zu einem Rekord. 2014 überstiegen die Kundeneinlagen erstmals die Grenze von einer Milliarde Euro. Noch nie zuvor hatten die Sparer so viel Geld auf der hohen Kante. Angelegt ist es zum Teil direkt bei der Bank, zum Teil aber auch in Fonds und anderen Finanzprodukten, die über die Volksbank vermittelt werden.

Niedrige Zinsen, hohe Sparsummen – das klingt nach einem Widerspruch. Doch die Erklärung liegt für Volksbank-Vorstand Tilman Römpp auf der Hand: „Zum einen setzen die Kunden sehr stark auf Sicherheit, das ist nun einmal unsere deutsche Mentalität. Zum anderen wird die Region älter.“ Konkret heißt das: Viele Menschen haben sich eingerichtet, die Ausgaben für große Anschaffungen sinken. Unterm Strich bleibt damit mehr zum Sparen übrig. Die niedrigen Zinsen nehmen diese Kunden zähneknirschend in Kauf.

Häuslerbauer profitieren

Gewinner der aktuellen Lage sind hingegen die Häuslebauer. Die Finanzierung der eigenen vier Wände ist so günstig wie nie. „Wer jetzt den Schritt zum eigenen Haus nicht wagt, der wagt ihn vermutlich nie“, sagt Volksbank-Vorstand Klaus Otmar Schneider. Kredite über 50 Millionen Euro hat die Volksbank 2014 im Privatkundenbereich neu zugesagt oder vermittelt – zehn Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Das Geld fließt vorwiegend in den Bau und Kauf von Häusern – oder in die Sanierung. Viele Hausbesitzer nutzen die Niedrigzinsen, um die Fassade zu dämmen oder die alte Heizung auszutauschen.

Auf diesen Trend setzt die Volksbank auch in den kommenden Monaten: „Wir wollen 2015 das Kreditgeschäft im Privatkundenbereich weiter ausbauen und sehen hier gute Wachstumschancen“, sagt Klaus Otmar Schneider. Nicht ganz so stark entwickelt sich hingegen das Firmenkundegeschäft: 77 Millionen Euro neue Kredite sagte die Bank 2014 an Handwerker, Freiberufler und Unternehmen zu. Ein Viertel weniger als im Jahr zuvor. Vorstand Remo Teichert – er ist neu im Führungstrio – sieht hierin ein Zeichen für eine wachsende Verunsicherung: „Viele Unternehmer fragen sich, wohin die wirtschaftliche Reise in Europa geht und stellen geplante Vorhaben erst einmal zurück.“

Niedrige Zinsen setzen Kreditinstitute unter Druck

Schwierige Zeiten sagen Fachleute auch den Regionalbanken vorher, denn die niedrigen Zinsen setzen die Kreditinstitute doppelt unter Druck. Zum einen verdienen sie deutlich weniger an ihren eigenen Kapitalanlagen, zum anderen sinken die Gewinnspannen im Kreditgeschäft.

„Wir mussten 2014 vieles neu sortieren“, bestätigt Tilman Römpp. Angesichts der Gesamtsituation sei man mit dem Verlauf des Geschäftsjahres jedoch sehr zufrieden. Das Betriebsergebnis – vor Abzug der Steuern und Risiken – betrug fast neun Millionen Euro – ein Plus von 20 Prozent gegenüber 2013. Ein wesentlicher Effekt dabei: die sinkenden Kosten. Im Rahmen eines hausinternen Sparprogramms wurden im Sommer 2013 die Filialen in Schirgiswalde, Panschwitz-Kuckau und Burkau geschlossen. Außerdem schaltete die Bank einige Geldautomaten ab und besetzt nicht mehr alle Stellen, die frei werden, neu. So sank die Zahl der Mitarbeiter von 202 auf 185. „Diese Entscheidungen sind 2014 erstmals voll zum Tragen gekommen“, sagt Tilman Römpp. Für die nächsten Jahre sieht sich die Bank daher gut aufgestellt. Aktuell sind keine Einschnitte ins Filialnetz geplant, versichern die Vorstände.

Das Geschäftsgebiet der Volksbank Bautzen erstreckt sich über weite Teile des Landkreises. In 19 Zweigstellen betreuen die Mitarbeiter insgesamt 73 000 Privatleute und Unternehmen. Mehr als 20 000 Kunden sind zugleich Mitglied der Genossenschaftsbank. Sie können wie im Vorjahr mit einer Dividende von vier Prozent auf ihre Genossenschaftsanteile rechen.

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