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Niedriger Kupferpreis gefährdet Bergbau

Das Metall ist ein Drittel billiger als vor einem Jahr. Das könnte die Förderung an der Neiße unrentabel machen.

© Nikolai Schmidt/nikolaischmidt.de

Von Rita Seyfert

Deschka/Region. Für Karin Pavel von der Bürgerinitiative gegen Rohstoffpiraterie in Deschka ist der Fall klar. „Vermutlich muss sich die KGHM erst eine neue Strategie zum weiteren Vorgehen überlegen“, sagt sie. Wie die Initiative bei ihren Recherchen herausgefunden haben will, wollte der Kupfer-Konzern mit Sitz inb Weißwasser in der Lausitz die Methode des „Bio-Fracking“ in einem Feldversuch testen. Das umstrittene F-Wort beschreibt eine Fördermethode, bei der eine chemische Lauge in den Boden gepumpt wird, um dort kupferhaltige Substanzen aus den Ton- und Gesteinsschichten zu lösen.

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Erkenntnisse über diese unterirdische Rohstoffgewinnung gibt es bislang kaum. Das „Versuchslabor“ in Deschka sollte offenbar Klarheit schaffen. Sollte der Feldversuch gelingen, könnte das Verfahren europaweit Anwendung finden. Die Folgen für die Umwelt wollte sich Karin Pavel aber lieber nicht vorstellen. Und leistete gemeinsam mit ihren Nachbarn Widerstand.

Im eigenen Land zählt der Prophet wohl wenig. Gut möglich, dass die KGHM Kupfer AG die Bürger erst wieder besänftigen und dem Fracking die Giftzähne ziehen muss. Denn ob die Vorkommen an Kupfer in Deschka gefördert werden, ist in der Schwebe. Das teilte der polnische Konzern KGHM Mitte Januar gegenüber der SZ mit. Demnach verschiebt sich die Bekanntgabe auf unbestimmte Zeit. KGHM müsse die Ergebnisse der Probebohrungen, die bis in Tiefen von 1.600 Metern reichten, demnach noch weiter auswerten.

Bereits im Dezember vergangenen Jahres verschob KGHM den Termin für die Bekanntgabe auf Mitte Januar. Informationen will der Konzern nun aber immer noch nicht rausgeben, sondern hat die Bekanntgabe erneut auf unbestimmte Zeit verschoben. Sicher spielt auch der drastisch gesunkene Kupferpreis auf dem Weltmarkt eine größere Rolle bei der Entscheidung, ob sich die Förderung lohnt.

Der Kupferpreis ist seit Monaten im Keller. Der Analyst Martin Hüfner sieht im drastischen Rückgang der Rohstoffpreise nicht einfach nur einen Ausreißer nach unten. „Es ist vielmehr die Rückkehr zur Normalität“, sagte er. Der ehemalige Chefvolkswirt der Hypovereinsbank, der jetzt bei einem großen Fondsunternehmen tätig ist, verweist hierbei auf die Entwicklung der Rohstoffpreise in den letzten hundert Jahren. Nachdem sie 90 Jahre lang relativ gleichmäßig stiegen und nach der Jahrtausendwende förmlich explodierten, kehren die Kupferpreise nun zum Normalzustand zurück. Für den Experten Hüfner ist die Botschaft aus der Grafik eindeutig: „Der Normalzustand liegt deutlich unter den hohen Notierungen der letzten Dekade.“ Wenn man den Wachstumstrend der ersten 90 Jahre hochrechne, komme man auf Preise, die halb so hoch sind wie die aktuellen am Markt. Martin Hüfner spekuliert sogar, dass es sich beim Absturz der Kupferpreise um den Beginn einer neuen Ära handeln könnte.

Auch der Chef vom Görlitzer Schrott-Recycling Hof B&B, Ronny Berger, bekommt die Auswirkungen des sinkenden Kupferpreises täglich zu spüren. Der Schrotthändler verarbeitet zwar keine Rohstoffe, sondern alten Plunder aus Metall. „Wir sind die Letzten in der Kette“, sagt er. Doch auch in seiner Branche mache es sich bemerkbar, dass der Kupferpreis an der Börse seit Anfang 2015 um ein Drittel gesunken ist. Das hänge mit dem chinesischen Markt zusammen und werde wohl auch im kommenden halben Jahr so bleiben, sagt er. Die Tagespreise entnimmt Ronny Berger einem Londoner Finanzinstitut. Je nach Kupfer-Sorte liege der Ankaufpreis bei ihm derzeit nur noch zwischen 2,80 Euro und 3,40 Euro pro Kilogramm. Die industrielle Aufbereitung sei im Preis bereits kalkuliert. So müsse Altkupfer beispielsweise erst geschreddert werden, bevor es weiterverarbeitet werden kann.

Dass sich der Kupferabbau in Deschka angesichts der niedrigen Preise nicht mehr lohnt, könne sich Ronny Berger durchaus vorstellen. Das seien zwar nur Spekulationen. Doch auch bei anderen Metallen haben sich die Märkte beruhigt. So ist auch im Erzgebirge keine Rede mehr davon, dass alte Stollen reaktiviert oder bislang ungünstig gelegene Vorkommen erschlossen werden sollen.

Nach SZ-Information will KGHM die Öffentlichkeit informieren, sobald die Entscheidung gefallen ist. Die Probebohrungen in Deschka wurden schon im Oktober beendet. Anschließend war die Bohrung wieder verfüllt worden. Davon machte sich das Sächsische Oberbergamt in Freiberg als zuständige Landesbehörde auch vor Ort ein Bild. KGHM hatte sich beim Sächsischen Oberbergamt in Freiberg die Erkundungsrechte für den östlichen Teil der Lausitzer Kupferlagerstätte gesichert. Die westliche Lagerstätte bei Spremberg und Schleife erkundet die KSL Kupferschiefer GmbH, ein Tochterunternehmen des in Panama registrierten Bergbaukonzerns Minera.