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Niedrigwasser

Die Trockenheit wirkt sich jetzt im Landkreis Bautzen auch auf Flüsse und Bäche aus. Haushalten mit jedem Tropfen Wasser ist angesagt.

© Uwe Soeder

Von Jana Ulbrich

Bautzen. Die Spree fließt träge. Kein Wunder bei so wenig Wasser. Nur 0,8 Kubikmeter Durchflussmenge pro Sekunde verzeichnen die Messgeräte hier am Pegel 1 in Bautzen. „Das ist schon sehr selten“, sagt Sebastian Fritze. „Normalerweise fließt hier mehr als dreimal so viel Wasser durch.“ Weiter flussaufwärts, am Pegel Schirgiswalde, ist die Durchflussmenge sogar schon so gering, dass das Wasser für eine exakte Messung gar nicht mehr ausreicht, erzählt der Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung in Bautzen.

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Die Hälfte aller Flüsse und Bäche im Kreis führt nach der extrem langen Trockenheit inzwischen Niedrigwasser. Auch die paar Regenschauer in den vergangenen Tagen haben an der Situation nichts geändert. In den Nebenflüssen der Spree beträgt die Wassermenge nur noch 25 bis 40 Prozent, in denen der Schwarzen Elster nur 30 bis 60 Prozent der Normalmenge. Besonders niedrig sind die Wasserstände der Wesenitz, des Klosterwassers, der Schwarzen Elster, der Pulsnitz und der großen Röder. Es ist die dritte extreme Trockenheit in den letzten 20 Jahren, sagt Sebastian Fritze. Schon 2003 und 2015 gab es in der Oberlausitz so eine Situation.

Landrastamt appelliert an die Vernunft

In den Gewässern unterhalb des Bautzener Stausees kann die Landestalsperrenverwaltung die Wassermengen noch ganz gut regulieren. „Noch“, betont Fritze mit Blick auf das träge Dahinfließen der Spree. Die Talsperre kann insgesamt noch 17 Millionen Kubikmeter Wasser abgeben. Das hört sich zwar viel an, ist es aber nicht. „Wenn die Trockenheit weiter anhält, ist Ende August, Anfang September Schluss“, erklärt der Betriebsleiter. Die Leidtragenden sind dann vor allem die Teichwirtschaften und die Gewerbetreibenden, die auf das Spreewasser angewiesen sind. Sebastian Fritze sagt ihnen schon jetzt, dass sie haushalten müssen mit jedem kostbaren Tropfen.

Es gibt viele, die auf eine Wasserentnahme aus den Flüssen und Bächen angewiesen sind und dafür auch eine Genehmigung haben. Es gibt aber auch viele private Anlieger, die sich illegal bedienen, weiß der Betriebsleiter. „Man glaubt gar nicht, was die kleinen Pumpen in Summe für Wassermengen ziehen“, sagt er.

Im Nachbarkreis Görlitz, wo das Niedrigwasserproblem noch größer ist, hat der Landkreis inzwischen alle privaten Wasserentnahmen verboten. Im Kreis Bautzen wird bisher nur an die Vernunft der Anlieger appelliert: „Verwenden Sie Wasser bitte sehr sparsam und helfen Sie so mit, negative Auswirkungen auf das Ökosystem zu vermeiden. Entnehmen Sie so wenig Oberflächen- und Grundwasser wie möglich und verzichten Sie bei Niedrigwasser ganz darauf“, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Landratsamt. Ohnehin bedarf jegliche Wasserentnahme mit Pumpen, Stauvorrichtungen, Ableitungen oder Ähnlichem einer Erlaubnis des Landratsamtes. Die Mitarbeiter des Umweltamtes würden das jetzt auch verstärkt kontrollieren.

In den Flüssen wächst das Gras

Für die Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung bringt das Niedrigwasser noch ein ganz anderes Problem: Wo kein Wasser mehr fließt, sprießen die Pflanzen. „Hier an der Spree geht das ja noch“, sagt Sebastian Fritze, „weil der Fluss ein breites Profil hat.“ Aber man müsse sich nur mal die Schwarze Elster oder das Schwarzwasser ansehen. „Da steht das Gras drin.“ Auch viele kleine Bäche sind inzwischen regelrecht zugewuchert. Wenn sich jetzt – wie ja schon mehrmals gehabt – ein plötzlicher Starkregen ergießt, kann das schnell zu einer Hochwassergefahr werden.

Schon jetzt beginnen die Mitarbeiter der Talsperrenverwaltung deshalb damit, die am schlimmsten zugewachsenen Flussabschnitte zu entkrauten. Dafür braucht es Sondergenehmigungen der Unteren Naturschutzbehörde, weil die Flüsse allen voran Lebensraum für Tiere und seltene Pflanzen sind. Normalerweise beginnen diese Arbeiten frühestens im September.

Und noch etwas macht Sebastian Fritze Sorgen, wenn er sich hier die Spree betrachtet, die gerade noch einen halben Meter tief ist und so träge dahinfließt: Wenn das so bleibt, dann gefrieren die Gewässer im Winter beim ersten Frost. „Und dann kann es passieren, wir kriegen Eishochwasser.“ So weit entfernt ist der Chef der Bautzener Landestalsperrenverwaltung mit dieser Prognose nicht. Da keine nennenswerten Niederschlagsmengen vorhergesagt werden, ist mit keiner Entspannung der Niedrigwassersituation zu rechnen, heißt es aus dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.