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Niesky hat ein Grabenproblem

Der Reifenservice am Bahnhof steht bei Regen unter Wasser. Ein neuer Durchlass soll helfen. Aber das ist nur die halbe Miete.

© André Schulze

Von Thomas Staudt

Niesky. Regen ist angesichts der momentanen Kälte nicht so recht vorstellbar. Doch wenn es regnet, und zwar so richtig, steht regelmäßig der Reifen- und Autoservice am Nieskyer Bahnhof unter Wasser. Hilferufe ignoriert die Feuerwehr keineswegs, aber machen kann sie auch nicht viel. Das Problem sei gewissermaßen hausgemacht, meint Enrico Bachmann von der Tiefbauverwaltung im Rathaus Niesky. Das Wasser habe bisher nicht richtig in den Molkereigraben abfließen können, weil der Durchlass unter der Bahntrasse zu klein dimensioniert und zudem korrodiert und damit nicht mehr voll funktionsfähig gewesen sei. Nun hat die Bahn im Zuge der Erneuerungen für die Niederschlesische Magistrale Abhilfe geschaffen und den Durchlass auf eigene Kosten in größeren Dimensionen erneuert.

Damit ist das Problem laut Bachmann nicht gelöst, nur verlagert. Zum einen, sagt er, sei das Einzugsgebiet, das in den Molkereigraben entwässert, in den letzten Jahren stetig gewachsen. Zu den Flächen, die bis zum ehemaligen Zooladen in der Görlitzer Straße reichen, kam im Herbst 2017 das Areal um das neue Eisstadion hinzu. Künftig wird es mit der Rothenburger, der Christoph- und der August-Bebel-Straße noch größer. Durch den neuen Durchlass strömt das Wasser auf die Neuhofer Seite, die es nun gelte an die neuen Anforderungen anzupassen. Ansonsten landunter. Ein Regenrückhaltebecken in Bahnhofsnähe sei denkbar oder notwendig, ein weiterer Graben in Neuhof, vielleicht ein neuer Durchlass an der Spremberger Straße. „Wir müssen uns auf alle Fälle Gedanken machen, wie wir das Wasser wegbekommen“, meint Bachmann.

Auch für die anderen, meist weiter außerhalb verlaufenden Gräben, gibt es Bedarf. Die Agrargenossenschaft habe sich etwa beklagt, dass sie nicht mehr in den Seegraben im Ortsteil See entwässern könne, weil der Graben dicht ist. Am Staugraben läuft das Wasser zwar noch, aber langsam. Sobald die Vegetationsperiode einsetzt, müsse der Graben wieder alle vier Wochen freigeschnitten werden. Er plädiere für mit Weiden und Erlen beschattete Gewässer, so Bachmann. Damit minimiere sich der Pflegeaufwand. Ohne einen Generalplan, einen Gewässerentwicklungsplan, sei das aber Stückwerk. 5 000 Euro kostet der voraussichtlich. Gut angelegtes Geld. „Wenn irgendwo ein paar Bäume unter Wasser stehen, ist das nicht unser Problem. Aber wir müssen im gesamten Quellgebiet Niesky die vorhandene Wohnbebauung schützen“, so Bachmanns erklärtes Ziel.

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