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Nieskyer Händler blicken auf durchwachsenes Jahr zurück

Nach der Hoffnung im Sommer vermiest die 2-G-Regel nicht nur das Weihnachtsgeschäft. Eine Besserung ist derzeit nicht in Sicht.

Von Steffen Gerhardt
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Falk Hajok führt das Elektro-Fachgeschäft Euronics Röhle in Niesky.
Seine Kundschaft hält ihm auch in dieser schwierigen Zeit die Treue.
Falk Hajok führt das Elektro-Fachgeschäft Euronics Röhle in Niesky. Seine Kundschaft hält ihm auch in dieser schwierigen Zeit die Treue. © André Schulze

Das zweite Corona-Jahr ist für die Einzelhändler in Niesky mehr von Tiefen als von Höhen geprägt. Damit stehen sie auf der Verliererseite der vom Handelsverband Deutschland (HDE) gezogenen Jahresbilanz für 2021.

Der HDE kommt zu der Erkenntnis, dass sich in den vergangenen zwölf Monaten "besonders im Onlinehandel Wachstumseffekte zeigten, während weite Teile des stationären Non-Food-Handels im Jahresverlauf deutliche Umsatzverluste einfuhren", schreibt der Verband in seiner aktuellen Pressemitteilung. Die Aussichten sind nicht besser. Angesichts bis heute spürbarer Auswirkungen monatelanger Lockdowns und seit November 2021 geltender Zugangsbeschränkungen bleibt die Lage im Einzelhandel nach dem Jahreswechsel extrem angespannt, bilanziert der HDE.

Ungewisser Wareneinkauf für den Winter

Das bestätigt Heidrun Schubert. Sie führt ihre Modeboutique am Zinzendorfplatz. "Ich bin dankbar für jeden Kunden, der zu mir kommt", sagt die Nieskyerin. Denn es sind seit Corona schon weniger Kunden im Geschäft. Die Einführung der 2-G-Regel brachte einen weiteren, größeren Abbruch bei ihrer Kundschaft. Und auch dieses Jahr beginnt mit ungelösten Fragen für Heidrun Schubert: "Im Februar kaufe ich die Ware für den kommenden Herbst und Winter ein. Ob ich sie dann auch verkaufen kann, ist für mich ungewiss."

Heidrun Schubert liebt ihren Laden und möchte ihn nicht aufgeben. "Ich mache weiter!", betont sie, auch wenn die Nieskyer Gerüchteküche mal wieder etwas anderes behauptet. Denn die Zusammenarbeit mit einer Änderungsschneiderin und die Annahme von Wäsche zum Waschen haben ihr auch neue Kunden ins Geschäft gebracht.

Sommer sorgte für ein Aufatmen

Eva-Kerstin Heide wünscht sich den nächsten Sommer schnell herbei. Die Inhaberin von City Mode in der Horkaer Straße denkt noch gern an den letzten Sommer zurück. "Da ging es richtig aufwärts, man merkte, dass die Leute wieder raus und einkaufen wollten", schwärmt sie von der vergangenen Zeit, die sie gern wiederhaben möchte. Der harte Schnitt kam für sie ebenfalls mit der 2-G-Regelung. Plötzlich fühlte sie sich ziemlich allein in ihrem Bekleidungsgeschäft. Die sonst gewohnte Kundschaft blieb aus. Das hatte auch Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft: "Es war durchwachsen", urteilt Frau Heide.

Dass es dennoch in der Ladenkasse klingelt, verdankt sie ihrer Stammkundschaft, die vorwiegend Frauen sind. "Dafür bin ich sehr dankbar, dass mir auch in dieser schwierigen Zeit die Treue gehalten wird", sagt die Geschäftsinhaberin. Für sie ist somit "noch alles im grünen Bereich", wie sie sagt. Damit das so bleibt, sucht Eva-Kerstin Heide eine Aushilfe für 20 oder 25 Wochenstunden, die sie im Laden vertritt. Denn auch bei City Mode steht der jahreszeitlich bedingte Wechsel an Bekleidung an.

Bayern macht es anders

Andreas Vetter schätzt ein, dass seit November nur noch die Hälfte der sonst üblichen Kundschaft in sein Sportgeschäft in der Görlitzer Straße kommt. Auch er sieht die 2-G-Regel als geschäftsschädigend an. Weniger wegen des Aufwandes, sprich Hygienekonzept, sondern vielmehr, weil sie ein Teil seiner Kundschaft ausschließt. Noch dazu, da es woanders auch anders geht.

In Bayern zum Beispiel. Dort wird Bekleidung als eine Ware des täglichen Bedarfs angesehen und Modegeschäfte sind den Lebensmittelläden und Märkten gleichgestellt, also 3-G-Regelung. Vetter beruft sich dabei auf ein Ende Dezember gefälltes Urteil des Bayrischen Verwaltungsgerichtshofes. Dieser bestätigt: Bekleidung gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen, deren Bedeutung für die Allgemeinheit nicht hinter Schuhe, Bücher, Schnittblumen und Gartengeräte zurücktritt (Aktenzeichen 20 NE 21.3037). Ob sich das in Sachsen und damit auch für sein Geschäft durchsetzt, kann Vetter nur hoffen. Denn dass jedes Bundesland seine eigene Corona-Politik machen darf, ist dem Nieskyer schon lange ein Dorn im Auge.

Kunden halten sich an die Regeln

Optimistischer sieht es dagegen in der Branche der Unterhaltungselektronik aus. Falk Hajok von Euronics Röhle in der Rothenburger Straße sagt, dass das Geschäft "recht gut und stabil" läuft. Zwar zwingt ihn die 2-G-Regel einen Mehraufwand zu betreiben. "Aber meine Kunden halten sich daran, auch was das Tragen von FFP2-Masken betrifft." Zudem ist Falk Hajok in der glücklichen Lage, durch Poststelle und Werkstatt "systemrelevant" und damit von Schließungen nicht betroffen zu sein.