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Niesky schafft Platz für neue Industriefirmen

Das Gewerbegebiet Niesky-Nord hat die nächste Hürde im Stadtrat genommen. Doch die Anwohner im Neuhof sind weiter skeptisch.

An der Cottbuser Straße soll das neue Nieskyer Gewerbegebiet entstehen.
Im Hintergrund sind die ersten Häuser von Neuhof zu erkennen. Dort fürchtet man um die Ruhe des Wohngebietes - aber nicht nur wegen künftiger Ansiedlungen.
An der Cottbuser Straße soll das neue Nieskyer Gewerbegebiet entstehen. Im Hintergrund sind die ersten Häuser von Neuhof zu erkennen. Dort fürchtet man um die Ruhe des Wohngebietes - aber nicht nur wegen künftiger Ansiedlungen. © André Schulze

Merten Menzel hat die Debatte im jüngsten Stadtrat genau verfolgt, mit ihm noch andere Bewohner des Stadtteils Neuhof. Was ihnen da von der Stadt und Planer Ansgar Kaup zum Gewerbegebiet Nord präsentiert wurde, sei schon ein Schritt in die richtige Richtung, meint Menzel. Trotzdem bleibt er weiter skeptisch, was das Wohnen in unmittelbarer Nähe künftiger Gewerbeansiedlungen betrifft.

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"Man muss schon würdigen, dass heute bestimmte Dinge viel genauer betrachtet werden als vielleicht noch vor 30 Jahren. Zum Beispiel die aus den Naturschutzuntersuchungen resultierenden Ausgleichsflächen oder die Erkenntnis, dass der hohe Fledermausbestand an der Muskauer Straße schützenswert ist." Aber, so Menzel, das Thema sei zu wichtig, um es allein der Stadtverwaltung und den Planern zu überlassen. "Wir werden weiter genau beobachten, wie sich das Gebiet entwickeln soll, was uns missfällt und welche Einspruchsmöglichkeiten es gibt." Harsche Kritik übt er an der Informationspolitik rund um das Vorhaben. "Es wäre sinnvoll gewesen, mit jenen Leuten zu reden, die direkt betroffen davon sind."

19 Hektar beträgt die Gesamtfläche des Areals, auf 14 Hektar sollen sich Unternehmen ansiedeln können - oberhalb der Trebuser Straße im Industriegebiet, unterhalb im Gewerbegebiet.
19 Hektar beträgt die Gesamtfläche des Areals, auf 14 Hektar sollen sich Unternehmen ansiedeln können - oberhalb der Trebuser Straße im Industriegebiet, unterhalb im Gewerbegebiet. © SZ Grafik

Trotz aller Bedenken hat der Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Niesky-Nord die nächste Hürde genommen. Nach dem Beschluss der Stadträte können die Planungsunterlagen jetzt ausgelegt werden. Vom 27. Juli bis 31. August kann jeder Interessent das Papier im Rathaus der Stadt ganz genau unter die Lupe nehmen oder dies im Internet in diesem Zeitraum im Beteiligungsportal Sachsen tun. Bis Ende August sind Stellungnahmen möglich. Aufstellungsbeschluss, die Einbeziehung der Träger öffentlicher Belange, Bürgerbeteiligung und Artenschutzgutachten sind laut Ansgar Kaup schon gelaufen. Im Herbst, so der Experte aus dem beauftragten Görlitzer Ingenieurbüro, könnte dann der Satzungsbeschluss folgen und Ende 2021 das Planungsverfahren abgeschlossen sein. Zuvor könnte es laut dem Planer und Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann bereits im August die schon lang angemahnte Bürgerversammlung geben.

Fest steht nun, dass 14 der insgesamt 19 Hektar großen Fläche für Firmenansiedlungen vorgesehen sind. Nördlich der Trebuser Straße, die den Standort durchtrennt, werde das Industriegebiet ausgewiesen, so Kaup. Im südlichen Bereich könnten weniger lärmintensive Firmen im Gewerbegebiet ihren Platz finden. Die verkehrstechnische Erschließung des Areals soll zu beiden Seiten komplett über die Trebuser Straße erfolgen - mit Längsparkstreifen und einem Wendehammer ganz am Ende. Das Wohngebiet am Neuhof werde wie vorgesehen von einem breiten begrünten Wall abgepuffert.

Allerdings ist die Entwässerung des Standortes nicht ganz einfach. Jedes sich hier ansiedelnde Unternehmen muss 50 Prozent des Wasseraufkommens auf seinem Grundstück zurückhalten oder versickern. Die anderen 50 Prozent werden abgeleitet - auf Versickerungsflächen, in ein Rückhaltebecken im Bereich des Grünwalls und in Gräben.

Nachtarbeit nur mit Jalousien vor den Fenstern

Für potenzielle Interessenten sind aber noch andere Punkte wichtig. Nachts darf es wegen der Nähe zum Wohngebiet und dem erheblichen Fledermausbestand keine Außenbeleuchtung geben. Wird Nachtarbeit durchgeführt, müssen an den betreffenden Räumen die Jalousien heruntergezogen sein. Südlich der Trebuser Straße ist aufgrund des Lärmgutachtens kein Dreischichtbetrieb möglich, nördlich davon schon. "Idealerweise sollte der Lärm zum Wohngebiet hin immer mehr abfallend sein", erklärt der Görlitzer Planer. Großbetriebe, schätzt er ein, würden aufgrund dieser Auflagen wahrscheinlich nicht hierherkommen. Das Areal sei eher für "normale mittelständische Betriebe" geeignet.

Neben dem Gewerbegebiet bereiten den Anwohnern im Neuhof allerdings noch zwei andere Probleme Sorgen: Tetis und die Rangiererei am Nieskyer Bahnhof. Obwohl für den nördlich von Niesky geplanten Eisenbahntestring noch kein Investor gefunden wurde und deshalb vorläufig Ruhe um das Projekt herrscht, ist es weiter aktuell. Zudem weht der nächtliche Rangierlärm regelmäßig vom Bahnhof über das Wohngebiet. Und außerhalb der Lärmschutzwände stehen Dieselloks, die sich - trotz Elektrifizierung der Strecke - offenbar warmlaufen für ihren Einsatz. Auf Facebook wird darüber schon eifrig diskutiert. Ein Nutzer schreibt: "Hört auf mit eurem Lärm des Nachts, sonst übernehmen wir das."

Das Beteiligungsportal Sachsen ist im Internet unter https://buergerbeteiligung.sachsen.de zu finden.

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