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Übernachten im Nieskyer Holzhaus ist beliebt

Die Stadt hat mit ihren Holzhäusern eine Attraktion. Sogar Urlaub kann man hier machen, zum Beispiel bei Familie Müller.

Jörg und Gabriele Müller bieten eine Ferienwohnung in ihrer Holzhaushälfte in der Christophstraße an.
Jörg und Gabriele Müller bieten eine Ferienwohnung in ihrer Holzhaushälfte in der Christophstraße an. © André Schulze

Vergangenes Wochenende war ihre Ferienwohnung belegt und für dieses Wochenende haben sich auch wieder Gäste angekündigt bei Familie Müller in der Christophstraße in Niesky. "Das lässt uns hoffen, dass jetzt auch die Urlauber wieder kommen", sagt Jörg Müller.

Zusammen mit seiner Frau Gabriele bietet er im Obergeschoss seiner Holzhaushälfte eine Ferienwohnung an. Ihre beiden Kinder sind schon längst aus dem Haus, haben ihre eigenen Familien. Für die Eltern stand die Frage: Was machen wir mit den leeren Räumen? Zuerst wurde das separat zugängliche Obergeschoss dauervermietet. Aber so richtig begeistern konnten sich Müllers mit einem ständigen Mieter nicht. Also blieb noch die Variante Ferienwohnung. Seit acht Jahren bieten sie Müllers für maximal zwei Erwachsene und zwei Kinder an. Und sie sind zufrieden damit.

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Zum sechsten Mal Urlaub bei Müllers

"Die Leute zieht zum einen das alte Holzhaus an, aber auch die ruhige Wohngegend", sagt Jörg Müller über seine Gäste. Zudem ist Niesky zentral gelegen, ganz gleich, ob man nach Görlitz, Bautzen, Dresden oder nach Berlin und in die beiden Nachbarländer Polen und Tschechien will. Nicht wenige ihre Urlauber haben inzwischen das Prädikat Stammgast. Wie eine Familie aus dem Norden Deutschlands, die ihre drei Wochen Sommerurlaub demnächst bereits das sechste Mal bei Müllers verbringt. "Uns freut es, wenn die Gäste wiederkommen. Das ist ein sicheres Zeichen, dass Wohnung und Umgebung gefallen", erzählt Gabriele Müller.

Müllers sollten ein Gästebuch führen, denn in der Regel sind die Gäste mit dem sehr zufrieden, was sie hier erwartet. Seitdem Müllers ihre Ferienwohnung von 40 Quadratmetern auch im Internet anbieten, sind die Besucher international. Texaner haben hier schon übernachtet, aber auch Leute aus Brasilien, Österreich und der Tschechei. "Das Internet bietet einem heute doch viel mehr an Möglichkeiten und eine große Reichweite." Dennoch setzen Müllers auch auf alt herkömmliche Werbung. So steht vor dem Hauseingang ein hölzerner Schaukasten mit Fotos von der Ferienwohnung und Visitenkarten stecken in einem Halter.

Im Obergeschoss von Müllers Holzhaushälfte befindet sich die Ferienwohnung mit eigenem Zugang. Sie ist komplett mit einer Küche ausgestattet.
Im Obergeschoss von Müllers Holzhaushälfte befindet sich die Ferienwohnung mit eigenem Zugang. Sie ist komplett mit einer Küche ausgestattet. © André Schulze

Noch die originalen Holzfenster

Das bringt genügend Aufmerksamkeit. Besonders, wenn Führungen durch die Holzhaussiedlung sind. Aber in diesem Fall steht nicht die Ferienwohnung im Mittelpunkt des Interesses, sondern die Fenster. "Wir sind eines der wenigen Häuser, das noch die original Holzfenster eingesetzt hat. Das sorgt besonders bei Fachleuten aus dem Holzbau für Interesse", berichtet der Hausbesitzer.

Hauseigentümer wollte Jörg Müller eigentlich nie werden. Seit 1985 wohnt er mit seiner Familie in der einen Hälfte des Hauses. Zu DDR-Zeiten waren das Mietwohnungen der Nieskyer Gebäudewirtschaft. "Wir waren froh, so eine Wohnung zu haben, bietet sie auf rund 150 Quadratmetern viel Platz", berichtet die Ehefrau. Doch der Wende folgte die Privatisierung und die Gebäudewirtschaft stieß die Holzhäuser ab, bot sie ihren Mietern zum Kauf an. Müllers griffen zu, bevor es ein anderer tat - und haben den Kauf bis heute nicht bereut.

Obwohl Müllers erst Mieter bleiben wollten. Über die Jahre haben sie viel Zeit, Material und Schweiß in ihre Haushälfte investiert. "Und das wollten wir nicht aufgeben", so Frau Müller. Schließlich wohnen sie in einem originalen Holzhaus der Nieskyer Firma Christoph & Unmack. 1921 wurde es zusammen mit weiteren Fertigteilhäusern in der Christoph-Straße aufgestellt und bezogen. Inzwischen ist nicht nur Müllers Holzhaus genau 100 Jahre alt. Das wollten sie zusammen mit weiteren Hauseigentümern dieses Jahr feiern, aber Corona macht dem einen Strich durch die Rechnung.

Eine gute Idee ist der hölzerne Schaukasten vor dem Haus. Er macht Werbung für Müllers Ferienwohnung bei Passanten.
Eine gute Idee ist der hölzerne Schaukasten vor dem Haus. Er macht Werbung für Müllers Ferienwohnung bei Passanten. © André Schulze

Ein Holzhaus verpflichtet

Wichtig ist Müllers, dass es auch mit dem Nachbarn klappt. Denn wenn Renovierungen anstehen, ist es bei einem Doppelhaus wichtig, dass man sich mit seinem Nebenmann abstimmt, damit das Gebäude auch nach einem neuen Holzanstrich als ein Haus wirkt. "Gute Nachbarschaft ist auch im Interesse unseres gemeinsamen Holzhauses wichtig", betonen die Müllers.

Denn es gibt in Niesky Beispiele, wo das nicht so gut funktioniert, beziehungsweise Bausünden bei der Sanierung der Holzhäuser begangen wurden. Darüber würden Christoph und Unmack heute sicherlich ihre Köpfe schütteln. Aber am Ende ist das auch eine Frage des Geldes - und was man sich für sein Holzhaus leisten kann. Jörg Müller ist da ehrlich: "Ohne dem Zuschuss des Denkmalschutzes hätten wir heute auch Plastikfenster statt der originalen Holzfenster im Haus."

Kleine Baude als Muster-Wochenendhaus

Müllers sind nicht die Einzigen, die "Urlaub im Holzhaus" in Niesky anbieten. Weitere Privatvermieter gibt es, aber auch die Diakonissenanstalt Emmaus bietet eine Holzbaude als "Kleine Residenz" für die Sommerfrische an. Bei dieser Baude handelt es sich ursprünglich um ein Muster-Wochenendhaus, das in den Christoph & Unmack-Katalogen als Haustyp „Blockhaus Jänkendorf“ angeboten wurde, berichtet Eva-Maria Bergmann als Leiterin des Nieskyer Museums. Dieses sowie in späteren Jahren das Ferienhaus „Kleiner Christoph“ waren auch im Zusammenhang mit der sogenannten „Wochenendbewegung“ der 1920er-Jahre ein echter Verkaufsschlager von C & U. Übrigens hat das bis heute genutzte Emmaus-Blockhaus dasselbe Baujahr wie Müllers Holzhaus: 1921.

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