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Umleitungsverkehr bremst Feuerwehr aus

Wenn der A4-Tunnel gesperrt ist und die Laster durch Nieder Seifersdorf rollen, können die Löschfahrzeuge kaum ausrücken. Und es gibt noch andere Probleme.

Wenn aufgrund von Tunnelsperrungen der Umleitungsverkehr die S122 in Nieder Seifersdorf verstopft, ist es für die Feuerwehr kaum möglich, zu Einsätzen auszurücken.
Wenn aufgrund von Tunnelsperrungen der Umleitungsverkehr die S122 in Nieder Seifersdorf verstopft, ist es für die Feuerwehr kaum möglich, zu Einsätzen auszurücken. © André Schulze

Immer wenn der A4-Tunnel gewartet wird, hofft Wehrleiter René Stricker ganz besonders, dass kein Haus Feuer fängt, kein Waldbrand ausbricht und es auf der Autobahn keinen Unfall gibt. Denn in diesen Fällen würde die Freiwillige Feuerwehr von Nieder Seifersdorf alarmiert. Und müsste ausrücken. Doch das wäre schwierig, weil die Umleitung des Tunnelverkehrs auf der S122 durch den Ort führt.

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Erst vor Kurzem war es wieder so: Eine der vierteljährlich durchzuführenden Tunnel-Wartungen stand an. Vier Tage lang wurde das Nadelöhr fit gemacht für die nächsten Monate. Vier Tage lang bretterten die Laster durch Nieder Seifersdorf hin und her. Das Gerätehaus mit den Löschfahrzeugen steht jedoch nur ein paar Meter entfernt von der S122. Das Problem: "Wenn die Brummis Kolonne fahren, kommen wir nicht raus", erklärt Stricker. Bisher seien Einsätze zwar nie mit solchen Extremsituationen zusammengefallen. Aber wenn es passiere - "dann haben wir keine Chance", ist der Wehrleiter überzeugt.

Offiziellen Stellen ist das Problem nicht bewusst

Im Januar oder Februar - genau weiß das der Nieder Seifersdorfer nicht mehr - gab es bereits ernste Schwierigkeiten. Da kamen die Kameraden gar nicht erst bis ins Gerätehaus. "Die Straße war so voll, der Verkehr staute sich von der Autobahn bis nach Jänkendorf. Viele unserer Leute schafften es mit ihren Autos nicht, rechtzeitig durchzukommen", erinnert sich René Stricker. Im vergangenen Jahr wurde die 18 Aktive zählende Wehr zu 13 Einsätzen gerufen, die meisten davon fanden auf der Autobahn statt. "Wenn wir durch den Umleitungsverkehr am Ausrücken gehindert würden, wäre das schon tragisch und kontraproduktiv, wenn unsere Hilfe dann auf der A 4 fehlt."

Der Nieder Seifersdorfer Feuerwehrchef ist zugleich enttäuscht, dass von den Verantwortungsträgern bisher nichts unternommen wurde, um die Situation zu verbessern. "Wir haben das beim Bürgermeister angesprochen. Und auch die Landesverkehrsbehörde weiß davon. Die Notwendigkeit sieht außer uns aber offenbar niemand." Als Schritt in die richtige Richtung sähe Stricker eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der S122 rund ums Gerätehaus. "Wir hatten schon mal 50 km/h. Aber das Schild ist abgebaut worden, als vor Jahren die Straße dort saniert wurde."

Verkehrsinseln könnten mehr Sicherheit bieten

Dieses Problem greifen auch "die geplagten Anwohner der S122" in einem Brief an die SZ auf und vergleichen die Situation mit Kodersdorf. Dort dürften Lkw nur 30 km/h statt der sonst erlaubten 50 km/h durch den Ort fahren, wenn der Tunnel gesperrt sei. Das gleiche müsse auch in Nieder Seifersdorf möglich sein. Zudem regen die Verfasser des Schreibens die Einrichtung von Verkehrsinseln an und fordern, Bushaltestellen so abzusichern, dass Kinder und Senioren sicher über die Straße kommen können.

Dann führen sie eine Reihe von Unzulänglichkeiten auf: "Es gibt keine abgesenkten Bürgersteige oder Überwege, stattdessen auf der anderen Seite zum Teil Gräben. Ein Überqueren ist für Fußgänger, Radfahrer, Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator fast nicht möglich." Im Winter gebe es zudem Schneewülste und keinen Zugang zu den Haltestellen und zum Radweg.

Das Fazit der Anwohner ist ernüchternd: Für jeden, der Eigentum besitze, hier lebe, seine Heimat habe und an einer derartigen Straße wohne, "besteht eine Minderung der baulichen sowie finanziellen Grundwerte und eine Einschränkung der Lebensqualität."

In Nieder Seifersdorf oft nur einseitige Wohnbebauung

So drastisch fällt das Urteil im Landratsamt nicht aus. Denn: "Kodersdorf und Nieder Seifersdorf sind nicht miteinander vergleichbar", erklärt Kreissprecherin Julia Bjar. Und sie führt als Begründung jenen Fakt an, den auch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) schon in einem früheren SZ-Artikel genannt hatte: "Die S122 wurde als Ortsumgehung gebaut, dort ist meist nur eine einseitige Wohnbebauung vorhanden." Daraus folge eine geringe Anzahl an erforderlichen Straßenquerungen. An der B115 in Kodersdorf gebe es überwiegend beidseitige Bebauung - auch mit Versorgungs- und sozialen Einrichtungen. Die Aktivierung der Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h sei deshalb gerechtfertigt, erfolge aber nur bei längerer Tunnelsperrung.

Dass Errichten von Verkehrsinseln sieht die Behörde skeptisch. Grundsätzlich sei dies in Abhängigkeit des Querungsbedarfs möglich, erklärt Julia Bjar. Allerdings sei die unterschiedlich starke Nutzung der Bushaltestellen zu beachten. Und: "Längerfristige Tunnelsperrungen sind in der Regel Ausnahmefälle, bei denen sich zwar das Verkehrsaufkommen, nicht aber der Querungsbedarf ändert." Verkehrsinseln würden das Überqueren der Straße zwar erleichtern, aber nicht zwingend die Sicherheit erhöhen, da in jedem Fall Lücken im Verkehrsfluss abgewartet werden müssten.

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