merken
PLUS Niesky

Schweinepest: Folgen der Seuche für Jäger und Bauern

Manche Landwirte im Kreis kommen nicht mehr auf ihr Feld, Jäger schlagen sich Nächte um die Ohren. Die Tierseuche bestimmt das Leben vieler Menschen.

Reinhard Seifert zeigt sein abgezäuntes Feld in Stannewisch.
Reinhard Seifert zeigt sein abgezäuntes Feld in Stannewisch. © André Schulze

Familie Seifert bewirtschaftet bei Stannewisch zwei Hektar im Nebenerwerb. Jetzt wird das Feld für Futter genutzt, sonst steht Gerste darauf. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Dank der Afrikanischen Schweinepest. Seiferts Feld liegt in der gesperrten Zone und ist daher eingezäunt. Und das hat Folgen. "Das Wild aus dem Wald kommt bis auf unser Feld und kann von da aus nicht mehr weiter, weil der Zaun steht. Dementsprechend sieht es schon darauf aus", berichtet Sohn Jörg Seifert.

Der Zaun verschließt auch die Zufahrt auf das Seifertsche Feld. Nur eine kleine ist gelassen worden. Spätestens, wenn der neue Mähdrescher zum Einsatz kommen soll, wird es eng. Dabei haben Seiferts noch Glück im Unglück. "Die Nachbarfläche hat durch den Zaun gar keine Zufahrt mehr", erzählt Jörg Seifert. "Wenn die Agra auf ihre Fläche möchte, muss sie über unser angesätes Feld fahren."

Küchen-Profi-Center Hülsbusch
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!

Schon Goethe wusste: Essen soll zuerst das Auge erfassen und dann den Magen. Das gelingt besonders gut in einer schicken neuen Küche. Jetzt zum Küchen-Profi-Center Hülsbusch und sich beraten lassen.

Seit Monaten kämpfen der Landkreis Görlitz und der Freistaat gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest, die für den Menschen ungefährlich, aber für Schweinezüchter eine große Gefahr ist: Infizieren sich Hausschweine mit dem Virus, verläuft die Erkrankung tödlich. Eine Impfung gibt es nicht.

Wildschweine aus Polen tragen die Tierseuche nach Deutschland. Anfangs waren Kadaver mit dem Virus bei Podrosche gefunden worden, später auch südlicher. Und letztens gar westlich der B 115. Jetzt hat Sachsen die Sperr- und Pufferzonen ausgeweitet, sie reichen mittlerweile bis in den Landkreis Bautzen und südlich der A 4 bis Löbau. Der Landkreis schätzt, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren die Seuche im Landkreis verbleiben wird.

Das sind die neuen Zonen, die eine Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Ostsachsen verhindern sollen.
Das sind die neuen Zonen, die eine Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Ostsachsen verhindern sollen. © SZ

Mit den Zäunen versuchen die Behörden, Wildschweine aufzuhalten und damit die Ausbreitung der Schweinepest. Nicht überall stehen sie offenkundig so ungünstig wie bei Seiferts. Andere Agrarbetriebe haben bisher gute Erfahrungen mit dem Zaun gemacht. Wie die Spreer Agrar und Service GmbH. Andreas Günzel ist für den Feldbau zuständig und sagt, dass der Schutzzaun weder Schläge noch Feldwege schneidet, die Zufahrten auf die Felder nutzbar sind. 1.300 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche haben die Spreer. Der Großteil liegt in der Sperrzone. Mit den Ämtern gibt es eine gute Zusammenarbeit, sagt der Betriebsleiter, die Belange der Landwirtschaft werden von ihnen berücksichtigt.

Zufahrten sind gesichert

Die Agrarprodukt Rothenburg GmbH bewirtschaftet ebenfalls 1.300 Hektar Fläche. Diese befinden sich hauptsächlich im Bereich der Neiße, zwischen Noes und Nieder Neundorf. Dort, wo die ersten Zäune aufgestellt wurden. Inzwischen reihen sich bis zu drei Schutzzäune in Richtung Landesinnere. "Die Zäune sind so aufgestellt, dass die Erreichbarkeit unserer Felder weiter gegeben ist", berichtet Geschäftsführer Robert Illichmann. Er ist froh, dass bis zum jetzigen Zeitpunkt kein infiziertes Wildschwein auf seinen Feldern gefunden wurde. Denn das würde eine Schutzzone um den Fundort nach sich ziehen und die Feldbestellung ausbremsen.

Dass die Zäune die Wildschweine abhalten, bestätigt der Landwirt. Nicht an allen Stellen, aber zwischen den Barrieren sind die Wildschäden auf seinen Feldern geringer geworden. Das kann aber auch damit zusammenhängen, dass weniger Wildschweine unterwegs sind, weil die Jäger verstärkt Jagd auf sie machen. Das Beseitigen von Wildschweinen wurde als Maßnahme der Tierseuchenbekämpfung angeordnet, in Verantwortung der Landkreisverwaltung.

Seit Montag montieren Mitarbeiter der Firma BauCom aus Bautzen an der Wildschweinbarriere entlang der B115 von Stannewisch bis Sandschenke weiter. Danach geht es an der Magistrale von Niesky nach Osten weiter.
Seit Montag montieren Mitarbeiter der Firma BauCom aus Bautzen an der Wildschweinbarriere entlang der B115 von Stannewisch bis Sandschenke weiter. Danach geht es an der Magistrale von Niesky nach Osten weiter. © André Schulze

"Die Jäger sind zur Entnahme des Schwarzwildes befugt", sagt der Vorsitzende des Jagverbandes NOL, Hans-Dietmar Dohrmann. Die Entnahme unterscheidet sich von der Jagd dadurch, dass der Jäger den Schwarzkittel schießen, aber nicht mitnehmen darf. Hat er ein Wildschwein erlegt, muss er die Fundstelle markieren und dem Veterinäramt melden. Das übernimmt die Untersuchung und den Abtransport des Tieres.

Die Wildschweinjagd ist aber zeitaufwendig, erläutert Dohrmann. Bevor der Jäger zum Schuss kommt, vergehen durchschnittlich zehn Stunden. Je größer die Population, umso größer die Chance, ein Wildschwein in kürzerer Zeit zu treffen. Im vergangenen Jagdjahr wurden rund 5.000 Wildsauen im Landkreis zur Strecke gebracht. Eine Steigerung wird kaum noch möglich sein, denn Schwarzwild ist vor allem nachtaktiv und nicht jeder Jäger will sich fortlaufend die Nacht um die Ohren schlagen. Dazu fehlt es an zugelassenen technischen Möglichkeiten, auch nachts auf Jagd zu gehen.

Den Zaunbau sehen die Jäger als notwendig an und als Maßnahme, damit sich die Schweinepest nicht weiter ausbreitet. Denn das Bauwerk schützt nicht nur vor dem Eindringen polnischer Wildschweine, sondern unterbindet das Wandern der Rotten in den Wäldern der Oberlausitz. Aber es gibt auch Bedenken gegenüber dem Rotwild. Erwachsene Rehe und Hirsche können das ein Meter hohe Drahtgeflecht überspringen, aber ihr Nachwuchs wird in seinen ersten Wochen ein Problem damit haben.

Schweinezüchter hat vorgesorgt

Dass der Staat mit dem Zaunbau jetzt Vorsorge trifft, ist für Marie Gröbner eine richtige und längst überfällige Entscheidung. Die junge Frau ist Geschäftsführerin im Familienunternehmen Gröbner und für die Schweinehaltung zuständig. Der Familienbetrieb hat drei Ställe im Landkreis - in Horka, Kodersdorf und Kunnersdorf. Horka zählt mittlerweile zur Schweinepest-Sperrzone. Dort sind rund 4.500 Mastschweine eingestallt. Nicht auszudenken, wenn das Virus in den Stall kommt. Die Hygienebedingungen wurden deshalb in dieser Anlage verschärft. Alle ankommenden Fahrzeuge werden gründlich desinfiziert, Betriebsfremde dürfen nicht mehr auf das Gelände und regelmäßige Kontrollen sollen sicherstellen, dass kein Wildtier durch den Zaun schlüpft.

Für Marie Gröbner ist das Thema Schweinepest nicht neu. Bereits vor zwei Jahren wurde das Stallgelände in Kodersdorf mit einem zusätzlichen Zaun isoliert. Dazu kam im Außengelände ein Wildschweinzaun, den das Land Sachsen dem Unternehmen zur Verfügung stellte. "Angst brauchen wir keine zu haben, unsere Ställe sind gut gesichert", sagt die Geschäftsfrau. Wenn jetzt noch die Schutzzäune den Wildschweinen Einhalt geben, dann ist ein weiterer Schritt zur Sicherheit in der Schweinehaltung getan.

Darauf bauen auch Seiferts. Aber dazu müsste ihrer Meinung nach der Schutzzaun an der Waldkante entlanggezogen werden und nicht ihr Feld mit einschließen, wo sich das Wild sammelt. Das bleibt für sie ein Problem. Ein anderes haben sie bereits gelöst, erzählt Reinhard Seifert. In ihrer Wirtschaft hielt sich die Familie Hausschweine. Als es mit der Schweinepest losging, haben sie diese Tiere zum Schlachter geschafft. "Damit brauchten wir keine Schutzmaßnahmen ergreifen", sagt Seifert erleichtert.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky