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Versteigerte Pferde bleiben bei neuen Besitzern

Simone Pinkert von der Little Pony Ranch in Gebelzig hofft zwar noch, aber die Chancen auf Rückgabe schwinden.

Im Mai ließ das Veterinäramt des Landkreises 13 Kleinpferde versteigern, die aus der Haltung von Simone Pinkert aus Gebelzig stammten. Die frühere Besitzerin geht noch immer dagegen vor.
Im Mai ließ das Veterinäramt des Landkreises 13 Kleinpferde versteigern, die aus der Haltung von Simone Pinkert aus Gebelzig stammten. Die frühere Besitzerin geht noch immer dagegen vor. © André Schulze

Die Ereignisse der vergangenen Monate hat Simone Pinkert noch immer nicht verwunden. Wenn sie an die Versteigerung ihrer Pferde im Mai denkt, kocht erneut Wut in ihr hoch. Und Enttäuschung. Aufgegeben hat sie aber noch lange nicht. Sie kämpft dafür, dass die - in ihren Augen - willkürliche Aktion der Behörde rückgängig gemacht wird.

"Die Tiere waren mein Leben", schluchzt die frühere Betreiberin der Little Pony Ranch aus Gebelzig am Telefon. In diesem Jahr hat dieses Leben allerdings einige tiefe Kratzer abbekommen. Es begann an einem Tag im Januar. Mitte des Monats rückten Mitarbeiter des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes (Lüva) an und nahmen "in Vollzug des Tierschutzgesetzes" fast den gesamten Tierbestand mit. Mehr als 40 Hunde, dazu Katzen, Zwergkaninchen und diverse Kleintiere. Der Vorwurf: Simone Pinkert habe ihre Schützlinge nicht artgerecht gehalten.

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Nach dem ersten Schock gab es bald schon den zweiten. Nicht nur, dass sie nach behördlicher Anordnung selbst keine Hunde mehr halten darf. Auch ihr Bemühen, den Großteil der Vierbeiner im Gut Aiderbichl unterzubringen, scheiterte. Die österreichische Stiftung gilt als europaweit anerkanntes Auffangbecken für Tiere aus schlechten Verhältnissen. Pinkert hatte bereits vorgefühlt, das Einverständnis des Gnadenhofes lag vor. Das Veterinäramt des Landkreises teilte der Einrichtung jedoch mit, dass sämtliche Hunde schon in der hiesigen Region untergekommen seien.

Anwalt kämpft noch um Rückgabe der Pferde

Akt Nummer drei in dem Drama um die Tiere der Little Pony Ranch war schließlich die Versteigerung der Pferde Ende Mai. 13 Tiere fanden bei der Veranstaltung in Biehain ein neues Zuhause - sehr zum Ärger der einstigen Halterin. Der Streit zwischen Simone Pinkert und dem Landkreis entzündete sich fortan neben der Beschlagnahme der Tiere auch an der Rechtmäßigkeit dieser Aktion. Während das Lüva alles in Ordnung fand, sprachen Simone und ihre Mutter Barbara Pinkert von Behördenwillkür. Sie schalteten einen Anwalt ein.

Tatsächlich ist der Fall nicht völlig klar, wie auch Evelyn Ofensberger von der Stabsstelle Recht des Deutschen Tierschutzbundes meint. Besitz und Eigentum müssten unterschiedlich bewertet werden, erklärt die Rechtsanwältin auf Nachfrage der SZ. Würden Pferde beschlagnahmt, wechsele nur der Besitzer. Das Eigentum an den Tieren gehe aber nicht auf die Behörde über. Dazu müsse es eine Einziehungsverfügung geben, die nach Angaben der Familie Pinkert aber nicht vorgelegen hat.

Wie intensiv der von der Gebelziger Familie beauftragte Anwalt das Verfahren weiter betreibt, in dem es nach Informationen des Veterinäramtes vom Mai dieses Jahres bereits damals Schriftwechsel zwischen beiden Seiten gab, ist offenbar auch Simone Pinkert nicht bekannt. Er sei "noch dran", berichtet die Frau mit schluchzender Stimme. Wer der Mann ist, behält sie jedoch für sich. Sie hoffe aber, dass sie ihre Vierbeiner wiederbekommen werde. Dann bricht es aus ihr heraus: "Die waren doch wie meine Kinder." Momentan, bedauert sie, habe sie gar keine eigenen Tiere um sich herum.

Das Ende der Little Pony Ranch war absehbar

Dass ihr Wunsch in Erfüllung geht, scheint zumindest fraglich. Schon im Mai hatte die Rechtsanwältin des Tierschutzbundes diesem Ansinnen keine großen Chancen eingeräumt. Die Möglichkeit dazu sei nur theoretischer Natur. Wenn der Verkauf der Pferde rechtskräftig über die Bühne gegangen sei, gebe es wohl kein Zurück, erläuterte die Expertin.

Der Landkreis äußert sich zurückhaltend zu den Vorgängen. Sprecherin Julia Bjar: "Es handelt sich um ein laufendes Verfahren. Deshalb können dazu keine Aussagen getroffen werden." Dabei bleibt offen, ob oder unter welchen Umständen Simone Pinkert möglicherweise wieder Hunde halten darf. Allerdings seien, so Bjar, alle beschlagnahmten 67 Tiere an "sachkundige Halter" abgegeben worden.

Übrigens war das Problem mit der Little Pony Ranch in diesem Jahr kein Einzelfall. "Es gab mehrere Fälle im Landkreis Görlitz, in denen eine größere Anzahl von Tieren durch das Lüva fortgenommen und untergebracht werden musste", bestätigt die Sprecherin. Dies habe jedoch vorrangig Katzenhaltungen betroffen und "nicht das Ausmaß der bei Familie Pinkert festgestellten Tierzahl und Zustände" erreicht.

Auch wenn Simone Pinkert die verfahrene Situation bedauert, dem Landkreis die Schuld gibt und sich selbst als von Behördenwillkür betroffene Tierfreundin sieht - das Ende der Zustände auf der Little Pony Ranch hatte sich lange angebahnt. Bereits 2012 war sie mit dem Veterinäramt das erste Mal in Konflikt geraten, beim Verwaltungsverband in Diehsa waren immer wieder Beschwerden von Anwohnern eingegangen. Animal Hoarding - also Tiersammelsucht - weist sie weit von sich. Ihre Schützlinge hätten bei ihr immer an erster Stelle gestanden.

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