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Görlitz und Bautzen lehnen Atommüll-Endlager ab

Die beiden Landkreise reichen beim Bund ihre Stellungnahme ein. Damit geht die Oberlausitz jetzt in die Offensive. Regionen in Bayern hatten das bereits getan.

Ist die Oberlausitz als Standort für ein atomares Endlager geeignet? In einer gemeinsamen Stellungnahme bezweifeln das die Landkreise Görlitz und Bautzen.
Ist die Oberlausitz als Standort für ein atomares Endlager geeignet? In einer gemeinsamen Stellungnahme bezweifeln das die Landkreise Görlitz und Bautzen. © SZ/Archiv

Die Landkreise Görlitz und Bautzen lehnen den möglichen Bau eines Endlagers für hochradioaktive Abfallstoffe in der Oberlausitz ab. Das haben die Landräte Bernd Lange und Michael Harig in einer gemeinsamen Stellungnahme zum Ausdruck gebracht, die jetzt beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) veröffentlicht wurde.

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Damit tritt nun das ein, was Wolfgang Zettwitz, Chef des Regionalen Planungsverbandes Oberlausitz-Niederschlesien, bereits vor Wochen gegenüber der SZ angekündigt hatte: Man sei dabei, sich mit Experten zu beraten, um dann eine fundierte Position bei der Suche nach dem Endlager-Standort abgeben zu können. Maßgebliche Expertisen in diesem Erkenntnisprozess hat offenbar der frühere Zittauer Hochschulprofessor Bernd Delakowitz gegeben, der zuvor schon in und außerhalb Deutschlands an Untersuchungen möglicher Endlagerstätten beteiligt war. Einbezogen wurden zudem zwei Experten des Görlitzer Senckenberg Museums für Naturkunde: Olaf Tietz und Jörg Büchner.

Teile des Oberlandes in den Landkreisen Bautzen und Görlitz sowie eine Fläche zwischen Niesky und Weißwasser zählen zu jenen Gebieten, die weiter als Standort für ein atomares Endlager infrage kommen.
Teile des Oberlandes in den Landkreisen Bautzen und Görlitz sowie eine Fläche zwischen Niesky und Weißwasser zählen zu jenen Gebieten, die weiter als Standort für ein atomares Endlager infrage kommen. © SZ Grafik

Schwerwiegende Vorbehalte gegen die Eignung

Lange und Harig formulieren in ihrer Stellungnahme "schwerwiegende Vorbehalte" gegen die Eignung des Kristallingesteins des Lausitzer Granits auf ostsächsischem Gebiet und des Tongesteins im sächsischen Teil Niederschlesiens als mögliche Wirtsgesteine. So wird darauf hingewiesen, dass Ton- und Kristallingestein sowie Steinsalz unterschiedlich geeignet sind und in der internationalen Wissenschaft das Steinsalz aufgrund seiner Eigenschaften als Favorit unter den drei Kandidaten gilt. Laut Bernd Delakowitz ist das Material gut wärmeleitend und reagiert elastisch auf Gebirgsdruck. Dadurch sei es nahezu ausgeschlossen, dass durch sich bildende Risse in ein mögliches Endlager Wasser eintreten kann, das den unkontrollierten Austritt und Transport von Radionukliden begünstigen könnte.

Der als "Lausitzer Block" bezeichnete Gesteinskomplex in den Landkreisen Görlitz und Bautzen ist nach Auffassung der an der Stellungnahme beteiligten Experten zudem kein geschlossener und kompakter Komplex, da die Formation in unterschiedlichen geologischen Zeitaltern entstanden sei.

Unruhe bei Bürgern und Kommunen

Kritisiert wird außerdem, dass noch immer 54 Prozent des Bundesgebietes für die weitere Endlagersuche vorgesehen sind. Dies habe "für große Unruhe und viele Fragen" bei Bürgern und in den Kommunen gesorgt. "Dass die Bevölkerung von etwa der Hälfte der Fläche Deutschlands über viele Jahre in möglichen endlagerhöffigen Teilgebieten mit den dazugehörenden Unsicherheiten leben muss, halten wir deutlich für unsachgemäß", heißt es in dem Papier der beiden Landkreise. Darüber hinaus müsste auch der in den nächsten Jahren an Fahrt aufnehmende Strukturwandel sowie die Nähe zu den polnischen und tschechischen Nachbarn in den Auswahlprozess einbezogen werden.

Lange und Harig kommen zu dem Schluss, dass die in der Stellungnahme formulierten Ausschlusskriterien für die ostsächsischen Gebiete dem Ziel zur Festlegung eines bestmöglich geeigneten Standortes deutlich entgegenstehen. Zu ähnlichen Erkenntnissen waren vor Wochen schon bayerische Kommunen gelangt, die ebenfalls noch zu den infrage kommenden Teilgebieten gehören.

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