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Ungeduld mit schnellen Bahnverbindungen wächst

Im Kreis Görlitz ist man es leid, immer wieder vertröstet zu werden. Jetzt gibt es zwei neue Vorschläge für schnelle Verbesserungen.

Sind demnächst neben den Dieseltriebwagen der ODEG auch Personenzüge mit Elektroloks auf der Niederschlesien-Magistrale unterwegs? Damit könnte es den schnellen Anschluss der Region nach Breslau und Leipzig geben.
Sind demnächst neben den Dieseltriebwagen der ODEG auch Personenzüge mit Elektroloks auf der Niederschlesien-Magistrale unterwegs? Damit könnte es den schnellen Anschluss der Region nach Breslau und Leipzig geben. © André Schulze

Aus der aktuellen Politik hat sich der frühere Landrat Erich Schulze längst zurückgezogen. Doch was er jetzt vorschlägt, könnte ein kräftiger Schub sein für die Bahnanbindung und damit die Verkehrsinfrastruktur der Region. Schulze regt an, die vor ein paar Jahren elektrifizierte Strecke zwischen Hoyerswerda und der polnischen Grenze - die sogenannte Niederschlesien-Magistrale - für den Personenzugverkehr mit E-Loks zu nutzen. Auf diese Weise könnte die Bahn eine Schnellbahnverbindung von Wroclaw nach Leipzig anbieten.

Für den Daubitzer könnte eine solche Verbindung schneller kommen als die jetzt geplanten Elektrifizierungen der Strecken zwischen Berlin und Görlitz sowie Dresden und Görlitz. Diese Projekte, so der ehemalige Landrat, seien bei den derzeit üblichen Planungs- und Baugeschwindigkeiten nur langfristig zu verwirklichen. Zumal bisher eigentlich nur feststeht, dass die Oberlausitzer irgendwann in die Bundeshauptstadt schnell und umweltfreundlich reisen können. Rund 1,5 Milliarden Euro sind für Ausbau und Elektrifizierung vorgesehen. Wann das Geld aus dem Kohleausstiegsfonds verbaut werden kann, ist derzeit noch offen. Genauso unklar ist, wann die Verbindung zwischen Dresden und Görlitz endlich auf der Agenda steht. Aus Strukturwandelgeldern wird diese Elektrifizierung jedenfalls nicht finanziert.

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Von Leipzig bis Breslau mit der Bahn

Dagegen sieht Erich Schulze die Einbeziehung der Trasse von Breslau über Horka und Hoyerswerda nach Leipzig in den regelmäßigen Personenverkehr als nahezu unproblematisch an. Wegen der bereits vorhandenen Infrastruktur sollte es zumindest technisch keinerlei Schwierigkeiten geben. Lediglich in der Bereitstellung der für den grenzüberschreitenden Verkehr notwendigen Zweisystem-Lokomotiven sieht er ein Problem, das sich aber lösen lasse. Denn: Wegen der unterschiedlichen Stromsysteme ist der Güterverkehr bereits mit diesen Loks unterwegs. Auch im Personenverkehr zwischen Berlin und Warschau sowie Prag würden sie schon eingesetzt.

Ginge es nach dem Görlitzer Landrat Bernd Lange, würde baldmöglichst auch die Neißestadt von Schulzes Idee profitieren. Denn Lange will das Teilstück zwischen Horka und Görlitz als erstes im Rahmen der bis Berlin geplanten Elektrifizierung in Angriff nehmen. Dann würden Reisende nach einem Umstieg in Horka ganz schnell ins Landesinnere oder eben nach Polen kommen.

Das Bild auf der elektrifizierten Bahnstrecke ab der deutsch-polnischen Grenze könnte sich wandeln. Der frühere Landrat Erich Schulze schlägt vor, hier auch Personenverkehr mit Elektroloks fahren zu lassen.
Das Bild auf der elektrifizierten Bahnstrecke ab der deutsch-polnischen Grenze könnte sich wandeln. Der frühere Landrat Erich Schulze schlägt vor, hier auch Personenverkehr mit Elektroloks fahren zu lassen. © André Schulze

Der regionale Verkehrsverbund Zvon hält die Einbeziehung der bisher elektrisch ausschließlich von Güterzügen genutzten Strecke in den Personenverkehr durchaus für möglich. Allerdings stellt sich dem Verband schnell die Frage nach der Finanzierung. Für den Nahverkehr wäre der Zvon zuständig, für den Fernverkehr die Bahn selbst.

Fünf Partner für ein Vorhaben

Sollte die Verbindung zwischen Breslau und Leipzig trotz ihrer Länge wie der Nahverkehr aus Steuermitteln finanziert werden, "müssten das alle Partner wollen und für sich definieren, welchen Betrag sie zur Verfügung stellen wollen oder können", sagt die Verbandssprecherin. Dies wäre jedoch alles andere als leicht. Denn immerhin säßen neben dem Zvon auch der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VVB), der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) und schließlich die Woiwodschaft Niederschlesien mit am Tisch. Fünf Partner, die sich einigen müssten.

Dass das durchaus kompliziert werden könnte, zeigt ein Beispiel von der Strecke Hoyerswerda - Görlitz. Hier bestellt der Zvon den Nahverkehr. Und obwohl ein erheblicher Teil der Kilometer im Gebiet des VVO anfällt, bezahlt der Nachbarverband derzeit nichts für seinen Streckenanteil zwischen Hoyerswerda und der Verbandsgrenze bei Uhyst.

Strecke Görlitz-Horka elektrifizieren

Mit Landrat Langes Vorschlag, den Abschnitt zwischen Görlitz und Horka baldmöglich zu elektrifizieren, geht der Zvon dagegen mit. Schon deshalb, weil trotz Strom auf der Niederschlesien-Magistrale aktuell nur mit Dieseltriebwagen bis nach Hoyerswerda gefahren werden kann. Die Weiterführung bis nach Leipzig sehe man eher als Fernverkehr, so die Sprecherin. Der werde sich sowieso nur dort etablieren, wo es elektrifizierte Strecken gibt.

Die Deutsche Bahn bestätigt, dass die bereits elektrifizierte Strecke von der Landesgrenze zu Polen bis Hoyerswerda die technischen Voraussetzungen auch für den Betrieb mit Personenzügen hat. Im Abschnitt Hoyerswerda – Abzweig Särichen fahren bereits heute Züge der Regionalbahn zwischen Hoyerswerda und Görlitz. Aber nicht elektrisch, sondern mit Dieselkraftstoff. Wie das von Erich Schulze angeregte Projekt im Detail aussehen könnte, damit hält sich die Bahn zurück. Eine Bahn-Sprecherin verweist an den Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien. Dieser ist für die Bestellung von Nahverkehrsleistungen zuständig. Eine schnelle neue Verbindung zwischen Leipzig und Wroclaw will die Bahn als Fernverkehrsstrecke offensichtlich nicht einrichten. Nach einer schnellen, unbürokratischen Umsetzung sowohl von Schulzes als auch von Langes Plänen sieht es also nicht aus.

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