merken
PLUS Niesky

Niesky: Stromschlag-Opfer sind außer Lebensgefahr

Am Tag nach dem Unfall am Bahnhof Niesky versuchen die Behörden das Geschehen zu rekonstruieren und ziehen erste Konsequenzen.

Ein Bahnmitarbeiter erdet die Oberleitung am Bahnhof Niesky und macht sie dadurch stromlos. Zwei Jugendliche waren zuvor auf einen Güterwaggon geklettert und erhielten einen Stromschlag und erlitten schwere Verbrennungen.
Ein Bahnmitarbeiter erdet die Oberleitung am Bahnhof Niesky und macht sie dadurch stromlos. Zwei Jugendliche waren zuvor auf einen Güterwaggon geklettert und erhielten einen Stromschlag und erlitten schwere Verbrennungen. © André Schulze

Wie geht es den beiden Jugendlichen, die am Dienstagabend in Niesky einen Stromschlag bekommen haben? Diese Frage beschäftigt nicht nur ihre Familienangehörigen, sondern auch Schulfreunde und Bekannte.

Laut Aussage der Dresdner Klinik sind sie außer Lebensgefahr, ihr Zustand ist stabil. Dennoch sind die Verletzungen schwer und werden die jungen Leute ein Leben lang an diesen Unfall erinnern. Das erfuhr SZ auf Nachfrage bei der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf. Sie hat die Ermittlungen zu diesem Betriebsunfall übernommen, denn er geschah auf Bahngelände, und dafür ist die Bundespolizei zuständig.

VARO Direct
Grüner heizen, Haushaltskasse entlasten
Grüner heizen, Haushaltskasse entlasten

Kunden von VARO Energy Direct können jetzt im Rahmen einer besonderen Aktion viel Geld beim Brennstoffeinkauf sparen.

Keine Mutprobe auf dem Waggon

Die bisherigen Ermittlungen ergeben, dass es sich bei der Klettertour der 17- und 14-Jährigen doch nicht um eine Mutprobe gegenüber ihren Freunden gehandelt haben soll. Vielmehr seien sie aus freien Stücken auf den Waggon geklettert. Dort soll es zu einer Berührung mit der Oberleitung gekommen sein, berichtet Pressesprecher Michael Engler. Zu dieser Erkenntnis gelangt die Bundespolizei, nachdem sie zwei der Jugendlichen als Zeugen vernommen hatte, die mit den beiden Verletzten unterwegs waren.

Aus Sicht der Bundespolizei ist das der erste tragische Unfall mit Elektrizität auf der ausgebauten Niederschlesien-Magistrale seit Freigabe im Herbst 2018 gewesen. Bisher fiel die Bahntrasse nur durch kleine Delikte auf wie spielende Kinder oder Gegenstände auf den Gleisen. Von den Kabel- und Metalldiebstählen mal abgesehen, die hohen Sachschaden an der Bahnanlage nach sich ziehen.

Bahngelände ist kein Spielplatz

Die Deutsche Bahn ist von dem Vorfall schockiert und betroffen, teilt eine Bahn-Sprecherin mit. "Wir können nur an die Öffentlichkeit appellieren, sich nicht leichtsinnig in Gefahr zu bringen. Bahnanlagen sind Privatgelände und keine Abenteuerspielplätze. Jeder Unfall ist einer zu viel!" Denn auf der gesamten Strecke liegen 15.000 Volt Bahnstrom an. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, dem sei gesagt, dass bei einer Berührung der Oberleitung schlagartig eine Temperatur von 30.000 Grad Celsius auftritt.

Das machte am Dienstag die Bergung der beiden Jungs vom Waggon so schwierig. Die Feuerwehr durfte erst an den Güterwaggon, als der Strom vollständig abgeschaltet war. Und das hat eine dreiviertel Stunde gedauert. Denn auch wenn die 15.000 Volt abgeschaltet sind, liegen noch 4.000 Volt an. Erst mit der Erdung der Leitung durch einen Bahnfachmann sind die Fahrdrähte stromlos. Die Bahn sagt, selbst bei einem Abstand von bis zu eineinhalb Metern kann der Strom in einem Lichtbogen überspringen.

Bahn und Polizei setzen auf Prävention

Als Schlussfolgerung aus diesem tragischen Unglück ziehen Bundespolizei und Deutsche Bahn eine verstärkte Präventionsarbeit besonders gegenüber der Jugend. "Gemeinsam mit der Bundespolizei und weiteren Kooperationspartnern unternehmen wir erhebliche Anstrengungen, um auf das richtige Verhalten beziehungsweise die Gefahren an Bahnanlagen aufmerksam zu machen", sagt die Bahn-Sprecherin. Dafür schnürte die Bahn unter anderem Medienpakete wie "Sicher unterwegs mit Oli" und "Olis Chance". Sie wenden sich ausdrücklich an Jugendliche und Kinder.

Das Präventionsteam der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf wird vor diesem Hintergrund erneut in den regionalen Schulen entsprechenden Präventionsunterricht anbieten, dabei insbesondere über Gefahren durch Bahnstrom aufklären. Das berichtet Michael Engler. Bereits im Oktober 2018 war das Präventionsteam in den Schulen dazu unterwegs. An den Jugendlichen aus der Gemeinde Vierkirchen scheint das aber vorbeigegangen zu sein. Sonst hätte es das tragische Unglück am Dienstag in Niesky nicht gegeben.

Mehr zum Thema Niesky