merken
PLUS Niesky

Niesky wirbt im Internet für den Pflegeberuf

Die Pandemie stellt die Berufsfachschule für Pflegeberufe vor neue Herausforderungen. Das ist auch im neuen Ausbildungsjahr so.

Norman Reichert aus Mückenhain und Luise Püschel aus Horka lernen im 2. Lehrjahr den Beruf des Pflegefachmanns beziehungsweise der Pflegefachfrau. Beide üben im Foto einen Kompressionsverband.
Norman Reichert aus Mückenhain und Luise Püschel aus Horka lernen im 2. Lehrjahr den Beruf des Pflegefachmanns beziehungsweise der Pflegefachfrau. Beide üben im Foto einen Kompressionsverband. © André Schulze

Am Mittwoch sollten sich wieder die Türen im Haus Plitt in Niesky öffnen. Dort hat die Berufsfachschule für Pflegeberufe Niesky in Trägerschaft der Diakonissenanstalt Dresden (Diako) ihren Sitz. Doch der Tag der offenen Tür wird nur virtuell stattfinden, am Computer der sich für den Pflegeberuf interessierenden jungen Menschen.

Für die Berufsschule ein Novum in ihrer langjährigen Geschichte, denn dieser Tag ist Tradition in der bis 2015 zur Diakonissenanstalt Emmaus gehörenden Bildungseinrichtung. Schulleiterin Annette Wolff sagt: "Wir haben uns darauf eingestellt und werden unsere Berufsfachschule online vorstellen. Dazu wird eine Kollegin am Mittwoch live gestellte Fragen beantworten."

Anzeige
Familienmodelle der Natur
Familienmodelle der Natur

Steppenzebras, Zebramangusten und Nandus ziehen ihren Nachwuchs ganz unterschiedlich auf.

Schulbesuch nur über das Internet

Eine Entscheidung, die sich die Schulleitung nicht allein ausgedacht hat. Ihr Tag der offenen Tür ist Bestandteil der sächsischen Bildungstage "Schau rein" von Montag bis Freitag kommender Woche. Dahinter verbirgt sich die vom Land Sachsen unterstützte größte Initiative zur Berufsorientierung. Vom Team bildungsmarkt-sachsen.de heißt es dazu: "In keiner anderen Woche des Jahres sind so viele Schüler gleichzeitig auf den Beinen, um Unternehmen von innen kennenzulernen. Vor Ort können sie mit Azubis sprechen, sich praktisch ausprobieren und herausfinden, worauf es bei einer erfolgreichen Bewerbung ankommt."

So war das bisher. Annette Wolff bedauert, dass in diesem Jahr Interessierten nicht die Möglichkeit gegeben ist, sich vor Ort umzuschauen, die Lehrer schon mal kennenzulernen - und auch, dass die Pädagogen nicht den einen oder anderen potenziellen Auszubildenden vorab begrüßen können. Ihnen bleibt nur, das Interesse über das Internet zu wecken. Dazu ist eine Anmeldung über bildungsmarkt-sachsen.de notwendig.

Pfleger für alle Bereiche

60 Ausbildungsplätze stehen in der Nieskyer Fachschule zur Verfügung, aufgeteilt auf drei Jahrgänge. Mit diesem Schuljahr gibt es in Deutschland nur noch die generalistische Pflegeausbildung über drei Jahre. Sie führt die bisherige separate Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammen. Helene Mirle und Faye Pawlik sind zwei der insgesamt 18 Pflegeschüler im ersten Lehrjahr. Die beiden Mädchen und ihre Mitschüler werden zu universell einsetzbaren Pflegekräften ausgebildet.

Das lässt mehr Spielraum für den beruflichen Einsatz. Dennoch sehen Faye und Helene ihre Zukunft in der Krankenpflege, sagen sie übereinstimmend. Der Umgang mit Menschen, ihnen zu helfen und für sie da zu sein, das macht für sie der Pflegeberuf interessant. Dass diese Tätigkeit auch ihre Ecken und Kanten hat, wissen sie aus dem Berufsleben ihrer Eltern. Sowohl von der 17-jährigen Faye als auch von der 20-jährigen Helene arbeiten Mutter und Vater in Krankenhäusern beziehungsweise in einem Altenheim.

Corona ordnet den Unterricht neu

Faye Pawlik aus Niesky und Helene Mirle aus Ober Prauske sind Auszubildende im ersten Lehrjahr. Einen Menschen wiederzubeleben, lernen die beiden Schülerinnen an dieser Reanimationspuppe.
Faye Pawlik aus Niesky und Helene Mirle aus Ober Prauske sind Auszubildende im ersten Lehrjahr. Einen Menschen wiederzubeleben, lernen die beiden Schülerinnen an dieser Reanimationspuppe. © André Schulze

Alle drei Jahrgänge sind gleichermaßen von der Pandemie betroffen. Als das erste Lehrjahr im Oktober Praxisluft schnuppern sollte, kam die zweite Corona-Welle. Maske, Gesichtsschutz und Schutzanzüge gehörten fortan zur Dienstkleidung. Das zweite und dritte Lehrjahr musste sich bereits durch die erste Corona-Welle manövrieren. Ihre Unterstützung gaben die Pflege-Lehrlinge über ihre Ausbildung hinaus, als das Corona-Virus besonders schlimm im "Abendfrieden", dem Nieskyer Altenpflegeheim, tobte.

Die Ausbildung lief ebenso nicht mehr in normalen Bahnen. "Wir mussten uns völlig umstellen, konnten den Unterricht nicht eins zu eins fortführen", berichtet Annette Wolff. Schule zu Hause hieß es auch für die Pflegeschüler. Für Helene Mirle gestaltete sich das schwierig. "Jeder war auf sich allein gestellt, zuerst ging alles nur per E-Mail, bevor wir über das Programm Lernsax unsere Aufgaben erhielten", berichtet die Auszubildende aus Ober Prauske. Letztendlich haben sich die Schüler zu zweit oder zu dritt getroffen, um gemeinsam an den Aufgaben zu arbeiten. Umso glücklicher sind sie jetzt, zusammen in der Klasse wieder lernen zu dürfen.

Zwischenprüfung per Video

Das bestätigen auch Luise Püschel und Norman Reichert. Beide sind 18 und im zweiten Lehrjahr. Denn nicht nur sie mussten sich beim Lernen umstellen, auch ihre Lehrer. "Am Anfang lief alles holprig, aber dann kam Routine rein", sagt Norman. Schulleiterin Annette Wolff hatte zwischendurch das Handicap, dass sie sich in Quarantäne begeben musste, und sich nur per Videoschalte bei ihren Kollegen und Schülern melden konnte. "Sogar die Zwischenprüfungen durfte ich so mit der Prüfungskommission abnehmen. Das wäre früher undenkbar gewesen", sagt die Diplom-Pflegepädagogin.

Nun ist die Aufmerksamkeit auf das neue Ausbildungsjahr gerichtet, dass hoffentlich in einem ruhigeren Fahrwasser seinen Anfang nimmt. Mit dem Schau-rein-Tag per Internet soll das Interesse geweckt werden. Denn noch etwas fehlt den vier Lehrkräften: die Ausbildungsmessen. Denn sowohl die Insidermesse in Löbau als auch die Dresdner Bildungsmesse sind dieses Jahr abgesagt. Auch dort präsentierten sich die Nieskyer.

Mehr zum Thema Niesky