SZ + Niesky
Merken

Eltern stoppen neuen Fahrplan

Landrat Bernd Lange sieht ein, dass im neuen Taktfahrplan nicht alles rund läuft. Hinzu kommt, auch dessen Genehmigung steht noch aus.

Von Steffen Gerhardt
 5 Min.
Teilen
Folgen
Der Schülerverkehr soll auch im neuen Jahr erst einmal so rollen wie bisher.
Der Schülerverkehr soll auch im neuen Jahr erst einmal so rollen wie bisher. © Archiv/André Schulze

Diesen Erfolg können die Elterninitiativen, die sich zum neuen Taktfahrplan an den Schulen gegründet haben, für sich verbuchen. Für ihr Vorhaben, den Fahrplanstart zu verschieben, um anschließend die Umsetzung grundsätzlich zu verbessern, haben die Eltern nicht nur zahlreiche Unterstützer gewonnen, sie konnten sich damit gegenüber dem Landkreis Gehör verschaffen. Neben weiteren Elternvertretern sind inzwischen Schulleiter, Bürgermeister, Kreisräte und Vereine, darunter die Verkehrswacht NOL, der gleichen Meinung wie die Initiative.

Worum geht es? Der Landkreis will wie im südlichen Teil bereits geschehen, den Linienbusverkehr auch im Norden an den Fahrplan der Deutschen Bahn anpassen. So schreibt es das Personenbeförderungsgesetz des Bundes vor. Fahrgäste könnten Bus und Bahn dann schneller und besser nutzen. Denn wie der Name Taktfahrplan bereits sagt, verkehren die Linienbusse im Takt, aller ein oder zwei Stunden von A nach B und wieder zurück.

Was dabei nach Meinung vieler nicht ausreichend bedacht wurde, ist der Schülerverkehr. Gewohnte Strecken und Zeiten fallen weg, die Schüler müssen häufiger umsteigen und mitunter lange auf den Anschlussbus warten. Das sorgt für Unruhe in den Schulen und für Protest bei den Eltern.

Landrat spricht mit den Eltern

Landrat Bernd Lange zeigt sich aufgrund der massiven Proteste inzwischen gesprächsbereit den Eltern gegenüber. Am Dienstag fand eine Beratung zwischen Bernd Lange, den Verantwortlichen seitens des Landratsamtes und ausgewählten Elternvertretern statt. Wie die Initiative "Schulbus-inTAKT!" berichtet, ist die Kernaussage des Landrates, dass der bestehende Fahrplan über den Jahreswechsel hinaus doch noch weitergeführt wird. Somit können die Schulen ihre bisherigen Unterrichtszeiten beibehalten. Zunächst geplante Umstiege an gefährlichen Stellen entfallen damit.

Auf Nachfrage der SZ teilt die Kreisbehörde mit, dass bei dem Treffen alle Probleme und Vorschläge der Eltern ernst genommen und hinreichend diskutiert wurden. Mit dem Resultat, dass erneut eine vollumfängliche Prüfung der geplanten Veränderungen unter Einbeziehung aller beteiligten Stellen vorgenommen wird.

In die Karten spielt den Eltern der Fakt, dass das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) den Fahrplan für das nördliche Kreisgebiet noch nicht genehmigt hat. Kreissprecherin Julia Bjar dazu: "Wann der Taktfahrplan in Kraft treten kann, wird derzeit noch mit der übergeordneten Behörde geprüft." Der Landkreis hatte die Genehmigung bereits für den September erwartet.

Sicherheit der Schüler mehr beachten

Der geplante Taktverkehr und die Schülerbeförderung stehen im Konflikt zueinander. Diese Unvereinbarkeit hat die Elterninitiative in den letzten Wochen mit großem Aufwand herausgearbeitet. Über 50 Problemanzeigen wurden eingereicht. Am Dienstag sagte der Landrat, dass Schüler- und Taktverkehr an einzelnen Stellen vorübergehend parallel fahren müssen, um einen sicheren und reibungslosen Schülerverkehr zu gewährleisten. Die Initiative vertritt den Standpunkt, dass Schüler- und Taktverkehr voneinander zu entkoppeln sind.

Dennoch kann laut Bernd Lange nicht jedes Problem bis ins letzte Detail geklärt werden. Eine regelmäßige, intensive Kommunikation und Zusammenarbeit mit dem zuständigen Dezernat wurde von den Vertretern der Elterninitiative eingefordert und vom Landrat zugesichert. "Uns geht es nicht um eine Verhinderung des Taktverkehrs, sondern um eine zielgruppenorientierte Fahrplangestaltung", sagt die Initiative. Und: Der neue Fahrplan muss den Anforderungen an einen attraktiven Nahverkehr gerecht werden sowie der Schülerbeförderung einen besonders hohen Stellenwert einräumen. Landrat Bernd Lange bestätigte gegenüber den Elternvertretern, dass er die Planung vor seinem Ausscheiden aus dem Amt im Sommer nächsten Jahres auf einem guten Weg wissen will.

Die Linke hofft auf Einsicht

Die Kreistagsfraktion Die Linke begrüßt das Einlenken des Landkreises und dass die Wünsche der Eltern Gehör gefunden haben. Kreisrat und Landtagsabgeordneter Mirko Schulze kritisiert aber, dass diese Meinungsänderung der Kreisbehörde "nicht durch Einsicht, sondern erst durch die faktische Nichteinführbarkeit wegen Genehmigungsverfahren passiert". Denn bis zur letzten Minute wollte der Landrat an der Umsetzung zum 1. Januar festhalten. "Das ist ein bitterer Beigeschmack", so Schulze.

Die Linke bleibt bei der Grundforderung: Der Schülerverkehr muss sich nach den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen richten. Der ÖPNV dagegen nach den Erfordernissen einer sinnvollen und notwendigen Anbindung des ländlichen Raumes, unabhängig von Schul- oder Ferienzeiten. Mirko Schulze bekräftigt, dass das neue Taktbussystem zu einer Verbesserung im Streckennetz des ÖPNV beiträgt. Aber es darf nicht zur Verschlechterung für zahlreiche Schüler führen. "Wir unterstützen jede Initiative, die die Qualität der Haltepunkte verbessert und erwarten vom Landkreis, dass er eine Steuerungsfunktion übernimmt und von den Kommunen, dass sie in die Haltepunkte investieren."

Denn so unvollendet wie der neue Fahrplan ist, sind auch viele Haltestellen in den Dörfern und Städten. Der Landkreis nennt 481 Haltestege, die vordringlich anzupassen sind. Kostenpunkt über zehn Millionen Euro.