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Wieder Brand im Kodersdorfer Sägewerk

Mitten im Betrieb fängt ein Radlader Feuer. Das passiert nicht zum ersten Mal. Die Wehren rücken zum Großeinsatz aus. Doch was ist die Ursache des Zwischenfalls?

Dies war der Blick auf den Holzverarbeiter HS Timber Productions am 31. Juli 2020: Ein Radlader hatte Feuer gefangen. Am Dienstagabend kam es erneut zu einem solchen Zwischenfall.
Dies war der Blick auf den Holzverarbeiter HS Timber Productions am 31. Juli 2020: Ein Radlader hatte Feuer gefangen. Am Dienstagabend kam es erneut zu einem solchen Zwischenfall. ©  Archiv/André Schulze

Dienstagabend, 20.48 Uhr. Ab diesem Moment ist für die Kameraden der Feuerwehren Kodersdorf, Wiesa, Särichen und Horka an Nachtruhe nicht mehr zu denken. Denn was jetzt zählt, ist jede Minute. Ihr Auftrag: Löscheinsatz im größten Sägewerk Sachsens im Kodersdorfer Gewerbegebiet an der A 4.

Dort war kurz zuvor ein Radlader in Brand geraten. "Der war bis dahin ganz normal in Betrieb. Als unser Mitarbeiter die ersten Flammen bemerkte, konnte er sich schnell in Sicherheit bringen", schildert Standortleiter Thomas Kientz das Geschehen. Durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehren - auch der betriebseigenen - hätten weder Personen noch das riesige Holzreservoir des Unternehmens Schaden genommen.

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Wie es zu dem Brand kommen konnte, ist für Kientz momentan nicht klar. Eins aber steht fest: Schon am 31. Juli 2020 gab es auf dem Betriebsgelände von HS Timber Productions einen Radlader-Brand. Auch damals mussten die Feuerwehren der umliegenden Orte ausrücken, um Schlimmeres zu verhindern. Damals wurde der Schaden mit 80.000 Euro beziffert, jetzt soll es ebenfalls eine fünfstellige Summe sein. Für den Kodersdorfer Timber-Chef steht fest, dass es demnächst Gespräche mit der Herstellerfirma geben wird. Im vergangenen Jahr handelte es sich um Volvo. Ob aktuell das gleiche Fabrikat betroffen ist, ist nicht bekannt.

Brandstelle wurde mit Schaumteppich belegt

Als die Kameraden der alarmierten Wehren im Gewerbegebiet eintrafen, stand der Radlader bereits in Vollbrand. "Da war nichts mehr zu retten", schätzt Kodersdorfs Wehrleiter Andreas Flade ein. Die Brandstelle wurde daraufhin mit einem Schaumteppich belegt, das Überschlagen der Flammen auf Holzstapel in der Nähe damit verhindert. Nach etwa eineinhalb Stunden war der Einsatz beendet.

Durch die im Kodersdorfer Sägewerk von HS Timber Productions lagernden riesigen Holzvorräte besteht dort nach Informationen der Feuerwehr immer ein erhöhtes Gefahrenpotenzial.
Durch die im Kodersdorfer Sägewerk von HS Timber Productions lagernden riesigen Holzvorräte besteht dort nach Informationen der Feuerwehr immer ein erhöhtes Gefahrenpotenzial. ©  Archiv/André Schulze

Allerdings haben Alarmierungen, die mit Bränden im Gewerbegebiet verbunden sind, eine besonders hohe Priorität. "Das ist in unserer Ausrückeverordnung verankert", erklärt Flade. Die sei in die Brandstufen I, II und III unterteilt. Stufe I gilt für Kleinbrände. Lodern Flammen bei HS Timber, Borbet & Co. empor, fällt das in die Stufe II. Dies bedeutet, dass mindestens 22 Feuerwehrleute ausrücken müssen - mit den entsprechenden Fahrzeugen. Deren Anzahl richtet sich oft nach der Tageszeit. "Nachts sind die Leute in der Regel alle zu Hause. Da ist es leichter, die Besatzungen zusammenzubekommen. Am Tag fahren wir mit mehr Autos, aber weniger Besatzung raus", erklärt der Kodersdorfer Wehrleiter.

Insgesamt war das Kodersdorfer Gewerbegebiet in den vergangenen Monaten schon mehrmals Ziel der umliegenden Feuerwehren. Der Grund: Überwiegend Fehlalarme. "Es gab Zeiten, da waren wir fast regelmäßig dort. Das hat sich inzwischen etwas gegeben", so Flade. Verursacher sind die Brandmelder beim Leichtmetallfelgenhersteller Borbet. Warum die Geräte anschlagen, wurde bisher trotz ausgiebiger Prüfungen nicht erkannt, aber zumindest die Häufigkeit minimiert. Denn zum einen bekommt Borbet bei jedem Fehlalarm eine Rechnung geschickt. Und zum anderen müssen die Wehren jedesmal genügend Atemschutzgeräteträger zusammenbekommen. Schließlich geht es auch ums Löschwasser. Andreas Flade: "Wir nutzen über- und unterirdisch angelegte Reservoirs. Erst wenn die 200 Kubikmeter Wasser verbraucht sind, zapfen wir das Trinkwassersystem an."

Erhöhtes Gefahrenpotenzial im Gewerbegebiet

Holger Heckmann war beim Radlader-Brand am Dienstagabend mit vor Ort und hat sich in seiner Gefahreneinschätzung des Standortes bestätigt gefühlt. "Von dem brennenden Gerät ging eine enorme Wärmestrahlung aus. Deshalb war es gut, dass wir einen massiven Löschangriff fahren konnten", sagt der für den Raum Niesky zuständige stellvertretende Kreisbrandmeister. Geholfen habe dabei die gute Ortskenntnis der beteiligten Kameraden. "Vor ein paar Wochen haben wir mit den Brandschutzbeauftragten von Borbet und Timber ein sogenanntes 'orientierungstaktisches Studium' durchgeführt. Dabei wurden nicht nur die Lagepläne gezeigt, sondern auch wie die Löschwasserentnahme funktioniert und wo es bestimmte Gefahrenschwerpunkte gibt." Denn in einem Gewerbegebiet der Kodersdorfer Größe seien Brandfälle nie ganz auszuschließen.

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