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Wie das schnelle Internet das Leben einfacher macht

Pflegedienste, Gaststätten, Fuhrunternehmen - überall braucht es in Quitzdorf am See neue Datenleitungen. Dafür gibt es einen ehrgeizigen Plan.

Barbara Standke (links) und Tochter Julia Stoll betreiben einen Pflegedienst an drei Standorten. In ihrem Büro im Seniorenhaus Steinölsa sind sie auf schnelles Internet angewiesen.
Barbara Standke (links) und Tochter Julia Stoll betreiben einen Pflegedienst an drei Standorten. In ihrem Büro im Seniorenhaus Steinölsa sind sie auf schnelles Internet angewiesen. © André Schulze

Wenn sich Barbara Standke im Seniorenhaus Steinölsa an den Computer setzt, dann muss sie mehr Zeit einplanen, als wenn sie die gleichen Arbeiten in Mücka am PC erledigt. In beiden Orten und dazu noch in der Stadt Niesky ist der Pflegedienst Standke präsent. Aber an nur einem Ort steht der zentrale Server des Unternehmens - und das ist in Mücka. Von Niesky und Steinölsa aus erfolgt der Zugriff auf die Daten über das Internet. "In Steinölsa brauchen wir dazu einen langen Atem und viel Geduld, wenn es um größere Datenmengen geht", sagt Barbara Standke.

Ihre Tochter Julia Stoll bestätigt das. Im Privaten ist das nicht anders. Als zweite Geschäftsführerin wohnt sie in Steinölsa und kennt das Dilemma: "Wir haben öfter den Fall, unsere Dienstpläne kurzfristig zu ändern. Das mache ich oft von zu Hause aus. Auch von da ist es zeitaufwendig, eine stabile Verbindung zu unserem Server zu bekommen", berichtet sie. Aber beide Pflegedienstleiterinnen haben jetzt die Hoffnung, dass das lahme Netz bald der Vergangenheit angehört. Ihre Hoffnung schöpfen sie aus einem kleinen Kasten aus Kunststoff, der seit einiger Zeit am Seniorenhaus befestigt ist.

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Hausanschluss ist schon gesetzt

In diesen Hausanschlusskasten wird in einem Monat ein Glasfaserkabel führen, das über einen hauseigenen Router für schnelles Internet im Seniorenhaus sorgen wird. Diese Zusage haben Standkes vom Unternehmen Sachsen Energie bekommen. Die Sachsen Energie AG ist seit Jahresbeginn der neue Firmenname der beiden fusionierten Energieunternehmen Enso und der Dresdner Drewag. Als die Enso-Netz noch eigenständig war, hat sie sich um die vom Landkreis ausgeschriebenen Gebiete (Cluster) zur Breitbanderschließung mit Glasfaserkabel beworben. Von den zunächst neun Clustern im Landkreis wurden vor zwei Jahren vier an die Enso vergeben. Darunter auch das Cluster 5 mit den Gemeinden Hohendubrau, Mücka, Quitzdorf am See und Waldhufen.

Seit bekannt wurde, dass der Landkreis die Breitbanderschließung für die Gebiete übernimmt, die für die großen Telekommunikationsunternehmen zu unwirtschaftlich sind, stellte die Gemeinde Quitzdorf am See ihre eigenen Bemühungen zurück. Nur in Sproitz gelang es in dieser Zeit, zusammen mit der Görlitzer Net Community (NC), das Internet zu beschleunigen. Gastwirt Daniel Theurich ist froh darüber, dass er im Sproitzer Dorfkrug und zu Hause schneller im weltweiten Netz sein kann als die Bewohner der anderen Ortsteile. Dennoch, da das Signal terrestrisch, also über Funk, und nicht über Kabel ins Haus kommt, ist die Leistung sehr witterungsabhängig. "Regnet es stark oder fällt Schnee, dann sinkt die Leistung im Netz", ist Theurichs Erfahrung.

Die Gaststätte im Internet

Auf eine schnellere Datenleitung wartet auch Susanne Hoppenz. Sie führt die Gaststätte "Zur Hohen Dubrau" in Steinölsa. "Wir wollen unsere Gaststätte gern im Internet zeigen auf einer eigenen Homepage", sagt die junge Frau. Aber die gegenwärtig anliegende 2.000er Leitung macht die Pflege einer solchen Seite zu einem zeitraubenden Abenteuer. Steht die Seite, dann könnte die Essenbestellung und Platzreservierung darüber erfolgen. "Bisher greifen wir zu Stift und Buch und notieren uns die Wünsche unserer Gäste", sagt Frau Hoppenz. Auch wenn die Gaststätte geschlossen ist, die Essenbestellungen kommen weiter, aber sie gehen jetzt alle außer Haus.

Viel mehr als nur Essen zu bestellen wickelt Katja Schmidt am Betriebssitz von Teich-Trans in Steinölsa übers Internet ab. Das Fuhrunternehmen zählt 40 Angestellte. Ihre Einsätze, die Fahrten und die zu transportierenden Güter sind zu planen. Aber wie kann das bei geringer Netzstärke und kaum Handy-Empfang im Betriebsgelände funktionieren? "Wir brauchen dringend eine starke Leitung, denn die Arbeit verlagert sich immer mehr hin zu online", sagt Mitarbeiterin Katja Schmidt. Derzeit arbeitet Katja Schmidt im Homeoffice und muss von zu Hause aus vieles disponieren. Zu oft und zu lange sieht sie den Wartekreisel auf ihrem Bildschirm bevor sich eine Seite aufbaut.

Gezogene Glasfaserkabel und Verteilerkästen künden in Petershain davon, dass die moderne Breitbanderschließung im Ort vorangeht.
Gezogene Glasfaserkabel und Verteilerkästen künden in Petershain davon, dass die moderne Breitbanderschließung im Ort vorangeht. © André Schulze

In Petershain sieht das nicht anders aus. "Wenn du dich nicht selbst kümmerst, hast du für dein Geschäft schlechte Karten", sagt Ines Kittner von der gleichnamigen Teichwirtschaft. Um geschäftlich auf dem Laufenden zu sein, haben sich Kittners einen Giga Cube angeschafft, der sie schnell und zuverlässig ins Internet bringt. Dazu braucht es nur eine Streckdose und W-Lan. Aber so ein Gerät kostet je nach Datenvolumen zwischen 35 und 75 Euro im Monat. Umso mehr hoffen Kittners, dass auch sie bald einen Glasfaseranschluss haben. Der Bautrupp ist dafür im Ort unterwegs.

Erschließung bis zum Juli

Ziel von Sachsen Energie ist, die Gemeinde Quitzdorf am See bis Juli am Glasfasernetz zu haben. Konkret sieht der Plan so aus: Petershain Süd (vor der Bahnlinie) und Sproitz, Am Quarzitwerk, bis Ende März; Horscha bis Ende April; Steinölsa und Kollm (Jahmener Weg) bis Mai und schließlich Petershain Nord bis Juli. Zum Stand der Arbeiten im Cluster 5 sagt Unternehmenssprecherin Nora Weinhold: "Auf 62 Kilometern Trassenlänge sind die Leerrohre bereits verlegt. Das entspricht rund 63 Prozent der notwendigen Gesamttrasse. Damit liegen wir im Plan." Die ersten Hausübergabepunkte sind in Petershain bereits installiert, weitere folgen in den nächsten Wochen.

Für die Erschließung des Clusters 5 mit seinen vier Gemeinden stehen knapp acht Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung. Über alle Cluster hinweg hat die Enso-Netz 18 Rahmenvertragsfirmen und drei Ingenieurbüros mit einem Gesamtauftragsvolumen von knapp 35 Millionen Euro gebunden. Nora Weinhold bittet die Nutzer der neuen Anschlüsse um Geduld: "Zuschalten können wir die einzelnen Hausanschlüsse erst, wenn das Ortsnetz komplett fertig ist." Katja Schmidt von Teich-Trans sieht das optimistisch: "Wir mussten so lange darauf warten, da kommt es auf die paar Wochen auch nicht mehr an." Sie knüpft daran ihre Erwartung, dass dann mit einem Schlag alles schneller im Internet gehen wird.

Informationen zum Glasfaseranschluss finden Interessenten unter www.enso.de/glasfaseranschluss. Informationen rund um den Wechsel zum Glasfaser-Internet gibt es unter www.enso.de/mitglasfasersurfen.

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