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Noch keine Entscheidung zur Spreer Brücke

Rothenburg schlägt vor, die kaputte Brücke durch eine andere aus dem Dorf zu ersetzen. Die Gemeinde will darüber beraten. Die Zeit ist aber begrenzt.

Die kleine Fußgängerbrücke über den Weißen Schöps in Spree ist schon lange gesperrt und deshalb Streitthema im Dorf und im Gemeinderat Hähnichen.
Die kleine Fußgängerbrücke über den Weißen Schöps in Spree ist schon lange gesperrt und deshalb Streitthema im Dorf und im Gemeinderat Hähnichen. © André Schulze

Der Streit über die desolate Fußgängerbrücke in Spree geht in seine nächste Runde. Ihr Zustand lässt nur einen Abriss zu, die Anwohner haben dazu eine andere Meinung. Nun bringt die Stadt Rothenburg einen ganz anderen Vorschlag in die Brücken-Diskussion.

Dass die bisherige Brücke am Kirchsteig baulich nicht mehr haltbar ist, bestätigt Rothenburgs Fachbereichsleiterin Marlen Kolodziej. 2012, 2017 und 2020 wurde jeweils von einem Sachverständigungen die Prüfung der Brücke vorgenommen. Anhand seiner Benotung von 3,5; 3,8 und zuletzt 4,0 zeigt es sich, dass sich der Zustand der Brücke maßgeblich verschlechterte und sie ein Sicherheitsrisiko geworden ist. "Es bleibt nur noch der Rückbau", schlussfolgert Marlen Kolodziej aus den vorliegenden Tatsachen. Dazu kommt, dass die für die Brücke verwendeten Holzbohlen als Sondermüll zu entsorgen sind, da sie mit einer ölhaltigen Flüssigkeit getränkt sind.

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Holzbrücke umsetzen

Die Bau-Fachbereichsleiterin hat aber auch einen praktischen Vorschlag für die Spreer parat, wie sie weiterhin "ihre Brücke" über den Weißen Schöps nutzen können. Indem an ihrer Stelle eine andere Brücke gesetzt wird, die sich in unmittelbarer Nähe zu der kaputten Brücke befindet. Es ist eine Holzbrücke für Fußgänger, die ebenfalls den Weißen Schöps überspannt und aus dem Jahr 2002 stammt. Sie könnte den Platz der desolaten Brücke einnehmen, erklärte Frau Kolodziej im jüngsten Hähnichener Gemeinderat. Demzufolge müsste die Holzbrücke zurück gebaut und an der neuen Stelle wieder aufgebaut werden, samt Uferfundamenten. Fachlich ausgedrückt heißt das, dass das Brückenbauwerk (BBW) 2 in Spree das BBW 3 ersetzen soll.

Zwar wurde die Holzbrücke erst vor knapp 20 Jahren neu gebaut, aber spätere Überprüfungen haben gezeigt, dass sie zu tief über den Schöps gesetzt wurde und bei einem möglichen Hochwasser zum Hindernis wird. Der zweite Grund ist, dass ein öffentlicher Weg zwar bis an die Brücke führt, dahinter aber Privatgelände ist. Zwar wird das Benutzen der Brücke und den sich anschließenden Weg geduldet, aber es gibt keine Rechtssicherheit dafür, argumentiert die Stadt Rothenburg, die die Verwaltungsaufgaben für Hähnichen übernommen hat.

Baufirma ist bereits vor Ort

Alternativ könnte diese nur wenige Meter entfernte Holzbrücke die desolate Brücke am Kirchsteig ersetzen. Eine Baufirma stünde dafür bereit, aber nicht mehr lange.
Alternativ könnte diese nur wenige Meter entfernte Holzbrücke die desolate Brücke am Kirchsteig ersetzen. Eine Baufirma stünde dafür bereit, aber nicht mehr lange. © André Schulze

Was ebenfalls nicht unerheblich ist: Das Umsetzen der Brücke würde die Gemeinde nur einen Bruchteil von dem kosten, was ein Brückenneubau verschlingt. Die Rede ist von rund 15.000 Euro. Denn Spree hat bereits eine Baufirma im Ort, die die Straßenbrücke über den Weißen Schöps neu errichtet. Mit ihrer Technik könnte die Holzbrücke ihren Standort wechseln. "Dazu müsste sich die Gemeinde aber bis Oktober entschieden haben, denn solange läuft der Brückenbau noch", sagte Marlen Kolodziej zu den Gemeinderäten.

Zu einer Entscheidung ist es in dieser Ratssitzung nicht gekommen. Bürgermeister Matthias Zscheile verwies das Thema in den Technischen Ausschuss. Er soll in seiner nächsten Beratung den Rothenburger Vorschlag prüfen und auch die Möglichkeiten, die die Gemeinde noch hätte, um wieder eine begehbare Fußgängerbrücke in diesem Bereich zu bekommen.

Brücke noch einmal prüfen lassen

Von den zahlreich anwesenden Spreern wurde der Vorschlag zwiespältig aufgenommen. Zwar wäre den Anwohnern am Kirchsteig geholfen, damit ihre Schulkinder wieder sicher zum Bus und zurück laufen können. Benachteiligt fühlen sich aber jetzt die Einwohner, die an der Holzbrücke wohnen und sie bisher als Übergang genutzt haben. Das selbsternannte Brückenkomitee, bestehend aus Anwohnern, gab dem Gemeinderat einen anderen Vorschlag mit, wie Wolfgang Liebig erläuterte: Ein gelernter Brückenbauer soll die Brücke überprüfen, ob sie wirklich nicht mehr für die Spreer tragbar ist. Wenn eine Reparatur möglich ist, sollte diese erfolgen und die Brücke nur noch für Fußgänger und Radfahrer passierbar sein. Denn bis zur ihrer Schließung durch die Gemeinde passte auch ein Auto darüber. Dafür müsste ihre offizielle Breite von 2,17 Metern auf eineinhalb Meter begrenzt werden. Falls keine Reparatur mehr erfolgreich ist, dann plädiert das Brückenkomitee für einen Neubau im nächsten Jahr. "Wir sollten bedenken, dass auch der Abriss der Brücke die Gemeinde Geld kostet und daher nichts unversucht lassen, die Brücke zu erhalten", so Wolfgang Liebig.

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