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Wie das Bürgerhaus Kurzarbeit vermeiden will

Das Nieskyer Hotel und Restaurant hatte die Corona-Rückschläge gerade wieder ausgeglichen. Da kommen die neuen Einschränkungen besonders ungelegen.

Chris Bannat ist Koch in der Küche im Bürgerhaus in Niesky. Er bereitet das Essen für die Lieferung vor.
Denn seit dieser Woche dürfen die Speisen nur noch außer Haus gegeben werden. Das Restaurant ist geschlossen.
Chris Bannat ist Koch in der Küche im Bürgerhaus in Niesky. Er bereitet das Essen für die Lieferung vor. Denn seit dieser Woche dürfen die Speisen nur noch außer Haus gegeben werden. Das Restaurant ist geschlossen. © André Schulze

Ganz viel Gans sollte es am 11. November zum traditionellen Martinsgansschmaus im Bürgerhaus Niesky geben. Dieses Angebot hätte wieder für eine volle Gaststätte gesorgt, ist sich Geschäftsführer Jörg Kalbas sicher. Aber nun erfolgt der Schmaus zu Haus', denn seit Montag sind Gaststätte und Saal aufgrund der neuen Corona-Maßnahmen geschlossen. Alle Veranstaltungen bis Jahresende sind abgesagt, beziehungsweise auf 2021 verschoben. 

"Wir bieten die Martinsgans für den Verzehr daheim an. Die Leute können sich ihr bestelltes und fertiges Gericht abholen oder anliefern lassen", erklärt Kalbas den "Plan B", nach dem nun verfahren wird. Die Selbstabholung ist an dem Tag von 11 bis 13 Uhr und von 17 bis 19 Uhr möglich. Das betrifft aber nicht nur die Martinsgans. "Gern bieten wir unseren Kunden weiterhin unseren Liefer- und Abholservice für das tägliche Mittagessen von Montag bis einschließlich Sonntag an", sagt der Geschäftsführer. Er meint damit die Gäste, die sonst ihr Mittagsmahl im Bürgerhaus einnehmen, aber auch die Bürger, die sich das Essen auf Rädern bestellen. Das läuft alles weiter wie bisher.

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Schulen müssen offen bleiben

Muss auch. Denn der Außer-Haus-Verkauf von Speisen und Getränken ist für den Monat November einmal mehr ein wichtiges Standbein. Ein großer Vorteil ist, dass die Schulspeisung weiterläuft, solange keine Schulen geschlossen werden. In diesem Jahr ist ein neuer großer Essenabnehmer dazugekommen: das Nieskyer Gymnasium. "Bleiben uns die Essenteilnehmer, Einrichtungen und Schulen erhalten, können wir auch das Personal weiter beschäftigen." 

Jörg Kalbas' große Sorge: Wenn auch diese Einrichtungen schließen müssen und damit die Zahl der Essen sinkt, müssten die Mitarbeiter wieder in Kurzarbeit gehen. So wie es von April bis August der Fall gewesen ist. Aber jetzt zum Monatsanfang will Kalbas erst noch abwarten, wie sich die Lage gestaltet und es eventuell weitere Unterstützungen beziehungsweise Zuschüsse vom Bund oder Land gibt. Kurzarbeit soll nur im äußersten Fall greifen. Zuvor gibt es Überlegungen, das Personal, aus den von der Schließung betroffenen Abteilungen, in anderen Bereichen des Unternehmens einzusetzen.

Geöffnet ist weiterhin der Bürgerhaus-Imbiss in der Muskauer Straße, Ecke Zinzendorfplatz. Mit Verweilen und dort essen ist es zwar vorbei, aber von 11.30 bis 13 Uhr besteht weiterhin die Möglichkeit, sich seine Mittagsportion abzuholen. Daran will das Bürgerhaus festhalten, denn das Geschäft dort läuft recht gut und wird von den Bürgern sehr positiv angenommen.  

Hotel kann Ausfälle kompensieren

Wirtschaftlich und örtlich eng mit dem Bürgerhaus verbunden ist das Hotel. Was die Auslastung betrifft, sah es in den vergangenen drei Monaten sehr gut aus. "Uns ist es gelungen, die Ausfälle durch Corona von April bis Juni zu kompensieren. Aber das wird jetzt der November zunichte machen", berichtet Jörg Kalbas als Geschäftsführer der Bürgerhaus GmbH zu der auch das Hotel zählt. Nun setzt die Gesellschaft mit ihren 34 Angestellten, davon zwei Lehrlinge,  darauf, dass wenigstens Geschäftsreisende, die Bautrupps von der Bahn sowie Handwerker als Übernachtungsgäste bleiben. Die privaten Buchungen, meist über das Wochenende, sind weitgehend storniert, neue kommen nicht dazu. Das Hotel soll aber im Rahmen der behördlichen Anordnungen geöffnet bleiben. 

Ein drittes Standbein der Bürgerhaus GmbH ist die Versorgung im Freizeitpark Niesky mit Waldbad und Eisstadion. Hier konnten die Umsatzerwartungen nicht ansatzweise erfüllt werden, so Kalbas. Denn das Waldbad öffnete verspätet und es durften nur maximal 261 Badegäste sich zeitgleich aufhalten. Das erneute Herunterfahren des öffentlichen Lebens verdarb nun auch das Wintergeschäft, denn im Eisstadion finden aktuell weder Eishockeyspiele mit Publikum noch das sehr beliebte freie Eislaufen statt. 

Der November bringt Verluste nicht nur für das Bürgerhaus. Auch dem nebenstehenden Hotel fehlen die Gäste.
Der November bringt Verluste nicht nur für das Bürgerhaus. Auch dem nebenstehenden Hotel fehlen die Gäste. © SZ/Steffen Gerhardt

2019 war ein sehr gutes Jahr

Das sah vor einem Jahr ganz anders aus, wie aus dem jetzt vorgelegten Jahresabschluss von 2019 hervorgeht. Vergangenes Jahr erzielte die Bürgerhaus-Gesellschaft einen Umsatz von rund 1,5 Millionen Euro. Das waren nicht nur 20 Prozent über der ursprünglichen Planung, sondern über 100.000 Euro mehr zum Jahr 2018. 

Dennoch bleibt das Bürgerhaus aus kaufmännischer Sicht ein Verlustgeschäft, das durch die Unternehmensmutter Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) jährlich aufgefangen wird. Vergangenes Jahr waren es 281.000 Euro, die die GWG zuschießen musste. Die Geschäftsführung hatte mit einem Minus von 462.000 Euro gerechnet.

So gesehen ist es ein gutes Ergebnis, weil höhere Kosten für Personal wie Mindestlohnangleichung, Wareneinkauf und Energie dazugekommen sind. Das zeigt sich im Vergleich zu 2018: Da betrug das Minus 277.000 Euro, also nur 4.000 Euro weniger. 

Solche Zahlen werden in diesem Jahr nicht zu halten sein. Allein das dritte Quartal 2020 brachte dem Bürgerhaus, trotz aller Bemühungen, einen Umsatzrückgang von rund 20 Prozent im Vergleich zum gleichen Quartal im Vorjahr. Und ob das Bürgerhaus samt Hotel auf das Weihnachtsgeschäft setzen kann, darüber will weder die Stadt Niesky als alleinige Gesellschafterin noch die Geschäftsführung eine Prognose abgeben. 

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