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Kurzarbeit in Nieskys Bürgerhaus

Bis August sind alle Veranstaltungen abgesagt. Das Essen-to-go-Angebot kann die Verluste nicht ausgleichen.

Koch Chris Bannat und Tino Beck verladen das Mittagessen vom Bürgerhaus in die Fahrzeuge. Die Küche lebt weiterhin vom Geschäft außer Haus.
Koch Chris Bannat und Tino Beck verladen das Mittagessen vom Bürgerhaus in die Fahrzeuge. Die Küche lebt weiterhin vom Geschäft außer Haus. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Es wird wieder mehr gekocht im Bürgerhaus Niesky. Seit die Abschlussklassen und die Grundschüler wieder in die Schulen dürfen, ist auch der Bedarf an Mittagessen gestiegen. Dennoch ist das Bürgerhaus noch weit davon entfernt, was in normalen Zeiten an Schulen und Kindereinrichtungen ging. Da waren es täglich zwischen 500 und 600 Portionen. Jetzt ist es nur noch ein Viertel davon.

Es ist nicht nur die Schulspeisung, die merklich eingebrochen ist, auch die Mittagsversorgung im Haus in Form des Kantinenbetriebes ist wieder bei null. Zudem kommen weniger aus den Betrieben und Einrichtungen ins Bürgerhaus, um ihr Essen zu holen. "Dass in vielen Bereichen Unternehmen Homeoffice oder eine Tätigkeitsverlagerung angesagt ist, das bekommen wir zu spüren", sagt Kalbas.

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Um so mehr setzt das Bürgerhaus auf Außer-Haus-Lieferungen. Zwei Kleintransporter sind täglich unterwegs. Zudem ist die Essenausgabe in der Muskauer Straße gut frequentiert, holen sich viele Nieskyer und die noch Berufstätigen in der Stadt dort ihre Mahlzeit ab. Dennoch kam Geschäftsführer Jörg Kalbas nicht umhin, für die Bürgerhaus-Gesellschaft ab Januar wieder Kurzarbeit anzumelden. "Betroffen sind davon alle Bereiche. Neben der Küche auch das Restaurant und das Hotel."

Veranstaltungen fehlen dem Bürgerhaus

Bis zum Dezember lief es trotz der Einschränkungen noch gut. Auch wenn das Weihnachtsgeschäft nur auf Sparflamme lief, das Angebot - Speisen zum Abholen - wurde von den Menschen sehr gut angenommen. Es gab was zu tun und keiner von der Belegschaft war von Kurzarbeit betroffen. Der Jahresbeginn zeigte sich dagegen sehr ernüchternd, vor allem, was geplante Veranstaltungen betraf. Ausgefallen ist nicht nur der Neujahrsempfang der Oberbürgermeisterin, der alljährliche Pferdeball, sondern auch verschiedene Faschingsveranstaltungen der Karnevalisten. Über die Jahre sind das feste Größen gewesen - auch, was die Einnahmen betrifft. Schaut Jörg Kalbas auf das Jahr, so wird das aus seiner Sicht "sehr bedenklich" werden. Bis August sind erst einmal alle geplanten Veranstaltungen abgesagt beziehungsweise abgesagt bzw. in das letzte Jahresdrittel verlegt worden. Aber auch Seminare und Schulungen, die Firmen und Einrichtungen regelmäßig im Bürgerhaus durchführen, sind auf nicht absehbare Zeit verschoben oder ganz aufgehoben.

Bürgerball auf September verschoben

Betroffen davon ist auch der Nieskyer Bürgerball. Dieser sollte bereits im März vor einem Jahr stattfinden, wurde wegen Corona auf den September verschoben. Als zu dieser Zeit wieder mit Einschränkungen gelebt werden musste, legte die Arbeitsgruppe den März dieses Jahres als neuen Termin fest. Aber auch da wird es aus heutiger Sicht noch keine großen Veranstaltungen geben dürfen, so dass nun der 18. September hoffentlich der Tag ist, an dem die Folgeveranstaltung der beliebten Nieskyer Sportgala zum ersten Mal stattfinden kann.

Der Bürgerball ist aktuell die erste Veranstaltung, die im Programm für 2021 des Bürgerhauses steht. Gefolgt vom "Maria Chron - Festival der Travestie" am 9. Oktober und "Lieder vom Wolgastrand" mit Ronny Weiland am 17. November. Ronny Weiland sollte bereits im vergangenen November auftreten. Sein Konzert soll nun ein Jahr später nachgeholt werden.

Ein Drittel weniger Umsatz

Jörg Kalbas rechnet damit, dass das Bürgerhaus, einschließlich Hotel, für das vergangene Jahr rund 30 Prozent weniger Umsatz als geplant in den Büchern stehen hat. Ob der einkalkulierte Zuschuss von 450.000 Euro vom Mutterunternehmen Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft wirklich zu zahlen ist, steht noch nicht fest. Denn nicht nur die Einnahmen sind geschrumpft, auch die Ausgaben haben sich verringert. "Wir hatten Kurzarbeitergeld beantragt und finanzielle Hilfe vom Bund in Anspruch genommen", erklärt der Geschäftsführer. Welchen Betrag diese ausmachen steht noch nicht fest, da die Gesellschaft noch nicht alle beantragten Zuschüsse hat. "Beides sollte aber helfen, uns auf der Kostenseite für das vergangenen Jahr etwas zu entlasten."

Aber wie es dieses Jahr weitergeht, ist für den Geschäftsführer noch sehr in Nebel gehüllt. Auf alle Fälle wurde dem Bürgerhaus das Kurzarbeitergeld bis Ende Mai bewilligt. Insgeheim hofft Jörg Kalbas, dass es zu Ostern mit der Gastronomie wieder aufwärts geht und der Restaurantbetrieb anlaufen kann. Auch das Hotel wartet darauf, nicht nur Geschäftsreisende und Arbeiter auf Montage empfangen zu dürfen. Letztendlich wäre das ein Schub für die Motivation der Mitarbeiter in Küche, Restaurant und Hotel. "Unsere Mitarbeiter sind mit großem Einsatz dabei, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Aber irgendwann ist der Punkt da, an dem wir uns Normalität zurück wünschen", berichtet Jörg Kalbas. Letztendlich entscheidet aber die Politik darüber.

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