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Super-Wahljahr im Neißeland

Am 12. Juni werden in 13 Orten neue Bürgermeister gesucht. Ob sie haupt- oder ehrenamtlich agieren, steht noch nicht überall fest.

Von Constanze Junghanß & Steffen Gerhardt & Frank-Uwe Michel
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Nicht alle der derzeitigen Bürgermeister stellen sich ihrer Wiederwahl in diesem Jahr.
Nicht alle der derzeitigen Bürgermeister stellen sich ihrer Wiederwahl in diesem Jahr. © SZ/Archiv; Montage: SZ/Bildstelle

In 207 sächsischen Gemeinden finden in diesem Jahr Bürgermeisterwahlen statt, allein im Landkreis Görlitz sind es 31. Auch im Neißeland sind etliche Kommunen davon betroffen. Die SZ gibt einen Überblick, wie die Situation in den einzelnen Orten ist. Denn spannend ist nicht nur, ob die Amtsinhaber wieder antreten und ob es Herausforderer gibt. Kleinere Gemeinden bis 5.000 Einwohner müssen auch entscheiden, ob sie künftig ehren- oder hauptamtlich geführt werden wollen. Die neue Sächsische Gemeindeordnung lässt den Kommunen die Freiheit, selbst darüber zu befinden.

Rothenburg: Im Rathaus gibt's eine Wachablösung

Zwei Amtsperioden wird Heike Böhm vollendet haben, wenn die Rothenburger am 12. Juni zur Wahlurne gerufen werden. Auf der Kandidatenliste ist die 57-Jährige dann jedoch nicht mehr zu finden. "Ich trete aus persönlichen Gründen nicht mehr an." Sie blickt mit Stolz auf die vergangenen 14 Jahre. Vor allem in die jetzt angeschobenen Großprojekte Oberschule und Mehrzweckhalle hat sie viel Kraft gesteckt. "Deshalb wäre ich gern noch dabeigewesen, wenn sie eingeweiht werden." Aber man könne eben nicht alles haben. Das Band durchschneiden bleibt so ihrem Nachfolger vorbehalten. Als erster hat sich Philipp Eichler - 2019 mit 21 Jahren Sachsens jüngster Fleischermeister - aus der Deckung gewagt. Als Parteiloser sitzt er für die CDU bereits im Stadtrat.

Horka: Bleibt die Gemeinde eigenständig?

Auch in Horka tritt der langjährige Amtsinhaber nicht mehr an. Nach 32 Jahren als Bürgermeister geht Christian Nitschke in den Ruhestand. Sein Ausscheiden wirft allerdings zwei Fragen auf: Wird Horka künftig - wie bisher - ehrenamtlich geführt? Und wird es für den Ort überhaupt eigenständig weitergehen? Über beides muss der Gemeinderat noch diskutieren. Am 19. Januar geht es erst einmal um die Hauptamtlichkeit. Während der scheidende Rathauschef die Zukunft der Gemeinde weiterhin in der Selbstständigkeit sieht, spricht sich ein Teil des Gemeinderates für eine Eingemeindung nach Kodersdorf aus. Doch ehe die Einwohner beider Orte darüber nicht in einem Bürgerentscheid befunden haben, passiert in dieser Frage nichts.

Kodersdorf: Amtsinhaber sieht weiteres Potenzial

Seit September 1993 ist René Schöne im Amt. Und er würde das gern weitere sieben Jahre sein. Denn obwohl sich Kodersdorf unter seiner Leitung zu einem Wirtschaftsanker im Landkreis entwickelt hat, gibt es seiner Meinung nach noch viel zu tun. Rund 15 Millionen Euro werden demnächst investiert - in Ärztehaus, Kläranlage, Spiellandschaften, Dorfgemeinschaftshaus, Wohngebiet, neue Kita und vieles mehr. Ob Schöne dies - wenn er gewählt wird - künftig als hauptamtlicher Bürgermeister begleiten kann, darüber entscheidet der Gemeinderat im Februar. Eine Fusion mit Horka wird aus Kodersdorfer Sicht vor der Wahl voraussichtlich nicht mehr zur Debatte stehen. Einen Mitbewerber hat René Schöne vorerst nicht.

Mücka: Gewählt wird erst im Oktober

In der Gemeinde Mücka steht in diesem Jahr gleichfalls die Wahl eines neuen Bürgermeisters an. Aber nicht im Turnus, wie in den anderen Kommunen, sondern frühestens im Oktober. Bürgermeister Uwe Blättner begründet das mit seinem Amtsantritt zum 1. Januar 2016. Demzufolge fängt die nächste Amtszeit erst am 1. Januar 2023 an. Uwe Blättner möchte gern als Bürgermeister weiter für die Gemeinde aktiv sein, deshalb stellt er sich der Wiederwahl. Das steht für den Förstgener bereits fest. Über weitere Kandidaten ist noch nichts bekannt. Ob dieses Amt weiter ehrenamtlich geführt wird, oder Mücka dann einen hauptamtlichen Bürgermeister hat, darüber hat die Diskussion im Gemeinderat jetzt erst begonnen.

Hohendubrau: Bürgermeister bleibt ein Ehrenamt

In Hohendubrau hat der Gemeinderat bereits in seiner Sitzung am Montag entschieden: Das Bürgermeisteramt bleibt ein Ehrenamt. Mit acht Ja-, drei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen fiel der Beschluss eindeutig aus. Ein Argument dafür war, dass die Aufgaben für einen Hauptamtlichen nicht mehr werden, nur die finanziellen Aufwendungen für sein Gehalt. Und das sollte lieber für Gemeindebelange ausgegeben werden. Hohendubrau wählt am 12. Juni. Ob Denis Riese sein Amt fortsetzen möchte und wieder kandidiert, das ließ sich vom Bürgermeister am Montag nicht entlocken. Seine Entscheidung wird er am Tag der Wahlbekanntmachung öffentlich machen, sagte er. Das wird aber erst am 14. März sein. Dann steht auch fest, ob es weitere Bewerber für den Sitz im Gemeindeamt geben wird.

Waldhufen: Noch alles offen

Ob es Horst Brückner als einer der dienstältesten Bürgermeister im Landkreis und eigentlich schon Rentner noch einmal wissen möchte, lässt er mit einem Schmunzeln offen. Am 12. Juni ist auch Waldhufen aufgerufen, seinen Bürgermeister neu zu wählen. Ob der Name Horst Brückner auf dem Wahlschein stehen wird, darauf will sich der Thiemendorfer noch nicht festlegen. Das ist auch davon abhängig, ob Waldhufen künftig einen hauptamtlichen Bürgermeister hat oder es bei einem im Ehrenamt bleibt. Die Entscheidung muss der Gemeinderat noch treffen. Gegenwärtig sind die Räte dabei, sich ihre Meinung darüber zu bilden.

Schöpstal: Amtsinhaber will weitermachen

FDP-Mann Bernd Kalkbrenner will wieder kandidieren. Er lenkt die Geschicke der Kommune seit 2001, ist im Schöpstal aufgewachsen und seinem Heimatort eng verbunden. Der Doppelhaushalt 2021/22 ist nicht für einen hauptamtlichen Bürgermeister ausgerichtet. Deshalb bleibt es wohl bei der Ehrenamtlichkeit. Über weitere Kandidaten ist Kalkbrenner nichts bekannt. Ihm ist wichtig, dass Schöpstal weiter familienfreundlich und lebenswert bleibt - mit Kindertagesstätten und Grundschule. „Dazu gehört eine intelligente Verkehrsplanung nebst Straßenbeleuchtung“, sagt er. Als Aufgabe sieht der Bürgermeister die Flächenneuordnung für künftige Wohnstandorte und die gewerbliche Entwicklung.

Königshain: Der ewige Bürgermeister hört auf

Siegfried Lange dürfte zu den dienstältesten Bürgermeistern im Kreisgebiet zählen: 1993 übernahm er diesen Posten zusätzlich als Bürgermeister von Mengelsdorf - das später nach Reichenbach eingemeindet wurde. Nun macht er Platz für einen Nachfolger. Wer kandidiert, steht aber nicht fest. Öffentlich habe sich, so der Rathauschef, dazu noch niemand geäußert. Ob das Amt weiter ehren- oder künftig hauptamtlich geführt werden soll, darüber entscheidet demnächst der Gemeinderat. Herausforderungen in seinem Ort sieht Siegfried Lange noch genug. Da ist die Weiterentwicklung des Schlossareals, die Anschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeugs, die Erschließung des Granitabbaumuseums mit Frisch- und Abwasser und der Anbau an die Sportlerklause.

Markersdorf: Hauptamtlich geht es in die Zukunft

Thomas Knack will es erneut wissen. Nach 20-jähriger Amtszeit kandidiert er in Markersdorf noch einmal als Bürgermeister. „Ich denke, dass uns die Auswirkungen der Coronapandemie in Zukunft noch sehr stark beschäftigen werden. Auch das Thema kommunale Zusammenarbeit als Aufgabenverteilung wird für die Kommunen im ländlichen Raum wichtiger werden“, sagt er. Dafür müsse eine Eingemeindung nicht immer Vorrang haben. Werden außer ihm noch andere Kandidaten den Hut in den Ring werfen? Thomas Knack hofft darauf, wie er sagt. Einige Anfragen habe es im Rathaus dazu bereits gegeben. Fest steht unterdessen: Auch in Zukunft wird der Markersdorfer Bürgermeister hauptamtlich arbeiten.

Reichenbach: Carina Dittrich tritt erneut an

2015 gewann die Sohländerin die Stichwahl knapp vor drei weiteren Kandidaten. Auch 2022 wird sie wieder antreten. Zwar gibt es aktenkundig derzeit noch keine weiteren Bewerber. Doch Carina Dittrich geht davon aus, dass sich das ändern wird. Der Bürgermeisterjob ist und bleibt hauptamtlich – das Oberhaupt im Rathaus ist gleichzeitig Chef der Verwaltungsgemeinschaft von Reichenbach, Königshain und Vierkirchen. Größte Herausforderung sei, meint sie, der Verschuldung der Stadt entgegenzuwirken. „Außerdem müssen wir den Schulstandort und das Versorgungszentrum stärken, um den Ort für junge Familien attraktiv zu halten." Es müsse gelingen, Einnahmen zu akquirieren, um selbst die Zukunft zu gestalten.

Wahl auch in Boxberg, Ostritz, Schönau-Berzdorf

Boxberg mit seinen 18 Ortsteilen wählt im Juni ebenfalls einen neuen Bürgermeister. Amtsinhaber Achim Junker tritt nach nur einer Legislaturperiode nicht mehr an. Neue Kandidaten gibt es bisher nicht. 14 Jahre hat Marion Prange als Ostritzer Rathauschefin bald absolviert. Auch sie macht Platz für einen Nachfolger. In der kleinen Neißestadt haben zwei Interessenten ihren Hut in den Ring geworfen: Thomas Göttsberger, der sich in der Region für den Erhalt historischer Bausubstanz einsetzt. Und Stephanie Rikl, die in Görlitz studierte und jetzt dort arbeitet. Nach 30 Jahren verlässt in Schönau-Berzdorf Christian Hänel den Bürgermeisterstuhl. In dem Ort am Berzdorfer See hat noch niemand seine Kandidatur erklärt.