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Bauholz knapp wie einst Klopapier

Die Regale in den Baumärkten sind leergefegt. Zugesagte Lieferungen verzögern sich. Das hat Auswirkungen auf Industrie und Handwerk. Warum ist das so?

Bauholz ist zuletzt immer knapper geworden. In Baumärkten fehlen manche Qualitäten und Abmessungen oft komplett.
Bauholz ist zuletzt immer knapper geworden. In Baumärkten fehlen manche Qualitäten und Abmessungen oft komplett. © Archiv/Dietmar Thomas

Die Situation ist angespannt, die Diskussion hitzig. Denn: Bauholz wird immer knapper. Seit Monaten gibt es Schwierigkeiten mit dem Nachschub, obwohl genügend gefällte Baumstämme überall noch in den Wäldern liegen und die Sägewerke demzufolge gut ausgelastet sind.

In der Branche ist man vorsichtig geworden. Zu hart sind die Anfeindungen von Baubetrieben und Privatkunden. Man argwöhnt den Ausverkauf des deutschen Schnittholzes in Richtung Asien und Amerika. Doch ganz so sei es nicht, meint ein Experte, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Sein im Landkreis Görlitz ansässiger Holzverarbeitungsbetrieb hat in jüngster Zeit etliche unschöne Anrufe bekommen. "Deshalb gehen wir jetzt ein bisschen defensiver damit um. Denn diese aufgeheizte Stimmung kann keiner gebrauchen."

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Der Fachmann vergleicht die Lage beim Bauholz mit der des Klopapiers vor rund einem Jahr. "Die Nachfrage übersteigt das Angebot." Und das hat seiner Ansicht nach mehrere Gründe. Der erste: Die Inlandsnachfrage ist gestiegen. Viele Menschen sind coronabedingt zu Hause und holen jetzt nach, was sie schon lange bauen wollten. Die Folge: In den Baumärkten bleiben bei bestimmten Qualitäten die Regale leer. Der zweite Grund sind große Infrastrukturprogramme - nicht nur in Deutschland, sondern international. "In den USA werden zum Beispiel neue Schulen und öffentliche Gebäude errichtet. Was da gebraucht wird, ist natürlich auch Holz." Den dritten Grund sieht der Experte im innerdeutschen Immobilienmarkt. Holzbau sei dabei "wahnsinnig nachgefragt".

Obwohl Rundholz genügend vorhanden ist, mangelt es am Bauholz. Die Sägewerke sehen die Schuld nicht bei sich, sondern unter anderem in der weltweit gestiegenen Nachfrage.
Obwohl Rundholz genügend vorhanden ist, mangelt es am Bauholz. Die Sägewerke sehen die Schuld nicht bei sich, sondern unter anderem in der weltweit gestiegenen Nachfrage. © André Schulze

Insgesamt, so der Manager, habe der Baustoff Holz in den vergangenen Monaten immens an Bedeutung gewonnen. "Das hat unter anderem mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis zu tun. Auch wenn Holz insgesamt teurer geworden ist, kann man ihn kostenseitig mit Stahl und Glas noch längst nicht vergleichen." Denn weil weltweit so viel gebaut und Stahl fast in jeder Branche gebraucht wird, ist der Preis dafür durch die Decke gegangen. Probleme gebe es auch mit Beton und Ziegeln. Kunststoff-Artikel wie zum Beispiel Plasterohre gebe es frühestens im Herbst.

Wann der Engpass überwunden sein wird, kann der Experte nur vermuten. Wieder vergleicht er die Situation mit dem Klopapier. "Als die Menschen begriffen hatten, dass sie nur für ihren normalen Verbrauch einkaufen mussten, war der Boom bald wieder vorbei." Ähnlich sieht er das mit der Bauholz-Verfügbarkeit: "Wenn keiner mehr 50 Kubikmeter als Reserve auf die Seite legt, dann ist auch wieder genug für alle da."

Am mangelnden Willen und der Auslastung der Sägewerke liegt das knappe Holzangebot jedenfalls nicht. Erst jüngst hatte der Präsident des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes (DeSH) mitgeteilt, dass laut den aktuellsten Zahlen von Januar und Februar 2021 die Herstellung von Holzprodukten um elf Prozent gesteigert wurde, der Export aber etwa auf Vorjahresniveau geblieben sei. Jörn Kimmich begründet den Engpass vielmehr mit einem globalen Bauboom. "Allein in Deutschland wuchs die Zahl der genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser im Januar knapp um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr."

Für Zimmerer - hier Tom Starke aus Kiesdorf - ist es wegen der hohen Nachfrage nicht ganz leicht, fristgerecht an das benötigte Holz zu kommen.
Für Zimmerer - hier Tom Starke aus Kiesdorf - ist es wegen der hohen Nachfrage nicht ganz leicht, fristgerecht an das benötigte Holz zu kommen. ©  Archiv/Matthias Weber

Die internationalen Marktentwicklungen hätten gezeigt, so Kimmich, dass Bedarf vor allem in Nordamerika, aber auch in China vorhanden sei, wo man ebenfalls zunehmend auf Holzbauten setze. In Deutschland haben nach Angaben des DeSH vor allem die Änderung der Musterbauordnung im Jahre 2019 und das gestiegene Bewusstsein für klimaschonendes Bauen zu vermehrter Holznachfrage geführt. 2020 sei die Holzverwendung demnach von 19,4 Millionen Kubikmetern (2019) auf 21 Millionen Kubikmeter angewachsen. Nach jüngsten Zahlen hat die deutsche Holzindustrie von Januar bis März 2021 sieben Millionen Kubikmeter Schnittholz erzeugt. "Das ist immerhin eine Million mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres", so DeSH-Geschäftsführerin Julia Möbus.

Um sich Kostenärger künftig zu ersparen, rät der Holzexperte aus dem Landkreis Görlitz, dass Bauträger keine Festpreis-Verträge mehr anbieten sollten. Oder zumindest mit einem Passus, der gestiegene Marktpreise berücksichtigt. "Wenn Baustoffe wie Stahl, Beton, Kunststoff und nun auch Holz teurer werden, gibt es sonst ein Problem." Dies liege an der Vertragsgestaltung vor Ort, aber nicht an den Sägewerken.

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