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Mit 92 ist Oma jetzt fit im Internet-Surfen

Trotz aller Corona-Müdigkeit gewinnt Familie Adomat aus der Nähe von Niesky den Auflagen noch Positives ab.

Heike Adomat, ihr Mann Frank (beide 62) und ihre Mutter Ursula Dietrich haben die coronabedingten Auszeiten gut genutzt. Die 92-Jährige hat sogar gelernt, mit dem Smartphone umzugehen und im Internet zu surfen.
Heike Adomat, ihr Mann Frank (beide 62) und ihre Mutter Ursula Dietrich haben die coronabedingten Auszeiten gut genutzt. Die 92-Jährige hat sogar gelernt, mit dem Smartphone umzugehen und im Internet zu surfen. © André Schulze

Testwirrwarr, Impfchaos, täglich schwankende Inzidenzen - solche Hiobsbotschaften nehmen die Adomats zwar wahr. Von ihnen aufs Gemüt drücken lassen sie sich aber nicht. Sie haben eine eigene Strategie entwickelt, durch die schwierige Zeit zu kommen: niemals den Optimismus verlieren. Und entsprechend handeln.

Als Heike Adomat noch Lehrerin am Nieskyer Gymnasium war, war sie bekannt für ihren Tatendrang. Besonders der Austausch mit russischen Jugendlichen lag ihr am Herzen. Vor zwei Jahren hat die jetzt 62-Jährige aufgehört. "Das stand für mich schon lange fest. Mit meinem Mann zusammen - er ist genauso alt wie ich - wollte ich danach noch eine schöne Zeit erleben", schildert sie ihre Pläne. Geplant hatten die beiden viele Reisen, um sich gemeinsam die Welt anzusehen. Doch dann kam Corona. Und die Koffer blieben ungepackt in der Ecke stehen.

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Die erste Enttäuschung hat sich längst gelegt. Sie ist zwar keiner Begeisterung gewichen. Aber einem täglich neu erlebbaren Spannungsfeld mit vielen positiven Aspekten. Natürlich würden sich die Adomats gern wieder völlig ohne Einschränkungen bewegen. Aber: "Wenn man nur will, kann man auch so gut durchs Leben kommen und vieles machen, was sonst nie geschehen würde", erzählt das Paar. Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung sind inzwischen schon normal. "Wir sind zu richtigen Heimatexperten geworden, kennen uns jetzt viel besser aus. Und lernen unsere tolle Gegend immer mehr zu schätzen."

Garten in der Coronazeit fast komplett umgebuddelt

Aber auch sonst gibt es keine Langeweile. Für die extra Portion Bewegung hat sich Heike Adomat den Hüftschwung mit Hula-Hoop-Reifen beigebracht. Viele Rabatten in ihrem Garten sind mittlerweile neu angelegt. Zwischendurch haben Vogelfutterstellen ihren Platz gefunden. Gebastelt hat sie ihr Mann Frank. "Man glaubt gar nicht, welch emsiges Treiben an diesen kleinen Häuschen herrscht", erfreut sich das Ehepaar an dem bunten Treiben.

Kulinarisch hat die Coronazeit den beiden ebenfalls viel gebracht. "Jede Woche gibt es bei uns einen Speiseplan. Mit jeder Menge neuen Gerichten. Die Rezepte suche ich mir meist aus dem Internet", beschreibt die Hobbyköchin die neue Vielfalt auf den Mittagstellern. Vor allem vegane und vegetarische Gerichte haben es ihr angetan - zum Beispiel Buletten auf fleischlose Art und Weise. Und Sauerkrautaufläufe. "Es gibt so viel, was man ausprobieren kann."

Aber nicht nur das Paar selbst hat im vergangenen Jahr einiges erlebt. Heike Adomat hat ihre Mutter von einer völlig neuen Seite kennengelernt. Schon im ersten Lockdown hatte sie die 92-Jährige aus Dresden in die Oberlausitz geholt. "Normalerweise wären wir da an die Ostsee gefahren. Im Winter am Wasser - das ist bei uns Tradition." Doch weil das nicht ging, gab's schöne Wochen in Niesky und Jänkendorf. Ab Beginn der zweiten Welle im Dezember gleich noch mal. Da kam Ursula Dietrich auf eine - für eine Frau ihres Alters - ungewöhnliche Idee: "Ich habe mir ein modernes Handy gewünscht, damit ich besser mit der Welt verbunden bin."

Ihren Garten in Jänkendorf hatte sie noch nie so gut in Schuss wie aktuell, freut sich Heike Adomat. Sie gewinnt den Einschränkungen in der Coronazeit durchaus auch positive Seiten ab.
Ihren Garten in Jänkendorf hatte sie noch nie so gut in Schuss wie aktuell, freut sich Heike Adomat. Sie gewinnt den Einschränkungen in der Coronazeit durchaus auch positive Seiten ab. © André Schulze

Doch zuerst musste die rüstige Seniorin mit dem Gerät ihrer Tochter üben. Die stellte ihre Lehrer-Vergangenheit unter Beweis. "Ich habe meiner Mutter drei Wochen lang jeden Tag fünf Aufgaben gestellt. Zum Beispiel WhatsApp schreiben, Google benutzen oder nach bestimmten Dingen suchen. Mein Mann und ich waren in der Zwischenzeit wandern." Am Ende der "Testphase" stellte sich heraus: Mutters Wunsch war keine Schnapsidee. Nun hielt die Familie Ausschau nach einem passenden Gerät. Die Wahl fiel auf ein Smartphone mit großem Display, großer Schrift und extra stark regelbarer Lautstärke - eben seniorengerecht.

Seitdem ist die 92-Jährige immer dran, wenn die Familie etwas aus dem Internet wissen will. Zum Beispiel, wann Hokkaido-Kürbisse ausgesät werden müssen. "Im Mai", hat Ursula Dietrich herausgefunden. Oder was im Corona-Deutsch der Unterschied zwischen Grenzgänger und Grenzpendler ist: "Der Grenzgänger wohnt in Deutschland und passiert von hier aus die Grenze. Pendler wohnen außerhalb und gehen in Deutschland zur Arbeit."

Auch wenn die Dresdenerin inzwischen wieder zu Hause ist, reißt der Kontakt zu Tochter und Schwiegersohn nicht ab. Denn nun spielt das Internet-Programm Zoom den Vermittler, Sehen und Gesehen werden bleiben also möglich. "Meine Mutti war schon immer eine agile Frau, kennt aus ihrer Zeit als Journalistin viele Menschen. Deshalb fehlen ihr Kontakte natürlich ganz besonders. Jeder Tag, an dem das nicht möglich ist, ist ein Stück verlorene Lebenszeit", erklärt Heike Adomat.

Bei Coronastress: Täglich nur einmal Nachrichten

Auch sie selbst sehnt die Normalität zurück. Selbst als Nicht-mehr-Lehrerin bereitet sie momentan ein deutsch-russisches Jugendlager im Schwarzwald vor. Ob es stattfinden kann, ist ungewiss. Vielleicht geht es wieder wie im vergangenen Jahr über die Bühne. "Da waren wir zu Hause und eine Woche lang miteinander vernetzt. Wir haben via Internet zusammen gekocht und verschiedene Vorträge erlebt. Die Coronazeit hat uns - wenn auch notgedrungen - damit ganz neue Wege eröffnet."

Aus eigener Erfahrung haben die Adomats einige Tipps parat, wie sich die Pandemie einigermaßen gut überstehen lässt: "Man muss sich unbedingt selbst beschäftigen, etwas Sinnvolles suchen, nicht hängen lassen." Aber auch der Kontakt - ob begrenzt persönlich oder übers Internet - sei weiter wichtig. Zudem eine Regel: "Am Tag nur einmal Nachrichten schauen, damit die Negativmeldungen nicht überwiegen." Auch wenn Ursula Dietrich inzwischen zweimal gegen Corona geimpft ist, Heike und Frank Adomat als enge Kontaktpersonen ebenso den ersten Pieks bekommen haben - der Wunsch für die Zukunft ist für alle klar: Die Pandemie soll möglichst bald zu Ende sein.

Haben auch Sie eine persönliche Strategie entwickelt, die Coronazeit zu überstehen? Dann melden Sie sich bei uns. Wir berichten darüber. E-Mail: [email protected]

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