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Corona-Leugner suchen Vereine heim

Zweifelhafte Schreiben verschicken Unbekannte unter falschem Absender. Wie jetzt im Kreis Görlitz der Fall. Anzeigen gegen sie gibt es bisher nicht.

Corona-Gegner machen zunehmend mobil. Wie hier an der B 96, mit Autokorsos oder mit zweifelhaften Briefen.
Corona-Gegner machen zunehmend mobil. Wie hier an der B 96, mit Autokorsos oder mit zweifelhaften Briefen. © SZ-Archiv

Sie machen nicht nur am Straßenrand, auf Plätzen und mit Autokorsos auf sich aufmerksam: die Leugner und Gegner der Corona-Pandemie. Ihre mitunter zweifelhaften Standpunkte teilen sie ebenso im Internet oder verschicken auf altbewährte Weise Briefe. Einen bekam der Heimatverein Wiesa in der Gemeinde Kodersdorf.

Im Kuvert steckten auf drei Seiten gesammelte Verschwörungstheorien um das Ergreifen einer Weltherrschaft, inszeniert vom Weltkapital, das dafür die Pandemie ausnutzt. Diverse "Experten" werden zitiert, die das voraussagen. Gisela Bether schüttelt daraufhin nicht nur den Kopf, als sie das liest, sondern musste sich erst einmal etwas abreagieren.

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"Woher haben die die Legitimation, solchen Schund einfach so zu versenden?", schreibt Frau Bether in einem Brief an die SZ und schickt den Briefinhalt gleich mit. Es ist die Sprache der Corona-Gegner auf den drei Seiten, wenn sie Quarantäne als eine Form von Haft bezeichnen, Corona für das Abschaffen von Bargeld verantwortlich machen, weil Kartenzahlung bevorzugt wird, oder Corona als das Alibi für einen sich anbahnenden Crash des Finanzsystems sehen.

Brief von einem Traditionsverein

Das ist das eine. Die andere Seite, die Gisela Bether beunruhigt, ist die Frage: Woher haben die meine Adresse und den Namen des Vereins? "Unseren Verein gibt es seit dem 1. Januar 2020 nicht mehr", erklärt sie. Noch mysteriöser ist der Absender des Briefes. Auf dem ausgedruckten Briefaufkleber steht der Bötzener Traditionsverein aus Jesewitz bei Leipzig. Freu Bether dachte zuerst, ein Verein mit ähnlichen Interessen sucht Kontakt nach Wiesa. Aber danach sieht der Inhalt nicht aus.

Verwunderung auch in Bötzen, als die SZ nach dem Inhalt des Briefes fragt. Vereinsvorsitzender Rüdiger Spobert versichert, dass der Verein solche Briefe nicht verschickt hat und auch kein Leugner oder Gegner der Corona-Pandemie ist. Wie die Adresse auf den Briefumschlag kommt, ist ihm ein Rätsel. Zumal der Straßenname nicht stimmt. Wahrscheinlich suchen sich Leute aus dem Internet die Adressen und verschicken unter Vereinsnamen ihre fragwürdigen Botschaften.

Polizei hat keine Kenntnis darüber

Vielleicht wäre es besser, sofort Strafanzeige gegen diese Leute zu erheben, schreibt Frau Bether. Sie hätte es tun sollen, denn sie ist bestimmt nicht die einzige Empfängerin dieser Schreiben. Aber solche Sachen kommen eher in den Papierkorb als zur Polizei. Das bedauert Polizeisprecherin Anja Leuschner: In keinem der Reviere der Polizeidirektion Görlitz ist ein derartiger Fall von Anti-Corona-Schreiben bekannt oder angezeigt worden, erklärt sie gegenüber SZ. Sie bestätigt, dass auch der erwähnte Brief in Wiesa bislang nicht bei der Polizei angezeigt wurde.

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Eine kleine Ironie bleibt am Ende: Während es im Brief gegen Corona und die Maßnahmen geht, prangt neben der Briefmarke ein Stempel mit der Aufschrift "Gemeinsam gegen Corona - sich selbst und andere schützen". Damit ist wenigstens eine gute Botschaft in Wiesa angekommen.

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