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Nieskyer sind vom Rangierlärm genervt

Die Deutsche Bahn hat Verbesserungen versprochen, aber in Neuhof ist nichts zu spüren. Nun sollen Transparente helfen.

Thomas Beyer, Frank Mitschke und Michael Rummler (v. l.) gehören mit zu den Neuhofern, die sich den Bahnlärm nicht länger zumuten wollen. Mit Transparenten protestieren sie dagegen.
Thomas Beyer, Frank Mitschke und Michael Rummler (v. l.) gehören mit zu den Neuhofern, die sich den Bahnlärm nicht länger zumuten wollen. Mit Transparenten protestieren sie dagegen. © André Schulze

Das Rangieren der Holzzüge aus Kodersdorf am Bahnhof Niesky nervt weiterhin die Anwohner. Daran hat sich auch gut ein halbes Jahr, nachdem die SZ darüber berichtet hatte, nichts geändert. Vor allem die Einwohner von Neuhof fühlen sich von diesem Lärm gestört, der sie nachts nicht schlafen lässt.

Mit den Worten: "Das Rangierproblem wird die Nieskyer weiter beschäftigen", endete der SZ-Beitrag vom 12. Dezember 2020. Daran hat sich nichts geändert. Das erfuhr die SZ bei einem Besuch in Neuhof dieser Tage. "Vor allem das Laufenlassen der Motoren in den Dieselloks stört uns", sagt Frank Mitschke. Von seinem Grundstück in der Spremberger Straße schaut er geradezu auf die Gleise am Nieskyer Bahnhof. Tagsüber könne man mit dem Lärm noch leben, aber nachts und am Wochenende ist das kein Zustand, erklärt der Nieskyer.

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Die Deutsche Bahn hatte bereits auf Nachfrage der SZ im vergangenen Jahr zugesagt, dass bis zum Jahreswechsel sogenannte Elektranten aufgestellt werden. Eine Pressesprecherin der Bahn erklärte: "An diesen Elektranten können die Diesellokomotiven Strom für die Erhaltung der Druckluft, Systembetriebe und Heizung beziehen. Die Motoren können dann abgeschaltet werden." Davon merken die Anwohner aber nichts.

Motoren der Dieselloks laufen weiterhin

"Dass diese Elektranten aufgestellt wurden, das können wir nicht bestätigen. Im Gegenteil, die Motoren der Dieselloks laufen während der ganzen Zeit, bis die Züge abfahren", ist die Beobachtung von Frank Mitschke auch in diesen Tagen. Und wenn die Lokführer dann noch zu einem Hupkonzert zur Begrüßung anstimmen, "dann steht man nachts im Bett", so Mitschke. Die Deutsche Bahn kann aufgrund von Urlaub des Projektverantwortlichen der SZ gegenwärtig keine Antwort darauf geben, inwieweit das Vorhaben umgesetzt ist oder nicht.

Dass die Anwohner diese Lärmkulisse nicht mehr hinnehmen wollen, machen sie jetzt auf Transparenten deutlich: "Auch Neuhof braucht Lärmschutz" fordern sie. Konkret geht es den Neuhofern um die Gleise 3 und 4, die von ihren Grundstücken aus gesehen vor der Lärmschutzwand entlangführen. Von der Hauptstrecke der Niederschlesien Magistrale bekommen sie von den Geräuschen her nicht viel mit, zumal sich der Anteil an Elektroloks merklich erhöht hat. Aber das Rangieren auf Gleis 3 und 4 ist für sie weiterhin belastend.

Notgleis und nicht zum Rangieren

Das dürfte so aber nicht sein, sind die Anwohner überzeugt. Denn Gleis 4 "ist als sogenannte Heißläuferruhestrecke angedacht". So steht es in der Begründung der Stellungnahme des Nieskyer Stadtrates zum Ausbau der Strecke Knappenrode - Horka, die bereits im April 2008 unter Bürgermeister Wolfgang Rückert beschlossen wurde. Darin forderte die Stadt unter anderem, eine kreuzungsfreie Lösung für den Bahnübergang Muskauer Straße - in Erwartung der prophezeiten 175 Güterzüge pro Tag. Was aber mit dem Ausbau der Trasse aus Kostengründen und vom Platz her von der Bahn nicht umgesetzt werden konnte.

Das Heißläufergleis am Bahnhof Niesky auf der Neuhofer Seite ist oft mit Güterzügen belegt, obwohl es für Notfälle freizuhalten ist. Die Anwohner stört vor allem das lautstarke Rangieren und Umkoppeln in der Nacht.
Das Heißläufergleis am Bahnhof Niesky auf der Neuhofer Seite ist oft mit Güterzügen belegt, obwohl es für Notfälle freizuhalten ist. Die Anwohner stört vor allem das lautstarke Rangieren und Umkoppeln in der Nacht. © André Schulze

An das Notgleis und die darauf vollzogenen Rangierarbeiten erinnerten die Neuhofer bei ihren inzwischen drei Gesprächen mit Nieskys Oberbürgermeisterin. Auch wenn die Stadt in der Zuständigkeit an die Deutsche Bahn verwies, erhofften sich die Bürger von Neuhof - und damit der Stadt Niesky -, dass die Stadtverwaltung ihr Lärmproblem energischer angeht. "Aber diese Hilfe bleibt uns versagt", heißt es enttäuschend von der Spremberger Straße.

Schallschutz notwendig oder nicht

Dass die nördliche Schallschutzwand zwischen den vier Gleisen und nicht am äußeren Rand steht, ist begründet mit dem Heißlaufgleis. Strandet dort ein Zug, dem die Bremsen heiß gelaufen sind, muss dieser von der Feuerwehr an allen Stellen erreichbar sein. Das sieht auch Thomas Beyer ein. Der junge Mann gehört zur Nieskyer Stadtfeuerwehr, ist aber von dem Lärm als Anwohner genauso betroffen. "Wenn die Bahn ein solches Gleis für Notsituationen baut, dann muss es auch so genutzt werden und nicht zum Rangieren", erklärt Beyer. Es kommt öfter vor, dass auf beiden Gleisen Güterwaggons für längere Zeit geparkt sind. "Wo soll dann ein havarierter Zug zum Halten gebracht werden?", fragt sich der Feuerwehrmann.

Was die Gleise 3 und 4 betrifft, spricht die Bahn von "Überhol- und Rangiergleisen". Sollte es zu einer Störung kommen, so eine Bahnsprecherin, ist dafür das Gleis 3 vorgesehen. Dort soll der defekte Zug angehalten werden. Weitere Untersuchungen und das Ausrangieren defekter Waggons soll auf den Gleisen 3 und 4 stattfinden. Was das Rangieren angeht, verweist die Bahn auf die Verkehrsunternehmen, die dafür tätig sind. Die DB Netz stellt die Gleisanlagen zur Verfügung. Solange sie im Rahmen der zulässigen Nutzung befahren werden, hat die DB keinen Einfluss darauf, erklärt die Sprecherin.

Rangieren auf dem Güterbahnhof in Horka?

Das Problem Lärm wird damit nicht aus der Welt geschafft. Um es zu lösen, sollten sich Bahn, Stadt und der Betreiber der beiden blauen Rangierloks mit den Anwohnern an einen Tisch setzen und Möglichkeiten im Interesse der Lärmleidenden suchen und finden. Denn eines ist sicher: Als der Stadtrat seine Stellungnahme 2008 zum Trassenausbau abgab, konnte noch keiner ahnen, welche Entwicklungen sich im Gewerbegebiet Kodersdorf abzeichnen. Dass dort inzwischen Sachsens größtes Sägewerk steht und auch noch ein Containerumschlagplatz dazu kam, wirkt sich auch auf den Güterverkehr auf der Schiene aus.

Platz zum Rangieren und Umkoppeln ist genügend auf dem Güterbahnhof Horka, argumentieren die Neuhofer. Aber um die Loks dort umzuspannen, muss jeder Güterzug sieben Kilometer weiter fahren als bis nach Niesky, ist eines der Gegenargumente. Der Rangierverkehr wird weiter zunehmen, ganz gleich auf welchen Gleisen. Das muss aber nicht heißen, dass auch die schlaflosen Nächte in Neuhof mehr werden.

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